Was wurde aus …

… Annette Humpe, 66,

die in der ersten Ausgabe von brand eins erklärte, was einen Popsong zum Hit macht. Mit ihren Bands Neonbabies und Ideal gehörte sie zu den Stars der Neuen Deutschen Welle und sang im Duo mit Adel Tawil „Ich + Ich“. Sie produzierte zahlreiche Hit-Alben, zum Beispiel von Rio Reiser, den Prinzen, Nena, Udo Lindenberg und Max Raabe.





Was haben Sie (damals) erwartet?

Von der Musikindustrie habe ich gar nichts erwartet. Ich erwarte höchstens etwas von mir selbst: dass ich weiter mit Freude Songs schreibe und produziere, zum Beispiel. Aber eigentlich renne ich nicht durch die Welt und erwarte irgendwas. Ich lasse mich lieber überraschen. Dass die CD-Verkäufe runtergehen, war damals schon klar. Ich finde es immer etwas albern, wenn die Musikindustrie jammert. Die verdienen sich weiter dumm und dämlich, die armen Plattenfirmen. Das ist kein Umbruch. Überall verdienen sie mit, nicht nur bei den CDs, auch bei den Konzerten und beim Merchandising.

Was war das Überraschendste, das Ihnen (bis heute) passiert ist?

Dass ich mit 41 Jahren noch einmal ein Kind bekommen habe – damit hatte ich nicht gerechnet. Das war eine Spitzenüberraschung. In der Musikbranche ist vieles sehr absehbar, da gibt es nicht so viele Überraschungen. Wenn ich ehrlich bin, fällt mir da kein Erlebnis ein, über das ich sagen könnte, wer hätte denn das gedacht. Die Musikindustrie will halt Geld verdienen. Die interessanten Überraschungen finden vielleicht eher im Underground statt. Was sich verändert hat, ist, dass immer weniger Bands bereit sind, mit Plattenfirmen zusammenzuarbeiten. Man braucht heute keine Plattenfirmen mehr, das ist auch gut so. Das konnte ich mir vor 30 Jahren nicht vorstellen, auch nicht dass man einfach sein tragbares Studio im Laptop dabeihat. Damals kostete die Studiomiete mehrere Tausend D-Mark am Tag, alles war wahnsinnig teuer, man musste die wertvolle Studiozeit möglichst effizient nutzen. Heute kann man in jeder Küche ein kleines Tonstudio aufmachen und seine Aufnahmen selbst produzieren. Das ist eine echte Befreiung. Ich berate immer noch junge Bands, wenn sie den Weg zu mir finden und wenn ich sie interessant finde. Dafür will ich auch kein Geld.

Was soll noch kommen?

Ich möchte mehr Zeit mit meinen Freunden verbringen, das ist das Wichtigste. Ich habe im Süden ein Haus mit schönen Gästezimmern gekauft. Ich lasse mich treiben, mal sehen, was noch kommt. ---