Royal Caribbean Cruises

Das Kreuzfahrtgeschäft ist profitabler denn je. Weswegen Royal Caribbean Cruises längst nicht mehr nur in der Karibik verkehrt und jüngst das größte Passagierschiff der Welt in Fahrt setzte.





• Seit Mitte Mai dieses Jahres ist die „Harmony of the Seas“ unterwegs, mit rund 220 000 Bruttoregistertonnen fast fünfmal so groß wie die „Titanic“ und das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Die 6360 Passagiere, die der Koloss befördern kann, werden dazu beitragen, dass der Rekordumsatz von 8,3 Milliarden Dollar, den der Betreiber Royal Caribbean Cruises Ltd. (RCL) 2015 einfuhr, 2016 aller Wahrscheinlichkeit nach noch einmal deutlich zulegt. Denn die Kabinen der insgesamt 42 Schiffe des Konzerns sind immer voll. Die Belegungsrate liegt seit Jahren bei über 100 Prozent, wobei die scheinbare Überauslastung laut RCL darauf zurückzuführen ist, dass teilweise mehr als drei Passagiere eine Kabine belegen. In die Kapazitätsberechnung fließen nur maximal drei Betten ein.

RCL ist die Nummer zwei im internationalen Kreuzfahrtgeschäft, nach Carnival Cruise Line. Von jährlich rund 22,2 Millionen Passagieren weltweit buchten im vergangenen Jahr 48,1 Prozent den Marktführer, 23,1 Prozent entschieden sich für eine der fünf in unterschiedlichen Preissegmenten tätigen Tochtergesellschaften von RCL, zu denen, in Form eines Joint Ventures, auch TUI Cruises (Mein Schiff) gehört. Beide Firmen sind enorm profitabel: Carnival kommt auf eine Nettoumsatzrendite (Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz) von 11 Prozent, RCL weist 8 Prozent aus (Nettogewinn: 666 Millionen Dollar). Ohne die Sonderabschreibung in Höhe von 411 Millionen Dollar auf die vor allem im kriselnden Südamerika tätige Tochter Pullmantur läge der Gewinn von RCL bei gut einer Milliarde Dollar, die Nettorendite bei 13 Prozent – das ist das 1,5-fache von dem, was etwa die schließlich auch im Passagiertransport tätige Fluglinie Emirates verdient.

Dahinter steckt eine clevere Strategie: Den Passagieren, deren Zahl stetig steigt – 2015 waren es 5,4 Millionen, ein Plus von 4,9 Prozent zum Vorjahr – wird ein immer umfassenderes Bordangebot gemacht, das von Bars und Restaurants über Kinos und Kasinos bis hin zu Eislaufbahnen und Kletterwänden reicht. Es animiert die Gäste, ihr Geld auf dem Schiff und nicht an Land zu lassen. Fast 27 Prozent des Umsatzes, 2,2 Milliarden Dollar, stammen mittlerweile aus dieser Quelle (Onboard Revenues), wobei laut Branchenuntersuchungen in aller Regel mehr als die Hälfte davon in Kasinos und Bars eingenommen wird. Nur 20 Prozent – im Schnitt 86 Dollar pro Kopf – geben Gäste für Ausflüge aus.

Trotz der steigenden Erlöse spart RCL, um die Profitabilität weiter zu erhöhen. Zum Beispiel beim Essen und beim Personal: Obwohl 2015 rund 250 000 zusätzliche Passagiere an Bord gingen, stiegen die Ausgaben nur unwesentlich. Positiv auf die Rendite wirkte sich außerdem der sinkende Ölpreis aus, die Kosten für Schiffsdiesel (Fuel) sanken um 152 Millionen Dollar, rund 16 Prozent. Ein weiterer Vorteil: RCL zahlt – wie auch die Carnival Cruise Line – praktisch keine Steuern. Die Reederei residiert zwar in Miami, ist aber in Liberia registriert, von der US-Besteuerung befreit, und die Schiffe fahren größtenteils unter der Flagge der Bahamas.

Kein Wunder, dass der Konzern gut dasteht – und sich einen Riesen wie die Harmony of the Seas für 1,3 Milliarden Dollar leisten kann. Allein der Barmittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Net cash provided by operating activities) betrug 2015 mehr als 1,9 Milliarden Dollar, theoretisch hätte RCL die Werft daraus bezahlen können. In der Praxis ergibt eine gewisse Verschuldung Sinn, um sich Spielräume zu erhalten. So investiert die Reederei auch in Immobilien wie etwa Küstenstreifen in der Karibik oder Häfen, deren Ausbau sie vorantreibt, um ihre Schiffe besser abfertigen zu können – und hat über die Zeit langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von rund 8,5 Milliarden Dollar angehäuft. Die Zinszahlungen darauf, 277 Millionen Dollar, schultert sie aber locker aus ihrem operativen Ergebnis von 875 Millionen Dollar. Die Eigenkapitalquote liegt bei soliden 38 Prozent. ---

Die Royal Caribbean Cruise Line wurde 1968 von drei Reedereien in Norwegen gegründet und 1993 an der New Yorker Börse gelistet. Der heutige Konzern RCL und seine Tochtergesellschaften werden mittlerweile von Miami in den USA aus geführt, sind aber aus steuerlichen Gründen in Liberia registriert. Die Linie operiert derzeit (einschließlich der Beteiligung von 50 Prozent an TUI Cruises) mit 46 Schiffen und steuert damit knapp 490 Ziele in 115 Ländern an. RCL hat mehr als 66 000 Angestellte, davon 60 000 an Bord und 6000 an Land.