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Mikroökonomie

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Bis vor drei Jahren arbeitete Maksim Memaj als Bauarbeiter. Als die Wirtschaftskrise in Griechenland begann, wurde er entlassen. Im ersten Jahr zahlte ihm der griechische Staat monatlich ein Arbeitslosengeld von knapp 350 Euro, seit zwei Jahren bekommt er keine staatliche Hilfen mehr. Da er keinen neuen Job findet, verkauft er nun Koulouris. Damit verdient er täglich 30 Euro und kommt im Monat so auf rund 900 Euro. Die Wohnung kostet 280 Euro warm. Eine Krankenversicherung hat er nicht, Steuern und Rentenbeiträge zahlt er seit seiner Kündigung nicht mehr. Sein Verdienst reicht gerade, um die Familie über Wasser zu halten. Memaj hat eine 17-jährige Tochter und einen 15-jährigen Sohn. Seine Frau arbeitet nicht.




Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?

Es geht nur darum zu überleben. In Albanien war ich Vorarbeiter in einer Chemiefabrik, das war ein guter Job. Aber dann musste ich mein Land verlassen wegen der politischen Situation damals. Eigentlich bin ich gut ausgebildet, ich spreche fließend Griechisch und recht gut Italienisch. Trotzdem stehe ich jetzt hier.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Kinder. Sie gehen beide noch zur Schule, und ich will, dass sie eine gute Ausbildung bekommen. Ihnen soll es besser gehen als mir.

Was möchten Sie an Ihrem Leben ändern?

Es ist zu spät, um noch etwas zu verändern – die Situation ist, wie sie ist. Ich habe viel nachgedacht über mein Leben. Aber man muss die Dinge so nehmen, wie sie kommen.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Die politische Rechte hier wird stärker – das macht mir Sorgen. Für manche Menschen bin ich Ausländer, obwohl ich schon so lange in Athen lebe. Ich würde gern in ein anderes Land gehen, aber dafür reicht mein Geld nicht.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Dann spiele ich mit meinem Sohn Fußball. Oder wir schauen uns zusammen Spiele an.

Was erwarten Sie von der Zukunft?

Nicht viel. Vielleicht finde ich ja irgendwann wieder einen richtigen Job. Ich möchte arbeiten, egal was.

Was täten Sie, wenn Sie sich ein Jahr nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Weggehen. Nicht zurück nach Albanien, da ist die politische und wirtschaftliche Situation zu unsicher, sondern in irgendein anderes Land in Europa.

Wie hat sich das Leben in Athen durch die Wirtschaftskrise verändert?

Es sind weniger Menschen auf den Straßen unterwegs als früher. Und man sieht viel mehr Obdachlose. Aber Koulouris sind günstig, die kaufen die Menschen zum Glück immer. ---

Griechenland

Einwohner: 10,8 Millionen
Währung: Euro
BIP pro Kopf: 16 500 Euro
Human Development Index: Platz 29 (Deutschland: Platz 6 von 187 Ländern)

Aktuelle Durchschnittskosten

1 Flasche Wasser: 0,50 Euro
1 Sesamring: 0,50 Euro
1 Ei: 0,25 Euro
1 Espresso: 2 Euro
1 Schachtel Zigaretten: 4 Euro
1 Eintrittskarte für das Kino: 12 Euro