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Ökonomie der Elemente

Wolfram (W)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt.





Die besondere Eigenschaft

Der Schmelzpunkt von 3422 Grad Celsius ist der höchste aller Metalle. Reines Wolfram ist weich und spröde, in Verbindung mit anderen Metallen wird es hart wie Diamant. Sauerstoff, Säuren oder Alkalien können es nicht angreifen. Mit einer Dichte wie Gold ist es zudem sehr schwer.

Wer braucht es?

Unter anderem all jene, die etwas mehr Gewicht vertragen können. Am Unterboden von Formel-1-Rennwagen werden oft Hunderte winziger Wolframplättchen montiert, wodurch die Boliden bis zu 100 Kilogramm schwerer werden und dann stabiler durch die Kurven kommen. Auch Flugzeuge oder Raumfähren brauchen diese Ausgleichsgewichte.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie zählt zu den großen Nachfragern, sie setzt extrem harte Wolframlegierungen ein, etwa in Rotorblättern von Helikoptern, in Flugzeugturbinen, in Höhen- und Seitenrudern. Auch für Panzer wird das Element genutzt – für panzerbrechende Geschosse ebenso. Mit entsprechenden Bohrern lassen sich Tunnel graben oder Ölvorkommen erschließen. Fräsmaschinen zerschneiden damit jedes Material.

In der Medizintechnik wird es ebenfalls gebraucht, etwa für strahlungsabschirmende Bauteile. Es taugt für die Heizeinsätze von Hochtemperatur-Öfen oder Schweiß-Elektroden. Neuerdings verarbeitet man es auch für elektronische Kontakte und in Touchscreens.

Wer verkauft es?

Die größten Anbieter von Rohstoffen und Zwischenprodukten stammen aus China, zum Beispiel Zhangyuan Tungsten Ltd. (Umsatz 2015: rund 205 Millionen US-Dollar) und Xiamen Tungsten Ltd. (Umsatz 2015: etwa eine Milliarde Euro). An Bedeutung gewinnt auch die Masan Group (mehr als eine Milliarde Euro) aus Vietnam. Aus Deutschland ist H. C. Starck (Umsatz 2015: circa 815 Millionen Euro) ein international wichtiger Lieferant von Wolframlegierungen. Die britische Wolfs Minerals’ eröffnete 2015 eine der weltweit größten Minen in England. Die Plansee-Gruppe aus Österreich (Umsatz 2014/ 2015: knapp 1,3 Milliarden Euro) existiert seit 95 Jahren und deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab.

Wo findet man es?

Nur gebunden in Erzen, etwa Eisen oder Mangan. Wichtige Vorkommen befinden sich in China, Kasachstan, Russland, Vietnam, Ruanda, England oder Portugal. Mit Wasserstoff wird daraus in chemischen Prozessen reines Wolfram reduziert.

Der Weltmarkt …

… ist abhängig von China. Die Volksrepublik vereint 1,9 der weltweit 3,3 Millionen Tonnen Reserven und 70 000 der 90 000 Tonnen Primärproduktion. Zwei Drittel davon entfallen auf Hartmetall-Anwendungen. Die seit 2013 andauernde Überversorgung ist maßgeblich einer Überproduktion in China und dem gleichzeitigen Nachfragerückgang beim ebenfalls weltweit größten Konsumenten geschuldet. Auch Russland, die USA und Brasilien brauchen weniger Wolfram als früher.

Der Preis …

… verharrt auf Tiefständen von weniger als 200 US-Dollar für zehn Kilogramm APW – das Zwischenprodukt mit dem kryptischen Namen Ammoniumparawolframat ist Grundlage für Wolfram-Notierungen; derzeit liegen die oft noch unter den Herstellungskosten. Mehr als 80 Prozent aller weltweiten Anbieter, Verbraucher und Händler von APW übermitteln ihre Kauf- und Verkaufspreise an das Metall Bulletin in London, das wöchentlich einen Preis-Indikator veröffentlicht. 2011 lag der Höchstpreis bei 400 US-Dollar je zehn Kilogramm.

Wie geht es weiter?

In der Unterhaltungsindustrie und in der Medizintechnik steigt die Nachfrage. Als zukunftsweisend gelten höchstfeine Pulver und neue Verdichtungstechniken, durch die Werkzeuge und Bauteile eine längere Lebensdauer erreichen. Dem leichten Nachfrageplus steht allerdings ein zunehmender Recyclinganteil gegenüber. Die meisten Minenprojekte im Westen wurden daher längst gestoppt. Nur Großbritannien stemmt sich gegen den Trend und steigt zu einem der Top-Produzenten weltweit auf. ---

Ordnungszahl im Periodensystem: 74
Elementsymbol, fest (Schwarz): W
Relative Atommasse: 183,84