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Lending Club

Peer-to-Peer Lending, die Darlehensvergabe von Privatpersonen an Privatpersonen via Internetplattform, gilt als große Bedrohung für Banken. Die Zahlen des Weltmarktführers Lending Club sind indes ernüchternd.





• Seit 2007 hat Lending Club Kleinkredite in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar vermittelt, 2,2 Milliarden Dollar allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres. Damit sind die Amerikaner Weltmarktführer, die europäische Konkurrenz kommt maximal nur auf zweistellige Millionenbeträge pro Quartal. Das liegt auch daran, dass in den USA das Angebot weniger groß ist als in Europa, viele finanzieren sich dort über teure Kreditkarten-Darlehen – und nutzen Lending Club, um umzuschulden, was ihnen laut einer Umfrage im Schnitt sieben Prozentpunkte erspart. Und doch bleibt der Weltmarktführer ein Zwerg. So vergab allein die Bank of America mit rund 200 Milliarden Dollar an Darlehen (85 Milliarden davon über Kreditkarten) im dritten Quartal das Fünfzehnfache dessen, was Lending Club in gut acht Jahren schaffte.

Die Folge: Die Firma verdient kaum Geld, hat mit einer Umsatzrendite von 0,8 Prozent (950 000 Dollar Gewinn im Verhältnis zu 115 Millionen Dollar an Umsatz) gerade so die Gewinnschwelle erreicht. Die Gebührensätze sind so gering, dass viel mehr Darlehen vergeben werden müssten, um profitabel zu arbeiten. Kreditnehmer zahlen im Schnitt 4,5 Prozent einmalig beim Abschluss (Transaction fee), Privatinvestoren ein Prozent von jeder Rate, die sie vom Kreditnehmer zurückerhalten (Servicing Fee) und Großanleger sogar nur 0,7 bis 1,5 Prozent jährlich auf das von ihnen gewährte Kreditvolumen (Management Fee).

Um schneller zu wachsen, schloss Lending Club in den vergangenen beiden Jahren Vertriebsvereinbarungen ausgerechnet mit jenen Firmen ab, die die Fintech-Plattform eigentlich ausschalten wollte: den Banken, etwa Union Bank, Citigroup und Banc Alliance (einem Zusammenschluss 200 kleiner amerikanischer Institute). Sie sollen Neukunden heranschaffen. Gleichzeitig ging das Unternehmen Kooperationen mit Google und dem chinesischen Internet-Händler Alibaba ein. Deren Kunden und Partner, vor allem kleine Mittelständler, können seitdem zu besonders günstigen Konditionen vom Lending-Club-Angebot profitieren. Schließlich kauften die Amerikaner noch Springstone, einen Vermittler von Studentendarlehen und Kleinkrediten für medizinische Zwecke. Die Kreditvergabe – im Schnitt gut 14 000 Dollar pro Darlehen – stieg daraufhin um 92 Prozent, was viel klingt, aber hinter den Erwartungen von Investoren und Branchenkennern weit zurückblieb. Seit dem Börsengang vor gut einem Jahr verlor die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Zudem ist vom sympathischen Geschäftsmodell des Peer-to-Peer Lending, das Privatleuten Direktinvestitionen ermöglicht und Zugang zu günstigen Darlehen verschafft, nicht mehr viel übrig. Das System funktioniert im Grundsatz so: Lending Club verkauft sogenannte Notes an Privatanleger und Certificates an Großinvestoren. Denen gegenüber hat die Plattform damit eine Schuld, daher stehen Notes and Certificates auch unter Liabilities (Verbindlichkeiten) in der Bilanz. Mit dem so eingesammelten Geld erwirbt die Firma dann die Darlehen, die formal von einer Partnerbank an die Kreditnehmer vergeben werden. Im dritten Quartal wurden laut Geschäftsbericht von den 2,2 Milliarden Dollar Neukreditvolumen nur 300 Millionen durch Notes, also Gelder privater Anleger finanziert. Mehr als doppelt so viel stammt von Großanlegern (700 Millionen) oder Banken (1,2 Milliarden). Das wiederum führt dazu, dass die Kreditvergabepolitik nicht ganz so sozial ausgestaltet ist, wie das Image von Lending Club vermuten lässt. Denn Großanleger legen Wert auf geringe Risiken. Und so gehört der durchschnittliche Schuldner laut Auskunft des Unternehmens mit einem persönlichen Jahreseinkommen von rund 74 000 Dollar zu den bestverdienenden zehn Prozent der USA. ---

Lending Club wurde 2006 in San Francisco von dem Unternehmer und Juristen Renaud Laplanche zunächst als Anwendung auf Facebook ins Leben gerufen und startete 2007 als eigenständiger Kreditvermittler. Kernstück ist eine Art automatisierte Rating-Agentur, die die Darlehensnehmer in Risikoklassen einteilt und entsprechend die Zinssätze festlegt. Die Firma vermittelt Kredite von Investoren direkt an Kreditnehmer, hat selbst also kein Risiko. Sie ging Ende 2014 an die Börse, wird derzeit mit 3,5 Milliarden Dollar bewertet und beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter.