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Solux

Eine junge Designerin kämpft mit einem interaktiven Beleuchtungssystem für mehr Sicherheit in den Städten.





• Wendy Di Wang hat Industrie- und Produktdesign am California College of the Arts in San Francisco studiert. Der Campus liegt direkt neben einem Stadtviertel mit großer Armut und hoher Kriminalität. Di Wang und ihre Mitbewohner, Freunde und Kommilitonen wurden in den vergangenen Jahren mehrfach auf offener Straße überfallen, mit Waffen bedroht, Wohnungen und Autos wurden aufgebrochen. „Ich wollte etwas tun, um mich und meine Freunde zu beschützen“, sagt sie. Also wählte sie für die Abschlussarbeit ihres Studiums das Thema „Sicherheit in der Stadt“.

Zunächst dachte sie über Waffen zur Selbstverteidigung nach, über Pfeffer-Sprays und Apps, die mehr Sicherheit geben sollten. Doch sie merkte schnell, dass diese Maßnahmen nur dem Einzelnen nützen würden. „Selbstverteidigung führt dazu, dass Menschen nur für ihre eigene Sicherheit kämpfen, aber das Vertrauen in andere Menschen verlieren. Ich wollte eine sichere Umgebung für alle schaffen“, sagt Di Wang.

Die Lösung lautet: Licht. In Gesprächen mit Polizeibeamten, Sicherheitsbehörden und Opfern von Gewaltverbrechen erfuhr sie, dass Licht viel mehr kann, als nur Helligkeit spenden. Es hat eine enorme psychologische Wirkung. Zahlreiche Studien aus Städten in Europa und den USA belegen das. „Licht im öffentlichen Raum kann eine positive Stimmung erzeugen und gibt den Menschen mehr Selbstvertrauen. Es macht alles sichtbar und verringert dadurch die Möglichkeiten für Kriminalität.“ Gute Beleuchtung führt also dazu, dass Menschen sich sicherer fühlen, diese Orte verstärkt aufsuchen und, laut der Studien, zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrügen. Armut und Kriminalität gingen zurück.

Daraufhin entwarf Wendy Di Wang ein interaktives Straßenbeleuchtungssystem namens Solux. Es besteht aus zwei Komponenten:

1. Die Laterne:

Sparsame LED-Leuchten spenden Licht in unterschiedlicher Helligkeit. Bewegungsmelder registrieren, wenn sich ein Fußgänger, Fahrradfahrer oder Auto nähert. In solchen Fällen strahlen die Lampen in voller Stärke. Ist niemand in der Nähe, sinkt die Helligkeit, die Laternen sparen so bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs der üblichen Straßenbeleuchtung. Jede Laterne versorgt sich dabei selbst mit Strom durch Solar-Panels, die tagsüber dem Stand der Sonne folgen, um eine optimale Energieausbeute zu erzielen. Die Leuchten funktionieren autark, müssen nicht an ein Kabelnetz angeschlossen werden und sind so deutlich kostengünstiger in der Wartung und beim Energieverbrauch.

2. Das Netzwerk:

Die Laternen kommunizieren über Detektoren miteinander. Wird eine Leuchte heller, weil sich eine Person nähert, springen auch die Lampen in der Umgebung an, begleiten den Weg des Passanten und geben ihm Sicherheit. Gleichzeitig signalisieren sie einem potenziellen Täter, dass er sich nicht im Dunkeln verbergen kann. Zudem können die Lampen mit Kameras, Mikrofonen oder Lautsprechern ausgestattet werden, die Informationen über die Umgebung sammeln und in der Not die Polizei benachrichtigen.

Markus Diebel, der heute bei Apple arbeitet und früher Chef-Designer bei Incase war (siehe brand eins, 11 /2012, „Spickern im Dunkeln“), wurde auf die Idee aufmerksam und ist seitdem Mentor des Projektes. Er gab Di Wang Tipps zum Design, suchte mit ihr geeignete Hersteller und vermittelte den Kontakt zu Forecast, einer Plattform aus Berlin, die neue Ideen fördern möchte. Dort stellte Wendy Di Wang ihren Entwurf bereits im Sommer vergangenen Jahres vor. Vertreter aus der Solarindustrie und von Bau- und Umweltbehörden zeigten erstes Interesse. Mithilfe von Forecast fertigte Di Wang ein Modell ihrer Laterne im Maßstab 1:10 an. Im Februar dieses Jahres will sie ihr System erneut in Berlin präsentieren. Besucher können etwa durch einen Erlebnistunnel gehen, um den Effekt des dynamischen Lichtes hautnah zu erleben.

Markus Diebel denkt derweil schon weiter. Er sieht viele Möglichkeiten, das System zu erweitern. Zum Beispiel für eine intelligente Verkehrsführung, als Notrufsäule, Handy-Ladestation oder als Werbedisplay. ---
Solux – interaktives Straßenbeleuchtungssystem

Erfinderin: Wendy Di Wang
Abschlussarbeit am California College of the Arts
Kontakt: wangdi91@yahoo.com
Live zu erleben am 26. und 27.2.2016 beim Forecast Forum im Haus der Kulturen der Welt, Berlin