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Der schöne Schleim

Ein Berliner Chemiker entwickelt multifunktionelle Beschichtungen. Vorbild ist ein Sekret von Muscheln.





• Sie kleben auf Felsen mitten in der Brandung, auf anderen Artgenossen oder an Schiffsrümpfen: Muscheln verstehen es, sich auf verschiedenen Untergründen zu verankern. Möglich macht dies ein spezielles Sekret, das die Muschel absondert. In der Arbeitsgruppe von Rainer Haag, Professor am Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin, stellt man diese Art von Sekret mit synthetischen Polymeren nach. Das Besondere an den Polymeren: Man kann ihnen durch Zugabe von Molekülen spezielle Eigenschaften verleihen. So können Oberflächen, die mit diesen Polymeren behandelt werden, zum Beispiel Wasser oder Proteine vollkommen abweisen. Oder sie können ein Nährboden für schnelles Zellwachstum sein.

Der Doktorand Christoph Schlaich will ein Produkt aus der Substanz entwickeln. Als Chemiker denkt er vor allem an Laborutensilien. „Die Polymere sind ideal, um beliebige Verbrauchsmaterialien im Labor ganz nach Wunsch zu beschichten“, sagt er. „Einfach eintauchen, trocknen lassen, fertig.“ Dip-Coating nennt er es. Die so behandelten Geräte würden ein Problem lösen, das Schlaich selbst aus der täglichen Arbeit kennt. Denn im Labor kippt man Flüssigkeiten von Gläschen zu Gläschen, schüttelt sie im Reagenzglas, träufelt sie aus Pipetten, und immer bleibt ein kleiner Teil am Glas hängen. Solche Reste können zum Beispiel bei einem Impfstoff gern mal mehrere Hundert Euro wert sein – pro Milligramm. Die Muschel-Beschichtung soll verhindern, dass solche Reste im Glas bleiben. Alles würde vollständig abperlen.

Ein Patent hat Schlaich bereits angemeldet. Nun will er sich zwei Jahre Zeit nehmen, seine Methode verfeinern, Fehler beheben und seine Doktorarbeit darüber schreiben. Dann soll das Produkt auf den Markt kommen. Zuerst für Medizinprodukte, später sind aber auch Alltagsanwendungen denkbar. So könnte man mit Dip-Coating auch Fenster oder ganze Fassaden besprühen. Oder Autos. Ein Liter zum Preis von 100 Euro könnte dafür sorgen, dass der Wagen nie wieder dreckig wird. ---

Dip-Coating

Eine Erfindung aus dem Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin

Gründer: Christoph Schlaich

Kontakt: christoph.schlaich@gmail.com