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Harvard University

Die US-Universität Harvard gilt als elitärste Hochschule der Welt. Die reichste ist sie auch. Mit Geld umgehen kann sie trotzdem nicht sonderlich gut.





Der größte Teil der Einnahmen stammt nicht aus den Studiengebühren der rund 21 000 Studenten – sie belaufen sich auf 878 Millionen Dollar, machen damit nur rund 20 Prozent der Gesamterträge aus –, sondern aus Zuschüssen aus der gewaltigen Stiftung (Endowment), mit 36,4 Milliarden Dollar die größte aller Universitäten weltweit. Zum Vergleich: Die britische Talentschmiede Oxford und ihre Colleges verfügen gemeinsam über umgerechnet rund sieben Milliarden Dollar. Harvard wurde im vergangenen Jahr von seiner Stiftung mit rund 1,5 Milliarden Dollar bezuschusst – und kam trotzdem nur gerade so über die Runden. Unterm Strich blieb ein kleiner Überschuss von 2,7 Millionen Dollar (Oxford: plus 47 Millionen), nach einem dicken Minus im Vorjahr.

Die Gründe für die Misere sind zahlreich: Zwar sind die Studiengebühren mit rund 45 000 Dollar pro Jahr (Oxford: 14 000 Dollar) hoch. Da aber die Einkommensentwicklung in den USA stagniert, gewährt Harvard immer mehr Stipendien und andere Zuschüsse. Zudem sanken die Zuwendungen der Regierung um fünf Prozent. Gleichzeitig stiegen die Kosten. Die Hochschule ist beim Personal überaus großzügig, gibt dafür mit rund zwei Milliarden Dollar fast viermal so viel aus wie Oxford, obwohl die Zahl der Lehrkräfte und der Studenten fast identisch ist. Zudem muss die US-Hochschule, um ihren hohen Standard zu halten, viele Gebäude renovieren und baut ihre Online-Aktivitäten aus.

Neue Einnahmequellen im Kerngeschäft, also der Aus- und Weiterbildung, zu erschließen, ist mühsam. Die Erlöse aus Continuing education and executive programs etwa – dahinter verbergen sich beispielsweise Seminare für Manager oder Programme für Großunternehmen – wuchsen zwar um zehn Prozent, brachten aber insgesamt nur rund 322 Millionen Dollar ein.

Daher wirbt Harvard fleißig Spenden ein, erhöhte auf diese Weise das Volumen um 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar, von denen immerhin 419 Millionen Dollar zur Deckung der laufenden Kosten verwendet werden durften (und auch wurden). Vor allem aber stellt die Universität hohe Ansprüche an die Harvard Management Company (HMC), die das Stiftungsvermögen verwaltet. HMC beschäftigt ein Team hochkarätiger Anlageexperten, die laut »New York Times« gemeinsam mehr als 130 Millionen Dollar im Jahr verdienen und dafür eine Wertentwicklung liefern sollen, die über dem Durchschnitt der Anlageklassen liegt, in die sie investieren. Das Kalkül: je höher die Rendite, desto höher der Zuschuss an die Universität, da die Substanz des Stiftungsvermögens nicht angegriffen werden darf. Idealerweise soll sie sogar wachsen. 2014 wurden 4,9 Prozent an die Universität überwiesen, bei einer Gesamtrendite von 15,4 Prozent.

Auf den ersten Blick ein gutes Ergebnis. Doch der Anspruch an die HMC-Vermögensverwalter, möglichst zweistellige Renditen zu liefern, hat auch eine Schattenseite. Er führte in der Vergangenheit dazu, dass sie hohe Risiken eingingen, massiv in illiquide Anlageformen wie Private Equity und Hedgefonds investierten. Hinzu kamen riskante Swap-Geschäfte. All dies führte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 zu Verlusten, die das Stiftungsvermögen um gut 27 Prozent verringerten – mehr als bei jeder anderen US-Hochschule und fast doppelt so viel wie in Oxford. Der Zuschuss für die Universität wurde deutlich gekürzt, Harvard musste Hunderte von Mitarbeitern entlassen. Mittlerweile hat sich die Stiftung wieder erholt. Zusammen mit dem Kapital auf dem General Operating Account – eine Art Geschäftskonto der Universität – und einigen kleineren Sonderstiftungen (Split interest agreements) beläuft sich das Harvard-Vermögen nach Abzug aller Schulden auf 43 Milliarden Dollar.

Doch aus der Krise scheint die Universität nicht viel gelernt zu haben. Das Sparen scheint schwerzufallen. Und so manchem war die Rendite von 15,4 Prozent im Jahr 2014 zu gering angesichts der Tatsache, dass es Konkurrent Yale auf 20,2 Prozent brachte. HMC ist weiter unter Druck – und der aktuelle Anlagenmix ähnelt erschreckend dem von 2008. ---

1636 von britischen Kolonisten in Cambridge gegründet, ist Harvard die älteste Universität der USA. Sie besteht aus elf Schulen unterschiedlicher Fachrichtungen von Wirtschaft über Medizin bis hin zu Design und Pädagogik, die bislang 47 Nobelpreisträger und 32 Staatschefs hervorbrachten. Da Harvard gemeinnützig ist, finanziert sie sich neben den Studiengebühren zum überwiegenden Teil aus Spendengeldern, vorwiegend von vermögenden Absolventen oder deren Firmen. Harvard hat gut 12 000 Lehrbeauftragte und rund 21 000 Studenten, davon etwa zehn Prozent Nichtamerikaner.