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Brotlose Kunst?

Für Gemälde und Skulpturen quer durch alle Epochen werden Rekordpreise bezahlt. Das weltweit zweitgrößte Auktionshaus Sotheby’s steckt trotzdem in Schwierigkeiten.





2014 war ein Rekordjahr an den internationalen Kunstmärkten: Laut dem aktuellen Art Market Report wechselten rund um den Globus Gemälde, Skulpturen und andere Objekte im Wert von 51 Milliarden Dollar den Besitzer, die höchste Summe aller Zeiten. Das US-Auktionshaus Sotheby’s, nach dem britischen Rivalen Christie’s, der sich in Privatbesitz befindet und keine Bilanz veröffentlicht, die Nummer zwei der Branche, brachte rund zehn Prozent davon unter den Hammer, Kunst für knapp 5,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein, den Amerikanern gelang es nicht, das Wachstum in Profit umzumünzen: Der operative Gewinn wuchs nur um 1,6 Prozent auf 226 Millionen Dollar, das entspricht einer Marge (operativer Gewinn im Verhältnis zum Umsatz) von 24 Prozent – immer noch beachtlich, aber vor drei Jahren lag sie noch bei fast 28 Prozent.

Der Hauptgrund ist der harte Wettbewerb unter den Auktionshäusern. Sie konkurrieren vor allem um die prestigeträchtigen Mandate weniger Großkunden. 2014 stammten 53 Prozent des Auktionsvolumens aus der Versteigerung von Werken, die mehr als zwei Millionen Dollar erlösten. Die betuchten Verkäufer spielen die Auktionshäuser gegeneinander aus, stellen immer höhere Forderungen. Inzwischen lassen sie sich oft etwa den Auktionspreis garantieren oder bestehen auf der Hälfte der vom Käufer zu zahlenden Kommission. Der durchschnittliche Satz, den Sotheby’s kassiert, fällt daher seit Jahren, von 18,3 Prozent im Jahr 2010 auf 14,7 Prozent im vergangenen Jahr. Die Folge: Die Erlöse aus dem als Agency bezeichneten Auktionsgeschäft betrugen nur 825 Millionen Dollar, gerade vier Prozent mehr als 2013. Sie sind aber die Haupteinnahmequelle des Unternehmens.

Die Erlöse aus den anderen Geschäften wie dem An- und Verkauf einzelner Werke auf eigene Rechnung (Principal) oder der Beleihung von Kunst als Finanzierungshilfe für Sammler (Finance) wachsen schneller, machen zusammen aber bislang nur zwölf Prozent des Gesamtumsatzes (Total revenues) von 938 Millionen Dollar aus. Die Auktionssparte leidet nicht nur unter hartem Wettbewerb, sondern auch unter hohen Kosten. So fallen bei ihr fürs sogenannte Sale Marketing – etwa die Produktion und der Vertrieb hochwertiger Kataloge oder aufwendige Kunden-Events – mit knapp 35 Millionen Dollar doppelt so hohe Ausgaben an wie fürs zentrale Marketing der gesamten Firma.

Die sinkende Profitabilität führte dazu, dass sich 2013 Daniel Loeb, streitbarer Chef des Hedgefonds Third Point und Sotheby’s-Großaktionär, mit Vorstandschef William F. Ruprecht anlegte. Der erhöhte daraufhin die Dividende von 20 Cent auf 4,74 Dollar pro Aktie, um Loeb zu befrieden. Doch vergeblich. Er musste Ende 2014 trotzdem gehen. Der Streit kam die Firma mit insgesamt rund 27 Millionen Dollar teuer zu stehen: 10 Millionen flossen vor allem in Beraterhonorare zur Verteidigung gegen Loeb; weitere 10 Millionen kassierte der Hedgefonds-Manager für die Erstattung seiner Kosten; 7,6 Millionen erhielt Ruprecht als Abfindung.

Der neue Chef Thomas Smith, der zuvor New Yorks Madison Square Garden managte, will nun sparen und das Online- sowie das Kreditgeschäft stärken. Seine Chancen stehen nicht schlecht. 2014 wurden in Internet-Auktionen weltweit 3,3 Milliarden Dollar umgesetzt, der Markt wächst schnell und bringt höhere Kommissionen als die prestigeträchtigen Mega-Auktionen. Auch die Darlehensvergabe floriert, die Erlöse daraus stiegen bei Sotheby’s 2014 um 55 Prozent. Sie ist für die Amerikaner sehr profitabel. Auf die Kredite – rund 644 Millionen Dollar per Ende 2014 – kassierte das Unternehmen im Jahresschnitt 7,2 Prozent Zinsen und Gebühren; die Kosten für die Refinanzierung (Cost of Finance Revenues) lagen bei nur 1,5 Prozent (8,7 Millionen Dollar). Sotheby’s hat eine lukrative Nische im Geldgewerbe entdeckt: die Beleihung von Kunstwerken – die nur möglich ist, wenn man deren Wert zuverlässig einschätzen kann. Viele Banken trauen sich das nicht zu. ---

Im Jahr 1744 begann der Buchhändler Samuel Baker in London mit dem Auktionsgeschäft, sein Neffe John Sotheby übernahm die Firma und gab ihr den Namen. In den 1980er-Jahren wurde sie von Investoren übernommen und in New York an die Börse gebracht. Sotheby’s beschäftigt 1500 Mitarbeiter in 90 Filialen, verteilt auf 40 Länder, und hält jährlich rund 250 Auktionen ab – von Kunst aus allen Epochen über Oldtimer bis hin zu Schmuck und Weinen.