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Smartmembranes

... und die anderen aus Wissenschaft Geschäftsideen machen




Wer die großen Probleme der Welt lösen will, muss manchmal bei den kleinsten anfangen. Viren zum Beispiel. Einige messen nur 20 Nanometer, mehrere hundertmal weniger als rote Blutkörperchen und viele Bakterienarten. Wer mit solchen Viren arbeiten will, muss sie erst mal zu fassen bekommen, und genau das war bislang ein großes Problem. Dann hatten die Chemikerinnen Petra Göring und Monika Lelonek eine Geschäftsidee.

Angefangen hat alles, als sich die beiden bei einem Workshop für Unternehmerinnen in der Nanotechnologie kennenlernten und feststellten, dass sie beide an löchrigen Stoffen geforscht hatten – die eine als Doktorandin in Münster, die andere als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Halle. Im Gespräch kamen sie auf ein bekanntes, aber bislang wenig beachtetes Verfahren: die Herstellung von Membranen mit Löchern, deren Größe man auf wenige Nanometer genau einstellen kann. Ein Filter also, entwickelt durch ein elektrochemisches Ätzverfahren. Der funktioniert so: Man legt Aluminium in eine Flüssigkeit, löst es mit Strom zu Aluminiumoxid auf, und wenn man dann die Temperatur, den Stromfluss und die Spannung genau einstellt und die Menge und die Art der Elektrolyten kontrolliert, entsteht am Ende eine Art Platte mit einer stabilen Honigwabenstruktur, deren Loch-Größe man steuern kann.

Genau das ist der Fortschritt. „Viele Filter bestehen aus Press-Material oder Material, in das Löcher geschossen wurden“, sagt Petra Göring. Das Ergebnis sind Löcher, die mal größer, mal kleiner sind, ungleichmäßig verteilt und manchmal nicht vollständig durchgeschossen, wie eine Sackgasse. „Im Gegensatz zu unseren Membranen.“

So weit, so theoretisch. Denn wo die Grundlagenforschung aufhörte, fing die Arbeit für Göring und Lelonek erst richtig an. Sie fragten sich: Wie schaffen wir es, Apparate zur Herstellung solcher Filter zu bauen, die in Laboren und Biotech-Firmen massenweise gebraucht werden? Stromfluss, Temperatur & Co im Versuch kontrollieren zu können, ist das eine – aber funktioniert das auch schnell und quasi auf Knopfdruck? Und geht es noch bei Aluminiumoxidplatten in DIN-A4-Größe und bei Siliziumscheiben mit 150 Millimeter Durchmesser, damit man größere Mengen auf einmal filtern kann?

Heute funktioniert das. Die beiden sind Geschäftsführerinnen der SmartMembranes GmbH, und das Fraunhofer Institut für Werkstoffmechanik und die Universität Halle fanden ihre Idee so gut, dass sie ihnen bei der Gründung halfen. Ein Selbstläufer ist die Vermarktung der schlauen Membranen allerdings noch nicht. „Man muss potenziellen Kunden immer wieder erklären, dass unsere Filter schneller und fehlerfreier sind und dass sie kleinste Partikel filtern können“, sagt Göring. Und zwar längst nicht nur Viren. Eine Firma braucht die Membranen, um DNA-Sensoren herzustellen, eine andere produziert damit Brennstoffzellen.

Möglicherweise kann man dank SmartMembranes demnächst also nicht nur kleinste Viren filtern, sondern auch Superladegeräte für Handys mit sich herumtragen. ---