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Bilanzanalyse der Sberbank

Durch die Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union und der USA ist Russland weitgehend von den Kapitalmärkten abgeschnitten. Eine Kreditklemme droht trotzdem nicht – die Sberbank, das größte Geldhaus des Landes, steht glänzend da.




Von solchen Zahlen können westliche Konkurrenten nur träumen: Das Nettozinseinkommen (Net Interest Income) der Sberbank wuchs in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um gut 19 Prozent auf 745 Milliarden Rubel (rund 15 Milliarden Euro). Verantwortlich dafür ist vor allem der Anstieg des Kreditvolumens von knapp 13 auf gut 15 Milliarden Rubel. Darlehen sind die Haupteinnahmequelle des Moskauer Instituts. Das Zinseinkommen nach Rückstellungen für faule Kredite (After Provision Charge for Impairment of Debt Financial Assets) macht knapp 70 Prozent des operativen Gewinns aus.

Wichtig sind auch Gebühren (Fee and Commission Income), etwa aus dem Zahlungsverkehr und dem Einlagengeschäft. Sie wuchsen ebenfalls, um mehr als ein Viertel auf 214 Milliarden Rubel. Dies liegt unter anderem an der zunehmenden Nutzung von Bankkarten durch eine Kundschaft, die lange gewohnt war, vor allem mit Bargeld zu zahlen. Weitere Geschäftsfelder – etwa der Wertpapier- und Devisenhandel oder der Vertrieb von Versicherungen – sind noch klein, florieren aber auch. Insgesamt ist die Sberbank sehr profitabel, erwirtschaftete bis Ende September dieses Jahres einen Nettogewinn von 241 Milliarden Rubel (rund fünf Milliarden Euro), was einer Eigenkapitalrendite (Return on Equity) von 16,6 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Die Schweizer UBS liegt bei gut 6, die Deutsche Bank unter 3 Prozent.

Dass die Sberbank wächst, obwohl die russische Wirtschaft seit Jahresbeginn praktisch stagniert, hat zwei Gründe: Die Inflation von rund acht Prozent jährlich hilft. Sie sorgt für steigende Preise und damit höhere Finanzierungsvolumina. Vor allem aber sind viele Firmen durch die Sanktionen von internationalen Geldquellen abgeschnitten. Davon profitieren heimische Kreditanbieter. Ihr Marktanteil von 30 Prozent im Firmen- und 45 Prozent im standardisierten Geschäft mit Privatkunden erlaubt der Sberbank zudem, eine hohe Zinsmarge durchzusetzen. Sie betrug zuletzt im Schnitt 5,7 Prozent. In der deutschen Kreditwirtschaft liegt sie teilweise bei weniger als zwei Prozent. Zudem arbeiten die Moskauer sehr effizient. Die Cost-Income-Ratio (das Verhältnis von Kosten zu Erlösen), die bei westlichen Instituten selten unter 60 Prozent liegt (die Deutsche Bank bringt es derzeit aufgrund der vielen teuren Rechtsstreitigkeiten gar auf 93 Prozent), beträgt bei den Russen gerade mal 41,5 Prozent.

Dank dieser Vorteile kann die Sberbank einiges wegstecken, etwa die sich verschlechternde Lage der Kreditnehmer. Die Rückstellungen für faule Kredite hat sie mehr als verdoppelt, von 107 auf 255 Milliarden Rubel. Gleichzeitig stiegen ihre Zinsaufwendungen um 26 Prozent von 433 auf 547 Milliarden Rubel, vor allem eine Auswirkung der Sanktionen. Seit August ist der Zugang zu westeuropäischen und US-Geldgebern versperrt. Auf die hatten sich die Russen teilweise verlassen. Rund die Hälfte der Wertpapiere, die sie begeben haben (Debt Securities in Issue und Subordinated Debt) – zusammen rund 1721 Milliarden Rubel, knapp zehn Prozent der Bilanzsumme – sind international platziert. Seit August muss die Sberbank auf die heimische Zentralbank als Geldgeber zurückgreifen, zu schlechteren Konditionen. Der EZB-Leitzins liegt bei 0,05 Prozent, der Basissatz der russischen Notenbank, die sich gegen die Inflation und Kapitalabflüsse stemmen muss, bei 17 Prozent. Eine Kreditklemme wird es trotzdem nicht geben. Die russische Zentralbank verfügt über genügend Liquidität, und die Sberbank ist nicht in Schwierigkeiten, sondern nur etwas weniger profitabel als vor einem Jahr – da betrug ihre Eigenkapitalrendite noch gut 20 Prozent. Brenzlig würde es erst, wenn die Sanktionen Jahre andauerten – womit an den Kapitalmärkte nicht gerechnet wird. Analysten sagen für 2014 einen Gewinnrückgang voraus, aber 2016 soll Sberbank das Vorkrisenniveau wieder erreichen. ---

Die Sberbank verdankt ihren Namen der Mitte des 19. Jahrhunderts von Zar Nikolaus I. gegründeten ersten russischen Sparkasse, deren Nachfolgerin sie ist. Mit gut 320.000 Mitarbeitern und knapp 18.000 Filialen in 22 Ländern ist sie das mit Abstand größte russische Geldhaus, unterhält mit der österreichischen Sberbank Europe AG und der türkischen Denizbank zwei Töchter in Westeuropa, die auch in Deutschland aktiv sind. Die Sberbank ist börsennotiert und wird mit gut 26 Milliarden Euro bewertet, zehn Milliarden weniger als die Deutsche Bank. Sie befindet sich mehrheitlich im Besitz der russischen Notenbank.