Philippinischer Stockkampf

Sport ist gut fürs Selbstbewusstsein. Und wer boxt oder den philippinischen Stockkampf trainiert, kann sich von seinen Ängsten befreien. Hier sind vier Erfahrungsberichte von Hamburger Kampfsportlern.





„Seit ich mit dem Selbstverteidigungskurs angefangen habe, traue ich mich sogar, nach 20 Uhr S-Bahn zu fahren. Ich bin sehr stolz, das habe ich mein ganzes Leben nicht gemacht. Überhaupt bin ich in unbekannten ­Situationen gelassener. Ob ich die Schläge und Taktiken zur Abwehr bei einem Angriff auch anwenden ­könnte, weiß ich gar nicht so genau. Aber das Wissen, dass ich nicht völlig wehrlos wäre, gibt mir Selbstvertrauen.“ Magrit Ketelsen, 65, Rentnerin
„Als die Jungs in meiner Klasse mitbekommen haben, dass ich mit dem Kickboxen ­angefangen habe, haben sie sich über mich lustig gemacht: ,Das Brett, das du durchgetreten hast, war megadünn. Das schafft doch jeder.‘ Weil ich etwas pummelig bin, wurde ich in der Schule immer wieder gemobbt. Früher habe ich mir zweimal überlegt, was ich sage oder was ich anziehe. Seit ich hier trainiere, lasse ich mich nicht mehr so leicht verunsichern. Wenn mich jemand blöd von der Seite anmacht, ignoriere ich ihn einfach. Ich bin viel selbstsicherer geworden. In ein paar Monaten mache ich meinen Jugend-Schwarzgurt. Ich wette, das hätten mir die meisten meiner Klassenkameraden nicht zugetraut.“ Dilara Dagci, 16, Schülerin
„Das Training hat mich ziemlich ­verändert. Bevor ich hier angefangen habe, haben meine Eltern überlegt, ob ich die Schule wechseln sollte. Sie waren verzweifelt. Wegen meiner Hautfarbe wurde ich oft beleidigt. Auch die Lehrer beschuldigten immer zuerst mich, wenn es irgendwo Ärger gab. Dabei habe ich nie etwas ­gemacht. Heute habe ich keine Angst mehr, für meine Rechte einzustehen.“ Maalik Amadou, 11, Schüler
„Fluchen ist in meinem Kickbox-Kurs verboten. Wer dagegen verstößt, muss Liegestütze machen. Sich das Schimpfen abzugewöhnen war gar nicht so einfach, Scheiße sagt man heute ja in fast jeder Business-Konferenz. Seit ich Kampfsport ­mache, bin ich viel ausgeglichener und habe mich auch in Stress­situationen total unter Kontrolle. Drei bis fünf Stunden in der Woche trainiere ich. In meinem Job bin ich viel unterwegs, aber die Zeit nehme ich mir. Ich bin meine Rückenschmerzen los, und Stress kann mir weniger anhaben.“ Christian Diekmann, 50, Geschäftsführer