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Mikroökonomie

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge





Cormier verdient so viel wie seine busfahrenden Kollegen mit 18 Dienstjahren – 2350 Euro brutto im Monat. Er zahlt 250 Euro Steuern, 310 Euro für die Altersvorsorge, 280 Euro allgemeine Sozialsteuer und 60 Euro für andere Versicherungen. Die 50-Quadratmeter-Wohnung für sich, seine Ehefrau und seine zwei Töchter kostet 600 Euro monatlich, die Einkäufe etwa 500 Euro, der Autokredit 200 Euro und die Telefonverträge für seine Kinder noch einmal 100 Euro. Mit dem, was übrig bleibt, fliegt er mit seiner Familie ab und zu in den Urlaub.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Das französische Wort für Arbeit (travail) stand ursprünglich für Folter. „On va travailler quelqu’un“ bedeutete im Mittelalter, dass man jemanden quälen wird. Heute ist Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Als ich aufwuchs, war ich mit meinem Bruder und meiner Mutter allein, da wurde die Arbeit früh Teil meines Lebens.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Das bin nicht ich, das sind wir. Was wir gemeinsam gewinnen, das gewinne ich. Ich versuche auch meiner Familie viel zu geben. Sie akzeptiert mich, so wie ich bin. Auch das Busfahren war mir wichtig. Ich fuhr die körperlich und psychisch sehr belastende Linie 62 im Süden von Paris. Es gab Tage, an denen konnte ich nicht mehr. Aber heute fehlen mir manchmal der Kontakt zu den Menschen und das Fahren.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Das größte Problem für uns als Gewerkschaft ist: Die Busfahrer sind heute ganz allein. Früher hat sie ein Disponent am Busbahnhof empfangen, der ihnen während der Fahrt telefonisch zur Verfügung stand. Inzwischen hat die RATP die Hälfte der angestellten Disponenten-Stellen gestrichen und damit 16 Millionen Euro jährlich eingespart. Und die Passagiere? Die halten die Fahrer für Faulpelze wegen der Streiks. Wir bekommen keinerlei Anerkennung vom Unternehmen, und dann müssen wir uns noch mit den genervten Kunden auseinandersetzen.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen möchten?

Ich nehme mir meine Auszeiten, atme durch und rauche eine Zigarette.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Ich erwarte viel, weil ich selbst dafür kämpfe. Was ist denn sonst die Zukunft eines Busfahrers? Darum müssen wir für unsere Rechte eintreten.

Was täten Sie, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Etwas für die Kinder anlegen, Urlaub machen und ehrenamtlich arbeiten.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Sozialismus in Frankreich aus?

Der Sozialismus hat keine Zukunft. Unsere Politik ebnet dem Geld den Weg statt den Menschen. Das muss sich ändern. ---
Frankreich:

Einwohner: 64,28 Millionen
Währung: Euro (EUR, 1 Euro = 100 Cent)
BIP pro Kopf: 33956 Euro
Human Development Index: Platz 22 (Deutschland: Platz 6 von 188 Ländern)

Aktuelle Durchschnittskosten:

1 Fahrschein (Paris): 1,80 Euro
1 Liter Benzin (Paris): 1,64 Euro
1 Kilo Mehl: 0,70 Euro
12 Eier: 5,45 Euro
1 Päckchen Zigaretten: 7 Euro
1 Mittagessen in der RATP-Kantine: 6 Euro