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Rheinmetall AG

Die Rheinmetall AG, Deutschlands größter Rüstungskonzern, schreibt in ihrem Kerngeschäft tiefrote Zahlen. Daher richtet sie sich neu aus – auf eine friedliche Branche.





Auf den ersten Blick ist es ein trauriges Bild, das Rheinmetall bietet: Das Ergebnis vor Steuern (EBT, Earnings before Taxes) halbierte sich von 45 auf nur noch 22 Millionen Euro – das entspricht einer Rendite von mageren 0,5 Prozent, bezogen auf den Umsatz. Die Zahlen markieren den vorläufigen Tiefpunkt eines seit Jahren währenden Niedergangs. 2011 war der EBT mit 295 Millionen Euro noch mehr als zehnmal so hoch. Einzig der Umsatz bietet einen Lichtblick. Er stieg auf 4,7 Milliarden Euro, immerhin ein Plus von gut sechs Prozent.

Hinter dieser Kennzahl verbirgt sich indes mehr als nur ein Hoffnungsschimmer, nämlich ein Geschäft, das mit Waffen nichts zu tun hat und zudem noch kräftig wächst – die Entwicklung und Herstellung von Antriebssystemen für die Automobilindustrie, etwa Range Extender, die bei Elektroautos die Reichweite erhöhen, oder Komponenten zur Schadstoffreduzierung. Diese Sparte steigerte ihren Umsatz um gut acht Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, mehr als 50 Prozent der Gesamterlöse. Das Betriebsergebnis (EBIT, Earnings before Interest and Taxes) wuchs sogar um 48 Prozent auf 184 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 7,5 Prozent – ein guter Wert, der dem Durchschnitt der 600 größten Automobilzulieferer weltweit entspricht, zu denen Rheinmetall mittlerweile gehört. Die Rüstungssparte (Defence) fuhr derweil einen operativen Verlust von 67 Millionen Euro ein. Zum Vergleich: Der italienische Rüstungskonzern Finmeccanica kam in den vergleichbaren Geschäftsfeldern auf ein Plus von 814 Millionen Euro, was einer Umsatzrendite von 5,5 Prozent entspricht.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen spart einer der mit 29 Prozent Umsatzanteil größten Auftraggeber, die deutsche Regierung. Ihre Ausgaben für militärische Anschaffungen sanken seit 2010 von rund 5 auf 3,8 Milliarden Euro. Zum anderen ist sie restriktiver mit ihren Exportgenehmigungen für Militärgüter als andere europäische Länder, das Volumen sank zwischen 2010 und 2014 um 43 Prozent im Vergleich zu den vier vorhergehenden Jahren. So durfte Rheinmetall 2014 ein Gefechtsübungszentrum an Russland nicht ausliefern. Der operative Gewinn im Produktbereich Electronic Solutions fiel auf eine Million Euro, was zu denken gibt: Die Firma ist sehr abhängig von umstrittenen Kunden wie Russland, Katar oder Algerien.

Hinzu kommen hausgemachte Defizite: Strafzahlungen von 37 Millionen Euro etwa für die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens wegen Schmiergeldzahlungen an Griechenland im Gegenzug für die Lieferung eines Luftabwehrsystems. Diese „Sondereffekte“ plus zwei Millionen Euro an Rechtskosten mindern das operative Ergebnis ebenso wie neun Millionen Euro Restrukturierungskosten für die Defence-Sparte. Die verärgert schon lange Kunden mit Kostenüberschreitungen und Lieferverzögerungen. Wegen ebensolcher Probleme beim Panzer Puma erwägt derzeit die Bundeswehr, Schadenersatz zu fordern.

Nun spart der Konzern, will die Produktion in Niedriglohnländern verstärken – und baut das zukunftsträchtige Geschäft mit der Autoindustrie aus. Dort investierte Rheinmetall im vergangenen Jahr 158 Millionen Euro, etwa in ein neues Fertigungszentrum in Neuss. In der Rüstungssparte war man mit 76 Millionen Euro deutlich zurückhaltender, investierte vor allem dort, wo es zur Abwicklung bestehender Großaufträge unumgänglich war. Trotzdem reichte der firmeneigene Zufluss an Barmitteln – der operative Cashflow – nicht aus, um alles zu finanzieren, neue Schulden waren nötig. Die Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen um 125 Prozent auf 330 Millionen Euro. Zwar hofft Rheinmetall noch auf eine Erholung des Rüstungsgeschäfts, doch ob sie kommt, ist ungewiss. Sicher scheint indes, dass weltweit immer mehr Menschen umweltfreundliche Autos wollen. Insofern ist das zweite vielleicht so oder so das bessere Standbein: moralisch wie geschäftlich. ---

Rheinmetall wurde 1889 als „Rheinische Metallwaaren und Maschinenfabrik“ gegründet, um das Deutsche Reich mit Munition zu versorgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firma das Rüstungsgeschäft untersagt. Sie hielt sich mit der Herstellung ziviler Produkte wie Schreibmaschinen oder Stoßdämpfer über Wasser, bis sie 1957 die Bundeswehr beliefern durfte. 1986 begann mit dem Erwerb des Vergaserherstellers Pierburg der Einstieg ins Geschäft mit der Autoindustrie. Rheinmetall rangiert in der Liste der weltweit größten Rüstungsunternehmen auf Platz 32, sitzt in Düsseldorf und beschäftigt gut 20 000 Mitarbeiter.