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Firstrand Group

Eine Eigenkapitalrendite von fast 25 Prozent? Davon können Banken hierzulande nur träumen. In Afrika macht die Firstrand Group vor, wie es geht – ohne Skandale und Rechtsstreitigkeiten, mit ganz normalem Bankgeschäft.





• Die Bank Firstrand mit Sitz in Johannesburg ist mit einer Eigenkapitalrendite von 24,8 Prozent (Gewinn von 22,5 Milliarden Rand bezogen auf das Eigenkapital von gut 90 Milliarden Rand) das profitabelste Geldhaus Afrikas. Im Schnitt schaffen die vier Marktführer auf dem Schwarzen Kontinent – neben Firstrand die Standard Bank, Barclays Africa Group und Nedbank – 18,2 Prozent, was immer noch glänzend ist im Vergleich mit ihren europäischen Wettbewerbern. Die kommen kaum auf zweistellige Werte. Mit einer Bilanzsumme von mehr als einer Billion Rand (rund 61 Milliarden Euro, ungefähr ein Zehntel der Commerzbank) ist Firstrand das zweitgrößte Institut in der Spitzengruppe.

Die Bank hat diverse Töchter, von denen drei den Großteil des Geschäftes auf sich vereinen: Die größte von ihnen ist die First National Bank für Privatkunden und kleinere Firmen, die ein Drittel zu den Gesamterlösen von insgesamt 68 Milliarden Rand beiträgt; sie gilt als besonders innovativ und fortgeschritten, was digitale Angebote angeht. Daher arbeitet das Institut sehr kostengünstig und erwirtschaftet mit 38,3 Prozent die höchste Eigenkapitalrendite im Konzern. An zweiter Stelle rangiert die international ausgerichtete Investment- und Großkundenbank RMB, von der ein weiteres Viertel des Firstrand-Umsatzes stammt; auch sie ist sehr profitabel und vielfach prämiert als bestes afrikanisches Investmenthaus. Mit der kleinsten Tochter, Wesbank, ist Firstrand schließlich noch erfolgreich im Autofinanzierungs- und Leasing-Geschäft tätig.

Der Erfolg der Bank hat auch mit ihrem Standort zu tun. Zwar belastet der Verfall der Rohstoffpreise viele Länder, in denen sie aktiv ist. Das trieb die Zahl der Kreditausfälle (NPL; Non Performing Loans) erstmals seit 2011 nach oben. Doch wichtiger sind zwei andere Faktoren: ein für die Finanzbranche vorteilhaftes Zinsgefüge sowie die Wachstumsperspektiven. Bislang haben nur knapp 37 Prozent aller Afrikaner ein Konto (in den zur OECD gehörigen Industrieländern sind es rund 90 Prozent), erst 8 Prozent der Erwachsenen nutzen digitale Angebote (OECD: 58 Prozent), private Kredite machen nur 43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus (OECD: 134 Prozent). So fällt es Firstrand leicht, ihr Geschäft auszuweiten, bei den Einlagen wie bei den Krediten mit 12 Prozent pro Jahr im Schnitt seit 2011.

Eine noch wichtigere Rolle für den Erfolg spielen die Zinsen: Sie sind im Vergleich zu Europa hoch. Der Leitsatz der südafrikanischen Zentralbank liegt bei 6,75 Prozent (Europäische Zentralbank: 0 Prozent). Je höher dieser Zins, desto höher die Nettozinsmarge der Geldhäuser. Das ist, vereinfacht gesprochen, die Differenz zwischen dem Satz, den sie für Kredite verlangen, und dem, den sie für Einlagen zu zahlen bereit sind. Steigt der Leitsatz, erhöhen die Geldhäuser die Kreditzinsen meist schneller und stärker als die Sparzinsen. Dadurch steigt ihre Marge. So war es auch bei Firstrand, die seit 2011 ihre Nettozinsmarge (Interest margin on average advances) von 3,9 auf 5 Prozent erhöhen konnte (bei europäischen Banken liegt sie im Schnitt bei rund 2 Prozent). Das beflügelte die Erlöse des Geldhauses. Das Nettozinseinkommen (Net interest income) verdoppelte sich auch dank der verbesserten Marge im selben Zeitraum, von gut 17 Milliarden auf mehr als 35 Milliarden Rand.

Die Bank wird gut geführt. Ihre Kosten-Ertrags-Quote liegt bei 52 Prozent, ein Spitzenwert verglichen mit der Konkurrenz aus Europa, die im Schnitt auf gut 63 Prozent kommt. Und das, obwohl Firstrand nicht weniger streng reguliert wird. So muss auch sie die strengen Eigenkapitalvorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht erfüllen – und deklassiert auch hier die Konkurrenz: Ihre Kernkapitalquote (CET 1) liegt bei 14 Prozent, die der Europäer im Schnitt gut einen Prozentpunkt darunter. ---

Die Finanzgruppe Firstrand wurde 1998 als Zusammenschluss der Finanzbeteiligungen des Minenkonzerns Anglo American und der südafrikanischen Bank RMB Holdings gegründet und an der Börse in Johannesburg eingeführt. Großaktionäre sind unter anderen die Investmentgesellschaft für die Lokalbevölkerung des Stammes Bafokeng (15 Prozent), die Investmentgesellschaft der BEE Black Economic Empowerment (5 Prozent) und das Management der Bank (10 Prozent). Von den gut 42.000 Mitarbeitern sind 85 Prozent in Südafrika tätig, die übrigen arbeiten in Vertretungen in Indien, Kenia, Angola, Dubai, Schanghai und London.