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Reform: Fronten und Schubladen für IKEA

Das Kopenhagener Unternehmen Reform verpasst Ikea-Möbeln ein neues Äußeres.





• „Ikea kommt mir nicht ins Haus. Bis auf den Tisch da, der ist von Ikea, der sieht aber nicht nach Ikea aus“, singt der Liedermacher Rainald Grebe. Damit bringt er die Idee von Jeppe Christensen auf den Punkt: Seit sechs Monaten verkauft der 31-jährige Däne mit seinem Geschäftspartner Michael Andersen selbst gestaltete Fronten, die auf Ikea-Küchenserien aufgesetzt werden.

Das Duo betreibt „Ikea-Hacking“. Die Designs sind zeitlos und schlicht, allein die runden oder ovalen, in die Küchenfront als Griffe eingestanzten Löcher fallen ins Auge. Die Arbeitsplatten sind aus Massivholz oder mit Linoleum beschichtet und werden individuell gefertigt. „Unsere Kunden können sich sicher sein, dass nicht viele Bekannte die gleiche Küche haben“, sagt Christensen.

Heimwerker, die Ikea-Produkte ihren eigenen Vorstellungen anpassen, gibt es, seit es Ikea gibt. Seit rund zehn Jahren entwickelt sich zudem eine lebhafte Blogger-Szene: Man teilt zum Beispiel auf Plattformen wie Pinterest seine Umgestaltungsideen mit anderen. Sie reichen vom Sofabezug bis hin zum komplett umgebauten Schrank. Das bekannteste Blog Ikeahackers.net stellt seit 2006 modifizierte Möbel online. Mit Superfront aus Schweden gibt es schon seit drei Jahren eine Firma, die aus Ikea-Hacks ein Geschäft gemacht hat. Jeppe Christensen: „Aber niemand hat sich bislang auf Küchenfronten spezialisiert.“

Er hat bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre Geschäfte gemacht, unter anderem bei Studentenpartys Drinks in einem selbst gebauten Cocktail-Van verkauft. Ein Freund war Schreiner. Christensen half ihm bei der Gründung einer eigenen Werkstatt und stieg selbst ins Unternehmen ein. „Damals haben wir auch schon Ikea-Möbel gehackt“, sagt Christensen. Nach vier Jahren verkaufte er seine Anteile, behielt aber die Rechte an zwei Designs und überzeugte bald darauf Michael Andersen, Reform zu gründen. Der hatte Kontakte zu Innenarchitekten und Designern sowie Anteile an einem Möbelhersteller in Litauen, der anfangs für Reform arbeitete. Mittlerweile wird in Dänemark produziert.

Die beiden Reform-Designs können in jeder beliebigen Farbe bestellt werden. Der Kunde muss dazu eine Ikea-Küche ohne Fronten kaufen und die Maße per E-Mail einsenden. Ein Partnerunternehmen fertigt die bestellten Teile, und drei Wochen später kann der Kunde sie montieren. „Einfach dranklicken“, sagt Christensen.

40 Fronten haben die Gründer nach einem halben Jahr verkauft, rund 150 sollen es 2015 werden. Eine Ikea-Küche kostet in Dänemark im Schnitt 3500 Euro, wer sie mit Reform-Fronten aufmöbelt, muss etwa doppelt so viel zahlen. Ein stattlicher Preis. Aber, sagt Christensen: „Für eine komplette Designerküche zahlt man drei- bis viermal so viel.“ Er lässt erst nach Bestellung produzieren. Und kündigt für dieses Jahr Gewinn an. „Zwischen 30 000 und 70 000 Euro sind realistisch.“

Ikea Dänemark teilt mit, dass man die Individualisierung der Möbel begrüße, sich zu Wettbewerbern jedoch nicht äußere. Christensen sagt, man habe aber Post vom Anwalt bekommen. Es sei darin um die Verwendung des Ikea-Namens auf der Website gegangen. „Sie finden unser Konzept nicht supercool, werden sich aber nicht beschweren, schließlich kaufen durch uns Leute ihre Küchen, die sonst den Laden nicht betreten hätten.“

„Wir lieben Ikea“, fährt er fort. „Sie nehmen uns die schwierigste Arbeit ab: die Kundenberatung beim Ausmessen und bei der Montage.“ Die größte Herausforderung für die junge Firma besteht darin, passgenaue Arbeitsplatten zu fertigen. Da das Massivholz wasserempfindlich ist, müssen die Abdichtungen zum Spülbecken exakt sitzen. „Da sind wir auf genaue Maßangaben des Kunden angewiesen, was bisher nicht immer reibungslos funktioniert hat“, räumt Christensen ein.

Der ehemalige Miele-Küchendesigner Thomas Ritt bezeichnet die Geschäftsidee als parasitär: „Die Ikea-Küche ist der zu befallende Wirt, der in einem gesunden Biotop, dem Ikea-Vertrieb und der Kundschaft, fest und sicher verankert ist.“ Ein Nischenkonzept, das in poststudentischen Kreisen funktionieren könne. Reforms Gestaltungsanspruch relativiert er allerdings: „Was hier als Designfront bezeichnet wird, ist am Markt bereits guter Standard.“

Die Unternehmer denken daher schon weiter. Sie wollen renommierte Möbeldesigner für sich gewinnen. Mit drei bekannten aus Dänemark habe man kürz-lich Kooperationsverträge unterschrieben, so Christensen. Die Namen will er noch nicht nennen, sagt aber: „Keiner von ihnen würde jemals für Ikea designen, das würde seine Marke ruinieren. Für Reform schon.“

Auch den deutschen Markt hat das Start-up im Visier. Rebecca Werst, Studentin an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und seit zwei Monaten als Praktikantin im Team, soll das Geschäft hierzulande übernehmen. In der Bundesrepublik werden jährlich rund 1,8 Millionen Küchen verkauft, knapp 170 000 stammen von Ikea. „Erste Anfragen aus Deutschland“, sagt Werst, „hat es schon gegeben.“ ---

Kontakt: www.reformcph.de