Die Popcorn-Maschine

Wärme speichern mithilfe von Pulver – das ist die Idee eines Professors aus Lüneburg.





• Wolfgang Ruck ärgert sich regelmäßig über seine Frau. „Die stellt beim Duschen das Wasser nie aus, wenn sie sich einseift. Aber ich lasse mich trotzdem nicht scheiden.“ Dem Professor am Institut für Umweltchemie in Lüneburg geht es um die Energie, die zum Erwärmen des Wassers benötigt wird. „Die ist verschenkt. Alle reden von der Energiewende und vom Strom, keiner redet über Wärme. Dabei entfallen 66 Prozent der Nutzenergie auf den Wärmebedarf.“ Er will die Abwärme nutzen. Und dazu muss er sie speichern können.

Bei den üblichen Methoden ist der Wärmeverlust zu hoch. „Wie bei einer Thermoskanne. Am nächsten Morgen ist der Kaffee kalt.“ Ruck setzt daher auf eine chemische Reaktion. Mischt man gebrannten Kalk mit Wasser, entsteht Hitze – bis zu 450 Grad Celsius. Der Prozess lässt sich mühelos umkehren. Durch Zufuhr von warmer Luft (durch Abwärme) wird dem Kalk das Wasser wieder entzogen. Es steht dann bereit für neue Hitzewallungen. Das Schöne: Dabei wird nur die Abwärme verbraucht, die ohnehin verloren wäre. Ähnlich funktioniert das auch mit Magnesiumchlorid. Ruck würde dieses Abfallprodukt aus der Kali-Industrie sogar gratis bekommen.

Für Einfamilienhäuser gibt es seine „Thermische Batterie“ bereits als Prototyp, die letztlich funktioniere „wie eine Popcorn-Maschine“, sagt Wolfgang Ruck. „Unten strömt warme Luft hinein, verwirbelt das Pulver und entzieht dabei das Wasser, und oben bleibt reines, trockenes Pulver zurück. Benötigt man Wärme, wird wieder Wasser hinzugefügt.“

Seine Studenten arbeiten gerade an der Serienreife. Derweil verhandelt Ruck schon mit der Automobil-Industrie. „Bei einem Lkw verpuffen 80 Prozent der Energie als Abwärme im Kühler und Auspuff. Nur 20 Prozent gehen auf die Achsen.“ Ruck will mit seiner Batterie die Abwärme des Motors speichern und beim Neustart, wenn der Motor noch kalt ist, wieder zuführen. In Sekundenschnelle wäre der Wagen auf Betriebstemperatur, würde Treibstoff optimal verbrennen und eine Menge Abgase einsparen. Auch für Schiffsmotoren könnte das Prinzip interessant sein. ---

Thermische Batterie

Ein Projekt von Wolfgang Ruck und Oliver Opel, Institut für Umweltchemie, Leuphana Universität Lüneburg

Kontakt: ruck@leuphana.de