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Weed Mobil

Ein Roboter, der Unkraut jätet – davon träumt der Bauer. Ein Unternehmen bei Stuttgart baut ihn gerade.





• Zum Beispiel Jens Röh aus Badbergen in Niedersachsen. Der Landwirt betreibt einen Demeter-Hof samt kleinem Laden und baut auf 40 Hektar Getreide und Gemüse an, auf fünf Hektar davon Möhren. Weil er seine Felder ökologisch bewirtschaftet, kann er das Unkraut darauf nicht einfach mit Herbiziden bespritzen. Doch ohne Chemie zu arbeiten ist ein enormer Aufwand.

Zuerst muss Röh seine Felder striegeln, dabei lockern Zinken an einem Anhänger die oberste Bodenschicht und bedecken das Unkraut mit Erde. Pflanzen, die dem standhielten, werden in einem zweiten Durchgang mit Gas abgeflammt. Den besonders hartnäckigen kommt Röh dann nur noch mit Handarbeit bei.

Dazu setzt er den sogenannten Jäteflieger ein. Bei diesem Gerät liegen neun Saisonarbeiter bäuchlings auf einer Plattform, die ein Traktor langsam über den Acker zieht, und zupfen mit der Hand die verbliebenen Disteln, Brennnesseln und Kamillen. Bis zu dreimal im Jahr wird der Jäteflieger eingesetzt. Kosten: rund 1000 Euro je Hektar.

Im Industriegebiet von Renningen bei Stuttgart arbeitet ein Team von 22 Ingenieuren, Informatikern und Agrarwissenschaftlern um den Geschäftsführer Amos Albert daran, Röh und anderen Landwirten diese Arbeit zu erleichtern. Deepfield Robotics heißt das Tochterunternehmen von Bosch, das Roboter für die Landwirtschaft entwickelt. Ihre Weed Mobil genannte Maschine soll Herbizide irgendwann unnötig machen – und die Unkrautvernichtung wesentlich einfacher.

Der kleinwagengroße, 600 Kilogramm schwere, graue Kasten auf Rädern erinnert eher an eine Marsmission denn Möhrenanbau. Das Weed Mobil soll das Unkraut auf dem Acker jäten, besser gesagt zerstören. Mechanisch. Umweltschonend. Durch Hightech statt Chemie.

Die Entwickler erklären die Technik so: Die Sensoren des Roboters scannen die Blätter von Nutzpflanzen und Unkräutern. Algorithmen werten die Bilder aus, erkennen, was weg muss und geben entsprechende Befehle an pneumatische Stempel. Die drücken dann die Brennnessel oder die Kamille in die Erde.

Was einfach klingt, muss erst noch programmiert werden. Damit die Maschine die Nutzpflanze vom Unkraut unterscheiden kann, muss sie darauf trainiert werden, unerwünschte Pflanzen anhand der Farbe, Form oder Größe ihrer Blätter zu erkennen.

„Wie kann man einen Konkurrenzvorteil der Kulturpflanze auf dem Acker schaffen?“, lautete die Frage, die zu Beginn dieser Entwicklung stand, sagt Dieter Trautz, Professor für Agrarökologie und Pflanzenbau an der Hochschule Osnabrück, der an der Konstruktion beteiligt war. Die einfachste Antwort auf diese Frage lautete: indem man das Unkraut in den Boden drückt. Dadurch bekommt die Kulturpflanze mehr Licht und kann schneller wachsen.

Die Zeiten, da Landwirte nur auf gutes Wetter gehofft haben, um eine gute Ernte einzufahren, sind lange vorbei. Auf den Höfen kommt heutzutage immer mehr Technik zum Einsatz. So wird der Mähdrescher mit GPS über den Acker gelotst, Melkroboter helfen im Kuhstall, und am Computer zu Hause kann der Landwirt die Bodendaten auswerten und weiß dadurch, wo er mehr oder weniger Dünger einsetzen muss.

Beim Gemüseanbau funktioniert die Technik schon

In Zukunft soll das Weed Mobil ganze Arbeitsschritte in Eigenregie erledigen. Dank GPS-Ortung, Laser und einer Kamera navigiert die Maschine selbstständig über das Feld und muss nicht von einem Traktor gezogen werden. Ganz preiswert ist die Technik nicht: Das Modell soll im Jahr 2018 seine Marktreife erhalten und dann zwischen 50 000 und 70 000 Euro kosten, etwa so viel wie ein Mittelklassetraktor.

Auf den Möhrenfeldern von Jens Röh aus Niedersachsen wurde ein Prototyp des Weed Mobils getestet. Selbstständig sausten die mechanischen Stempel aus der Unterseite des Agrarroboters, drückten die Unkräuter dort in den Boden und ließen die Möhren leben. Bislang funktioniert das nur im Gemüseanbau.

Schon bald soll der Roboter auch für andere Arten eingesetzt werden. Momentan sammelt das Entwicklerteam noch Daten für mehrere Kulturpflanzen. Dann könnte er künftig auch Weizen, Hafer, Raps und Gerste vom Unkraut befreien.

Die Ziele sind klar: durch derartige Maschinen den Landwirten Arbeit und Zeit zu ersparen. Und dass sie eines Tages komplett auf Herbizide verzichten können, weil das Unkraut sanft und automatisch gejätet werden kann.

Das konnte bislang der Mensch am besten. Doch die Zeiten ändern sich. ---