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Air Solution

Das Bremer Unternehmen Air Solution plant die Hygiene-Revolution – voll natürlich.




• Ralf Ohlmann ist kein Mann der kleinen Worte. Die Lösung? Perfekt. Nachteile? Keine. Bedeutung? Wie der erste Flug zum Mond. Es klingt zunächst nach Größenwahn, wenn der 54-jährige Gründer der Bremer Firma Air Solution über seine Erfindung spricht.

Die Basis seines Selbstbewusstseins steht in der Ecke des Besprechungsraums: ein boilergroßer Kasten, der weißen Nebel in den Raum bläst. Während der Erfinder die Grundlagen der keimfreien Zukunft erklärt, verteilt das Gerät den von Ohlmann entwickelten Wirkstoff L.O.G. im Zimmer und tötet damit Bakterien, Pilze und Viren in der Luft ab.

Inspiration fand Ohlmann in der Natur. „Pflanzen haben einen natürlichen Schutz gegen bestimmte Keime, das wollte ich nutzen“, erklärt er die Grundidee. Als Lebensmitteltechniker in der Fleischindustrie erlebte er, wie der Handel Produkte mit immer längerer Haltbarkeit von den Herstellern verlangte und solche mit zu hoher Keimbelastung reklamierte. Er wollte eine Lösung finden, eine natürliche, die weder den Lebensmitteln noch den Mitarbeitern in der Produktion gefährlich werden konnte.

Vor 15 Jahren begann er, mit den Inhaltsstoffen der Milch zu experimentieren, später kamen Bestandteile von Kräutern, Zitronen und anderen Pflanzen dazu – bis ein effektiver Wirkstoff herauskam: L.O.G., Lord of Germs, Herr der Keime. Es ist auch eine Anspielung auf die sogenannten Log-Stufen, die Maßeinheit, mit der man die Reduzierung von Keimen beschreibt.

L.O.G. besteht unter anderem aus Milchsäure, Wirkstoffen der Zwiebel und Allicin, das Knoblauch vor Keimen schützt. Das Mittel dringt in die Zellen der schädlichen Mikroorganismen ein und stört ihren Stoffwechsel – die Keime werden außer Gefecht gesetzt, ohne dabei resistent zu werden wie bei Antibiotika. Es gibt auch andere biologische Desinfektionsmittel. Doch Ohlmann fand einen Weg, seinen Wirkstoff effektiv anzuwenden. Parallel entwickelte er Dosiergeräte, die durch das sogenannte Ultraschallvernebelungsverfahren das flüssige L.O.G. als sehr feine Tröpfchen an die Umgebung abgeben. Es wirkt dadurch schnell, weil es die gleiche Größe wie die Mikroorganismen hat und sie noch in der Luft angreift. Größere Teilchen sinken auf Oberflächen und desinfizieren sie praktisch von selbst. Das macht es effizient und unkompliziert. „No-Touch-Disinfection“, nennt Ohlmann das Prinzip.

Den Prototyp hatte er ein Jahr nach der Gründung von Air Solution im Jahr 2000 fertig. Er gewann damit einen regionalen Start-up-Wettbewerb. Die 10 000 Mark Preisgeld steckte er ins Labor und in die Weiterentwicklung. Ein knappes Jahr später verkaufte er die ersten Geräte an eine Großmolkerei, deren Joghurts fortan 45 statt vorher 34 Tage haltbar waren. Das Charmante aus Herstellersicht: L.O.G. zählt als Verarbeitungshilfsstoff – das heißt, er muss nicht auf der Verpackung ausgewiesen werden. Und: Er gilt als unbedenklich, kann mit Mitarbeitern und den Produkten in Berührung kommen.

In der Lebensmittelindustrie gehören die Hersteller bekannter Marken inzwischen zu den Kunden von Air Solution, etwa DMK, Deutschlands größtes Molkereiunternehmen. Der Umsatz liege „im mittleren Millionenbereich“, sagt Ohlmann. 35 Mitarbeiter hat er heute. Mehrere Hundert Geräte würden pro Jahr verkauft, vom kleinen für zu Hause, das im eigenen Onlineshop angeboten wird, bis zur großen Industrieanlage.

Das Unternehmen befinde sich jetzt nach der Start-up- in der Lift-up-Phase, sagt Ohlmann. Nach 15 Jahren? Er habe das verdiente Geld und die eingeworbenen Fördermittel lieber in die Forschung als in Marketing oder Vertrieb gesteckt. Außerdem habe der Gang zu Gutachtern und Behörden Zeit gebraucht. Inzwischen erfülle L.O.G. alle regulatorischen Voraussetzungen. Auf der Firmen-Website präsentiert der Gründer Stellungnahmen von Wissenschaftlern, die dem Stoff Wirksamkeit und Unschädlichkeit bestätigen.

Als Nächstes will er das Gesundheitswesen erobern. Laut Studien könnten bald mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben als an Krebs. Klaus-Dieter Zastrow, Experte für Krankenhaushygiene, bescheinigte L.O.G. in einem Interview „umfangreiches Potenzial“. In einem Versuch, den er durchgeführt hat, waren alle getesteten Keime nach zwei Stunden nicht mehr nachweisbar.

Im November 2014 war Ohlmann bei einer Ebola-Konferenz in Ghana, danach schickte er zwölf Geräte nach Liberia, die verhindern sollten, dass sich die Helfer anstecken. Ein Berliner Pflegeheim berichtet von weniger Atemwegserkrankungen durch Air Solution, auch vom Norovirus seien sie seitdem verschont geblieben. Ein Kindergarten und ein Fitnessstudio nutzen die Apparate. Prinzipiell kann L.O.G. überall angewendet werden, wo sich Menschen anstecken können. Ohlmann träumt auch schon von einer Tierzucht ohne Antibiotika. „Wenn der Stein erst mal im Rollen ist, hält ihn keiner mehr auf.“ Es sei allerdings eine Herausforderung, die Gesellschaft von der Alternative zur Chemie zu überzeugen, denn für Ohlmann ist der Grund klar: „Air Solution ist seiner Zeit voraus.“ ---

Kontakt: air-solution.com