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Die Ökonomie der Elemente

Iod (I)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt.





Die besondere Eigenschaft

Das schwerste aller essenziellen Spurenelemente ist für Mensch, Tier und Pflanze lebensnotwendig. Zudem wirkt es antiseptisch, ist sehr reaktionsfreudig und ein natürlicher Halbleiter. Unter Normalbedingungen liegt es als grauschwarzer Feststoff vor, der metallisch glänzende Schuppen bildet. Im flüssigen Zustand ist es braun, im gasförmigen leuchtet es violett.

Wer braucht es?

Wir alle: circa 150 Mikrogramm täglich, um unsere Schilddrüsenfunktion aufrechtzuerhalten, weshalb man Speisesalz Iod beimischt. Die Weltgesundheitsorganisation führt es auf ihrer Liste der wichtigsten Medikamente. Deutschland bevorratet 137 Millionen „Iod-Tabletten“, die im Falle eines Atomunfalls die Aufnahme von radioaktivem Iod durch die Schilddrüse verhindern sollen. Außerdem wird es in medizinischen Desinfektionsmitteln und in Kontrastflüssigkeiten verwendet, auch zum Bestrahlen von Tumoren. Iod ist zudem in Pflanzenschutzmitteln und Tierfutter enthalten. Die Elektroindustrie benötigt Iod für LCD-Bildschirme. Für Katalysatoren nutzt es die chemische Industrie, ebenso zur Herstellung von Essigsäure oder Gummireifen. Der Einsatz von Silberiodid-Ionen in der analogen Fotoentwicklung ist rückläufig. Tausende Kilogramm davon werden hingegen in aller Welt in die Luft geschossen, um künstliche Wolken zu erzeugen, die Schnee- oder Regenfälle auslösen. In Schwimmbädern ersetzt Iod mitunter das Chlor, aber Vorsicht: Kleinste Überdosierungen rufen Verfärbungen vor – bei den Badegästen.

Wer verkauft es?

Das chilenische Unternehmen SQM (Umsatz 2014: rund 2 Milliarden Dollar) produziert ein Drittel des weltweiten Angebots. Kanto Natural Gas Development (Umsatz 2012: etwa 912 Millionen Dollar) aus Japan extrahiert Iod neben anderen Rohstoffen aus Erdgas. Wie auch Iofina aus den USA, das die Produktion von Iodkristallen 2014 um 92 Prozent auf 328 Tonnen steigerte; der Umsatz damit wuchs auf mehr als 17 Millionen Dollar.

Wo findet man es?

Im 18. und 19. Jahrhundert gewann man Iod aus angeschwemmtem Seetang, der eingesammelt und verbrannt wurde. Heute sind Braunalgen, etwa aus der Nordsee, eine natürliche Iod-Ressource für die Nahrungsergänzung. Im industriellen Maßstab wird das Element vor allem aus einer Salzschicht namens Caliche in der Atacamawüste in Chile gewonnen, dem weltweit einzigen Iod-Tagebau, betrieben von SQM. Bei dem derzeitigen Verbrauch ist diese Lagerstätte in 40 Jahren ausgebeutet. In der Nähe von Tokio in Japan und in den USA, nicht weit von Oklahoma, existieren besondere Erdgaslagerstätten, in denen Iod als Nebenprodukt gewonnen wird.

Der Weltmarkt …

… iodhaltiger Rohstoffe wird auf 5 bis 6,5 Milliarden Dollar geschätzt. Circa 32 100 Tonnen Iod wurden 2014 gehandelt. Die jährlichen Wachstumsraten zwischen 2000 und 2011 lagen bei durchschnittlich 6 Prozent. 60 Prozent des Angebots stammen aus Chile, 30 Prozent aus Japan, der Rest vor allem aus den USA.

Der Preis 

2011 stieg der Preis von 33 auf 97 Dollar pro Kilogramm. Das lag vor allem an Produktionsausfällen in Südamerika und Japan, dort aufgrund der Reaktorkatastrophe in Fukushima, der steigenden Nachfrage durch die neuen Einsatzmöglichkeiten, etwa in der Elektroindustrie, und der Ausweitung der Iod-Versorgung in den Entwicklungsländern. 2012 erhöhten die Produzenten das Angebot, die Preise sanken. 2014 rutschten sie noch mal kräftig von 45 auf 30 Dollar pro Kilogramm. Die Produktionskosten beziffert Iofina auf circa 20 Dollar pro Kilogramm.

Wie geht es weiter?

Die Analysten von Roskill rechnen mit einer wachsenden Nachfrage von jährlich 3,5 Prozent. In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist Iod kaum zu ersetzen. In der Nuklearmedizin und der Elektroindustrie nimmt der Bedarf zu. Die chilenischen Anbieter bauen die Kapazitäten daher aus. Iofina entwickelt drei neue Förderstätten in den USA. ---

Legende
53: Ordnungszahl im Periodensystem
I: Elementsymbol, fest (schwarz)
126,90: Relative Atommasse