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Ernest Telah Hooley

Ernest Terah Hooley führte ein bewegtes Leben als Geschäftemacher. Der Nachwelt hinterließ er das erste Industriegebiet der Welt und einen Landsitz für den Prinzen.





• Wenn man so will, dann war Ernest Terah Hooley ein früher Wagniskapitalgeber. Im Jahr 1878, da war er 19 Jahre alt, schenkte ihm sein Vater 35.000 Pfund, um etwas daraus zu machen. Der Sohn stieg daraufhin in die Schnürsenkelfabrik der Familie ein. Als ihm das zu öde wurde, sattelte er um und handelte mit Firmenanteilen. Er war ehrgeizig, verbissen und skrupellos, und so dauerte es nicht lange, bis er bei den ganz großen Deals mitmischte.

Hooley kaufte und verkaufte Anteile des Konservenproduzenten Bovril, des Getränkeherstellers Schweppes, der Fahrradfabrik Singer. Mit dem Reifenhersteller Dunlop gelang ihm dann ein Coup. Er kaufte die Firma für drei Millionen Pfund, brachte sie an die Börse und erlöste fünf Millionen dafür. In nur 20 Monaten begleitete er 26 Börsengänge.

So stieg er in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts zu einem der reichsten Männer Europas auf. Sein Privatvermögen belief sich auf 30 Millionen Pfund, gut drei Milliarden Pfund nach heutigem Wert.

Um es zu mehren, erwarb er auch die Ländereien Trafford Park bei Manchester, für die er aufregende Pläne hatte. Der Park war 13 Quadratkilometer groß, herrlich gepflegt, es gab Alleen, Auen, Wiesen. Er gehörte einer der ältesten adeligen Familien der Region, den de Traffords. Doch je weiter die Industrialisierung von Manchester in das Umland vordrang, desto weniger wohl fühlte sich dort die feine Familie. Die rauchenden Schornsteine der Spinnereien und die armseligen Gebäude für die Arbeiter waren durch die Büsche und Bäume des Parks hindurch immer deutlicher zu sehen.

Schließlich wurde an der nördlichen Grenze auch noch der Manchester Ship Canal gegraben, ein 36 Meter breiter Wasserweg, auf dem sich die Hochseeschiffe flussaufwärts kämpften. Das war zu viel – die de Traffords verkauften ihr Land.

Und Ernest Terah Hooley griff am 24. Juni 1896 zu. Er bezahlte 360.000 Pfund. Umgehend gründete er die Trafford Park Estates Ltd. und machte sich ans Werk, eine radikal neue Idee umzusetzen: Aus dem idyllischen Grünland sollte das erste Industriegebiet der Welt werden.

Es erschien ihm logisch, dass Fabriken Tor an Tor liegen sollten, weil man dann einfacher Geschäfte machen konnte. Die Zulieferer mussten nur ein paar Meter gehen, um mit den Kunden über Verträge zu verhandeln.

Es war eine Zeit, in der buchstäblich alles, was Hooley anfasste, zu Gold wurde. Er hatte Geld im Überfluss und gab Unsummen für Zigarren und Wein aus, obwohl er weder rauchte noch trank. Seine Gäste sollten es gut bei ihm haben. Als er schließlich den Trafford Park Estate verkaufte, kassierte er 640 000 Pfund für das Gelände.

Es sollte einer der letzten großen Deals von Hooley sein. Danach verließ ihn das Glück. Während der Park florierte und immer mehr Unternehmen anzog, darunter auch das erste Ford-Werk mit Fließband in Europa, geriet eine Fahrradfabrik von ihm in Schwierigkeiten – Hooley war pleite. Mehrere Geschäftspartner zogen danach gegen ihn vor Gericht und forderten ihr Geld zurück.

Doch das war nur der Anfang. Fortan versuchte Hooley mit Betrügereien über die Runden zu kommen. Einmal wurde ihm unterstellt, er hätte Mitglieder des britischen Oberhauses bestochen. 1912 wurde er wegen Betrugs zu einem Jahr Haft verurteilt, weil er einen Scheck von 2000 Pfund veruntreut hatte.

Wieder in Freiheit, versuchte er sich als Immobilienmakler – und war schnell wieder pleite. 1922 kam der dritte Bankrott. Außenständen von 63.666 Pfund stand ein Guthaben von nur 25.000 Pfund entgegen. Und wieder wurde er wegen Betrugs verurteilt, diesmal zu drei Jahren. Er hatte eine Baumwollspinnerei verkauft – und sie drastisch überbewertet.

Aber auch diesmal schien ihn das Gefängnis wenig geschreckt zu haben. Als er freikam, berichtete der »Derby Daily Telegraph«, habe ein Taxi vor dem Gefängnis auf Hooley gewartet. „Er sah gut aus. Er trug eine Karomütze, einen braunen Mantel und einen Tweedanzug.“

Inzwischen war Hooley 65 Jahre alt und begann seine Memoiren zu schreiben. Darin heißt es: „Die meisten Menschen haben von Ernest Terah Hooley gehört, den meisten bereitet der Name Kummer: Ein Spieler, der aus reinem Eigeninteresse handelt. Doch wenn ich Zeit hätte, noch mal anzufangen, würde ich das gleiche Leben leben. Ich bin mir bewusst, dass ich einigen Menschen Schaden zugefügt habe, aber ich habe vielen auch geholfen.“

Zum Beispiel dem Prince of Wales. Dem hatte Hooley 1896 zu dem Landsitz Anmer Hall verholfen, aus reiner Freundlichkeit. Der Prinz wollte das Gut unbedingt haben. Aber sein Unterhändler war zu spät zur Versteigerung gekommen. Nach einem gemeinsamen Abendessen überließ Hooley dem Thronfolger den Landsitz für exakt die 25.000 Pfund, die er selbst dafür bezahlt hatte. Der Prinz nannte ihn daraufhin „meinen speziellen Freund“. Heute ist Anmer Hall der Landsitz von Prince William und seiner Frau Kate.

Am 12. Februar 1947 starb der Mann, dem sie das Anwesen zu verdanken haben, an einer Bronchitis. Das, was von seinem Besitz noch übrig war, hatte er da längst seinen Kindern überschrieben. ---