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Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist einer der großen und erfolgreichen Wohltätigkeitsvereine hierzulande. Und doch wäre sie ohne staatliche Unterstützung kaum einsatzfähig.





• Rund 6,4 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für gemeinnützige Zwecke gespendet, so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die in Bonn ansässige Deutsche Welthungerhilfe e. V., die seit 1962 Notleidende in aller Welt unterstützt, bedachten sie mit 40,8 Millionen Euro – ein Plus von 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein gutes Ergebnis, vergleicht man es mit anderen gemeinnützigen Organisationen hierzulande, etwa mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), das mit 48,7 Millionen Euro 4,8 Prozent weniger Spendeneinnahmen zu verzeichnen hatte, oder dem Deutschen Caritasverband, der mit 34 Millionen Euro sogar 8,5 Prozent weniger einnahm als 2013.

Die Welthungerhilfe sammelt Geld für Ebola-Kranke oder syrische und irakische Flüchtlinge, Bedürftige also, deren Leid im Mittelpunkt der Medienberichterstattung stand. Außerdem gab sie gut 8,5 Millionen Euro für Werbung und allgemeine PR aus und zusätzlich noch einmal rund drei Millionen Euro für Kampagnen, Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Insgesamt wendeten die Bonner mehr als 11 Millionen Euro auf, um gut 40 Millionen Euro an Spenden reinzuholen – auf den ersten Blick nicht gerade ein effizientes System. Doch die Welthungerhilfe lebt zum kleinsten Teil von privaten Zuwendungen. Das meiste Geld (150 Millionen Euro) stammt aus der öffentlichen Hand.

So kamen etwa vom Auswärtigen Amt 28,7 Millionen Euro, von der EU-Kommission 21,7 Millionen Euro – auch auf diese Institutionen zielt die Öffentlichkeitsarbeit. Nur dank ihrer Förderung ist der Verein in der Lage, Projekte mit insgesamt rund 172 Millionen Euro zu unterstützen. Syrien erhielt mit 30 Millionen Euro den größten Batzen. Hunderttausende Flüchtlinge sowie 35 000 Familien aus dem Nordirak wurden mit Nahrungsmittelpaketen, Zelten und Heizöl versorgt, zudem Gebäude winterfest gemacht und elf Schulen in Aleppo gefördert. Dabei kooperierte die Welthungerhilfe – wie in den meisten anderen Regionen – mit lokalen Hilfsorganisationen.

Der Verein hat 348 Mitarbeiter. Der Personalaufwand beläuft sich auf 22,9 Millionen Euro. Er beansprucht damit zwölf Prozent aller Zuwendungen von rund 194 Millionen Euro. Sowohl bei der Deutschen Caritas als auch beim DRK entfallen rund 19 Prozent der Einnahmen auf die Personalkosten. Dabei zahlen Caritas und DRK keine höheren Gehälter. Wie auch die Welthungerhilfe sind sie um Transparenz bemüht, weisen ihre Vergütungsstrukturen aus, und es zeigt sich: Die drei unterscheiden sich bei den Löhnen kaum voneinander. Aber die Bonner sind gut organisiert. Sie kommen, gemessen an den Geldern, die ihnen anvertraut werden, mit den wenigsten Beschäftigten aus.

Die Spenden werden größtenteils unter „Projektverbindlichkeiten“ verbucht (46,5 Millionen Euro), da sie für die Finanzierung der wohltätigen Aktivitäten vertraglich zugesagt sind. Die öffentlichen Mittel finden sich unter „Zuwendungen aus noch nicht verwendeten zweckgebundenen Kofinanzierungsmitteln“ (132,4 Millionen Euro), weil die staatlichen Finanziers meist vorgeben, für welche Projekte ihr Kapital verwendet werden soll. Gelder, die noch nicht ihrem Verwendungszweck zugeführt wurden, legt der Verein – je nachdem, wie schnell sie gebraucht werden – in Wertpapieren und Schuldscheindarlehen an (42,9 Millionen Euro) oder in liquiden Anlagen, etwa als Festgelder (57,3 Millionen Euro). Die aktuell niedrigen Zinsen sind ein Problem: Die Investments warfen nur 1,6 Millionen Euro ab. Die Welthungerhilfe ist sich dennoch auch für die Zukunft größerer Zuwendungen gewiss. Die derzeitigen Flüchtlingsströme werden die Spendenbereitschaft hoch halten und auch öffentliche Geldquellen weiter sprudeln lassen. ---

Die Deutsche Welthungerhilfe e. V. wurde 1962 als deutsche Hilfsorganisation unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen gegründet, um weltweit den Hunger zu bekämpfen. Heute unterstützen die 348 unbefristet Angestellten und rund 1900 projektgebundenen Mitarbeiter der Organisation12,7 Millionen Menschen in 41 Ländern. Afrika bildet einen Schwerpunkt der Förderung, gefolgt von Asien und Lateinamerika. Der Verein engagiert sich vor allem in der Nothilfe sowie in der länd-lichen Entwicklung, unterstützt aber auch den Infrastrukturaufbau sowie Bildungsprojekte.