Prototyp von Tempedy

Ein Infusionsgerät soll die Körpertemperatur von Patienten heben oder senken und damit Leben retten.





• Die Körpertemperatur eines Patienten spielt in der Medizin eine wichtige Rolle. Kühlt der Körper zum Beispiel bei Operationen aus, kann es zu Komplikationen kommen. In der Chemotherapie ist eine Erwärmung des Körpers hilfreich. Sie sorgt für bessere Durchblutung und Aufnahme des Therapeutikums, das so geringer dosiert verabreicht werden kann. Und nach der Reanimation bei Herzstillstand sollte der Körper auf 32 bis 34 Grad Celsius gekühlt werden. Dann sinken der Stoffwechsel und der Sauerstoffverbrauch, Gewebeschäden am Gehirn werden minimiert, und die Überlebenschancen steigen.

Für die Hyperthermie (Überwärmung) und Hypothermie (Unterkühlung) gibt es genaue Handlungsanweisungen. Die Umsetzung ist allerdings schwierig. Die Verfahren müssen über einen längeren Zeitraum überwacht und Temperaturabweichungen korrigiert werden. Übliche Methoden sind zu ungenau oder zu langsam – denn oft geht es um Minuten.

So kann man beim Herzstillstand eines Patienten den Körper vor Ort mit speziellen Decken und Eisbeuteln oberflächlich abkühlen. Die Methode ist aber schwer steuerbar und wenig exakt.

Später in der Klinik kann man mit einem Katheter invasiv kühlen. Ein Liter kalte Kochsalzlösung bewirkt zum Beispiel eine Absenkung der Körpertemperatur um 0,75 Grad Celsius. Allerdings können laut einer Studie im Schnitt bis zu 94 Minuten vergehen, bevor die Behandlung im Krankenhaus beginnen kann. Bis die gewünschte Temperatur erreicht ist, sind es sogar 309 Minuten. Wertvolle Zeit, in der sich die Heilungschance des Patienten dramatisch verschlechtert.

Die Ärzte Rainer Kollmar und Marc Baenkler sowie der Mediziningenieur Matthias Roth haben aus diesen Gründen ein Gerät namens Tempedy entwickelt. Es kann exakt temperierte Flüssigkeiten von 4 bis 42 Grad Celsius als permanente Infusion verabreichen und misst gleichzeitig kontinuierlich die Körpertemperatur. Das Gerät lässt sich programmieren, sodass einzelne Behandlungsphasen über längere Zeiträume eingestellt werden können. Größere Temperaturschwankungen sollen so vermieden, die Belastung für den Patienten minimiert werden.

Die Erfinder wurden vom Strascheg Center for Entrepreneurship der Hochschule München unterstützt und erhielten für ihren Prototyp eine Förderung. Nach Gründung ihrer Firma Seiratherm soll sich das Gerät nun in der klinischen Erprobung beweisen. Verlaufen die Studien erfolgreich, wird Tempedy noch in diesem Jahr auf den Markt kommen und in naher Zukunft auch mobil einsetzbar sein. ---
Tempedy
Eine Entwicklung der Seiratherm GmbH
Gründer: Marc Baenkler, Matthias Roth
Preis: zwischen 25.000 und 32.000 Euro
Kontakt: info[at]seiratherm[punkt]de