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Ein Ingenieur in Armenien

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge





Artak Saroyan bezieht sein Gehalt aus Kanada, als Ingenieur verdient er monatlich umgerechnet rund 2200 Euro. Die kanadische Einkommenssteuer wird ihm dort abgezogen, dafür muss er in seiner Heimat keine Abgaben mehr leisten. Saroyan hat zwei Wohnungen gemietet, eine in Jerewan und eine in Wanadsor, im Norden des Landes. Für beide Apartments zahlt er monatlich 370 Euro Miete. Ein Kredit für seine IT-Ausrüstung belastet ihn monatlich mit 525 Euro, 175 Euro kostet ihr Unterhalt und weitere 175 Euro der Internetzugang. Saroyan unterstützt seine Eltern und Schwiegereltern monatlich mit rund 350 Euro. Eine Kranken- oder Rentenversicherung hat er nicht.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Apps zu programmieren und Projekte zu managen ist genau mein Ding: Ich stehe dauernd in Kontakt mit großen und kleinen Firmen auf der ganzen Welt und organisiere die Arbeitsabläufe. Ich kann mir meine Zeit dabei frei einteilen. Das genieße ich sehr.

Was möchten Sie an Ihrem Leben ändern?

Ich bin finanziell zu stark von meinem Arbeitgeber und dessen Entscheidungen abhängig. Es geht mir nicht nur ums Geld, ich möchte auch mehr Entscheidungen treffen können. Deshalb baue ich gerade ein eigenes IT-Beratungsunternehmen auf, das Aufträge von Firmen aus dem Ausland übernehmen kann.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Es ist schwer, Fachkräfte in Armenien zu finden. Viele haben zwar ein abgeschlossenes Hochschulstudium, sind aber sehr anspruchsvoll, was den Job angeht, obwohl ihnen die Erfahrung fehlt. Darum werde ich meine Firma nicht in Jerewan aufmachen, sondern in Wanadsor, denn dort ist die Einstellung der Leute zur Arbeit nicht so selbstgefällig wie in der Hauptstadt.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Es gibt viele Probleme in Armenien. Zum Beispiel sind Kredite für Unternehmer zu teuer. Ich habe mir von der Bank 4000 Euro für meine IT-Ausrüstung geliehen, dafür bezahle ich 28 Prozent Zinsen pro Jahr. Bei solchen Raten können nur wenige Firmen investieren, Wachstum schaffen wir so nicht.

Was täten Sie, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um den Unterhalt kümmern müssten?

Dann würde ich meine Energie voll in den Aufbau meines eigenen Unternehmens stecken. Neben meiner Arbeit bleibt mir zu wenig Zeit dafür. Ich arbeite im Schnitt 14 Stunden am Tag.

Wie schätzen Sie die Aussichten von Armenien ein?

Als Binnenland, regional isoliert und ohne direkten Zugang zu Europa, haben wir einen schweren Stand. Weil die Einkommen niedrig sind und die Arbeitslosigkeit hoch, wandern viele aus. Oft sind es die Besten, die gehen. ---

Armenien:

Einwohner: 3,1 Millionen
Währung: Armenischer Dram (AMD; 1 Euro = 530 AMD)
BIP pro Kopf:   2955 Euro
Human Development Index:   Platz 85 (Deutschland: Platz 6 von 188 Ländern)

Aktuelle Durchschnittskosten:

1 Kilo Brot: 1,20 Euro
1 Kohlkopf: 1,40 Euro
1 Liter Benzin: 0,80 Euro
1 Kilo Aprikosen: 2,80 Euro
1 Kinokarte: 3,70 Euro
1 Schachtel Zigaretten: 0,70 Euro