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Terra Canis

Für viele moderne Menschen sind sowohl Haustiere als auch Ernährung Herzensangelegenheiten. Das ist die Geschäftsgrundlage von Terra Canis.





• „Tafelspitz mit Topinambur, gelber Melone & Melisse“ klingt lecker. Und auch die Dose, in der die Mahlzeit angeboten wird, ist appetitlich gestaltet. Dabei handelt es sich um Hundefutter – das allerdings durchaus für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Birgitta Ornau, Gründerin von Terra Canis, isst ihre Produkte gern öffentlichkeitswirksam selbst. „Am liebsten mag ich Wild“, sagt die 38-Jährige. Der lateinische Name ihrer Firma – er bedeutet so viel wie „das Reich des Hundes“ – signalisiert den gehobenen Anspruch. Die Zielgruppe sind Menschen, die auf einen gesunden Lebensstil nicht nur für sich, sondern auch für ihre vierbeinigen Freunde Wert legen.

Für diese Klientel hat die Unternehmerin aus München etwas Besonderes entwickelt: „Hausmannskost für Hunde“. Zu der Geschäftsidee kam sie nicht etwa durch eine kühle Analyse, sondern eigene Betroffenheit. Die Story geht so: Die damals 21-jährige Studentin der Betriebswirtschaftslehre rettet in Spanien einen Mischlingshund vor dem Tod, tauft ihn auf den Namen Sueño (Traum) und bringt ihn nach Deutschland. Das Tier leidet unter anderem an Durchfall und mag das übliche Futter – „das abartig gestunken hat“ – nicht fressen. Schließlich bekocht Ornau Sueño selbst und beschäftigt sich mit Hundeernährung. Sie stellt fest, dass die Futtermittelindustrie vor allem Schlachtabfälle und Tiermehl verarbeitet: „Deshalb der Gestank.“

Das bringt sie auf die Idee, „eine natürliche Alternative auf echter Lebensmittelbasis zu entwickeln“. Sie überzeugt den Metzger Hermann Schäbitz, Inhaber eines Traditionsbetriebs in München-Sendling, von der Idee. Er kümmert sich um die Genehmigung und investiert in entsprechende Maschinen. 2005 beginnt die Produktion mit den ersten 1000 Dosen, die die Gründerin persönlich mit ihrem alten Fiat Punto an interessierte Händler ausliefert und auf Messen präsentiert.

Heute setzt das Unternehmen rund 500 000 Büchsen pro Monat ab. Mittlerweile gibt es auch eine eigene Bio-Linie, Katzenfutter namens Terra Faelis – sowie etliche Nachahmer, die versuchen, auf der gleichen Welle zu surfen wie Ornau. An ihrer Firma ist neben dem Metzger Schäbitz auch ein Investor beteiligt, der die Expansion ins Ausland finanzieren soll.

Der Trend geht hin zum Luxus, auch bei Tierfutter. Doch tun Menschen Hunden etwas Gutes, wenn sie ihnen Feinkost im Fressnapf servieren? Nicht unbedingt. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls die Stiftung Wartentest bei einem Vergleich von sogenanntem Feuchtfutter in diesem Frühjahr. Darunter war auch „Terra Canis Huhn mit Amaranth, Tomaten & Basilikum“. Das Produkt sei „als Alleinfutter ungeeignet“, so der Testbericht, denn es versorge den Hund „ungenügend mit Vitamin B1, auch Phosphor und Kupfer kommen zu kurz“. Dafür gab es die Note „mangelhaft“. Mit „sehr gut“ schnitt dagegen Ware von Discountern ab, die für weniger als ein Viertel des Preises zu haben ist.

Das gefällt Birgitta Ornau natürlich nicht. Sie zweifelt die Methodik des Tests an, der, wie es in einer Stellungnahme für ihre Kunden und Geschäftspartner heißt, „in keinerlei Weise auf ernährungsphysiologische Bedürfnisse des Hundes“ eingehe. Auch kündigt sie anwaltliche Schritte an. Andererseits scheint das schlechte Zeugnis ihrem Geschäft nicht zu schaden. „Wir liegen beim Umsatz derzeit über Plan“, sagt sie. Auch die Beurteilung des Katzenfutters Terra Faelis durch die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr („mangelhaft“) habe sich nicht negativ ausgewirkt.

Die Kundschaft von Birgitta Ornau scheint sich eben vor allem vom Bauchgefühl leiten zu lassen. ---
Terra Canis GmbH
Mitarbeiter: 21
Umsatz 2014: knapp 12 Mio. Euro
Umsatz 2015 (geplant): 15 Mio. Euro