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Die Geschichte der Antibiotika-Industrie

Die Geißel der Infektionskrankheiten schien gebannt, als in den Vierzigerjahren eine Industrie entstand, die aus den Erkenntnissen Alexander Flemmings über antibakteriell wirkende Substanzen des Schimmelpilzes Penicillium chrysogenum ein massentaugliches Produkt machte. In gewaltigen Behältern wurde dieser Pilz seitdem mit Güterzug-Ladungen von Zucker und Stärke zur Produktion von Penicillin durch Fermentation angeregt.





Die heute existierenden Antibiotika verdanken wir einer Industrie, deren Grundstein während des Zweiten Weltkriegs gelegt wurde. Wegen der Wundinfektionen auf den Schlachtfeldern war die Nachfrage nach Antibiotika enorm. Unternehmen wie Pfizer lieferten. Die Profite waren gigantisch. Das, was wir heute Zulassungskontrollen nennen, steckte noch in den Kinderschuhen. Die sogenannte Goldene Ära der Antibiotika sorgte für eine Flut immer neuer Wirkstoffe und Kombinationen. Resistenzen, die es auch damals schon gab, wurden kaum wahrgenommen.

 

Jahr, in dem industriell hergestelltes Penicillin erstmals eingesetzt wurde: 1941
Zeitpunkt, zu dem die ersten Resistenzen nachgewiesen wurden: 1944
Jahr, in dem die Nachfolgesubstanz Methicillin entwickelt wurde: 1959
Jahr, in dem die erste Resistenz dazu nachgewiesen wurde: 1961

 

Die Anforderungen für die Zulassung neuer Wirkstoffe stiegen mit der Zeit, die Preise fielen. Patente liefen aus, billige Generika ersetzten teure Medikamente. In den Achtzigerjahren begann China, mit staatlichen Subventionen pharmazeutische Produkte wie Antibiotika als billige Massenware herzustellen. Indien folgte dem Beispiel. Die Produktion im Westen war nicht mehr rentabel. Die Konzerne zogen sich aus dem Geschäft zurück oder verlagerten es nach China und Indien, wo nun unter teilweise grotesken Bedingungen gewaltige Mengen Antibiotika produziert werden, die Straßenhändler vor Ort verkaufen oder in den Tiermastanlagen, Krankenhäusern und Apotheken in aller Welt landen. In den Gewässern rund um die Fabriken im indischen Hyderabad wurden Antibiotika-Konzentrationen gemessen, die höher waren als die Werte im Blut eines in Therapie befindlichen Menschen.