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Helium (He)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt.





Die besondere Eigenschaft

Mit der niedrigsten Siedetemperatur aller Elemente bleibt Helium bis knapp über dem absoluten Temperatur-Nullpunkt (-273,15 °C) noch flüssig und ist damit das ideale Kühlmittel.

Wer braucht es?

In der Halbleiterindustrie flutet man mit Helium die Produktionskammern. Die Weltraumbehörde Nasa spült damit Rake- tentanks. Der Teilchenbeschleuniger Cern, Smartphones oder die MEG- und MRT-Geräte in der Medizin funktionieren auch nicht ohne dieses Kühlmittel. Zudem wird Helium beim Plasma-Schweißen, in Gasgemischen für den Tauchsport und in der Lebensmittelindustrie als Zusatzstoff E 939 verwendet. In der Automobilindustrie prüft man mit dem Edelgas die Dichtheit von Bauteilen. Und bei Kindergeburtstagen sorgen mit Helium gefüllte Ballons für eine Micky-Maus-Stimme.

Wo findet man es?

In Reinform kommt es in der Natur nicht vor, es wird als Nebenprodukt in der Erdgasförderung destilliert. Helium ist nicht erneuerbar. Weltweit sind 15 heliumreiche Erdgasvorkommen bekannt, die eine wirtschaftliche Produktion erlauben, vor allem in den USA, im Persischen Golf, in Nordafrika, Russland, Polen, Indonesien und Australien. Die größte Anlage zur Reinigung und Verflüssigung von Helium nahmen der französische Konzern Air Liquide und RasGas 2013 in Katar in Betrieb. Das kleine Emirat ist seither mit einem Anteil von 25 Prozent der zweitgrößte Helium-Produzent in der Welt. Der Erdgaskonzern Gazprom will bis 2021 zwei Anlagen in Ostsibirien errichten und würde Russland dann ebenfalls zu einem Top-Produzenten machen. Iran könnte in den kommenden zehn Jahren neben Algerien zur vierten großen Fördernation aufsteigen.

Die zweite Quelle: Atomwaffen. Die Sprengköpfe enthalten Tritium, das sehr schnell zu einem Helium-Isotop zerfällt. Gleiches passiert mit endgelagerten Brennelementen und der Tritium-Reserve des Department of Energy in den USA. Das dort anfallende Helium-3 wird versteigert, Abnehmer ist zum Beispiel die deutsche Linde AG, die es reinigt und auf dem Weltmarkt verkauft. Helium-3 wird ähnlich wie Helium verwendet, die Jahresproduktion liegt bei circa 60 000 Litern (8 kg), die Nachfrage ist weit höher.

Wer verkauft es?

Der Marktführer Air Liquide hat sich die Hälfte aller bekannten Helium-Ressourcen durch langfristige Verträge gesichert. Der zweite große Anbieter ist die Linde AG.

Der Weltmarkt

2013 wurde Helium derart knapp, dass Air Liquide seine Lieferungen an die Hersteller von Party-Ballons einstellte, um seine Industriekunden weiter versorgen zu können. Der Grund: Probleme in einer Förderanlage in Algerien. Die weltweite Helium-Produktion wurde im selben Jahr auf 177 Millionen Kubikmeter geschätzt. Der Verbrauch steigt seit 2000 pro Jahr um durchschnittlich fünf Prozent. Der größte Teil der Nachfrage entfällt auf die USA (36 Prozent), vor Asien (28 Prozent) und Europa (22 Prozent).

Der Preis

Seit 2009 verdoppelte sich der Helium-Preis auf mehr als 2000 Dollar pro Liter. Ende der Neunzigerjahre lag er noch bei 100 Dollar – allerdings nur, weil die US-Regierung 1996 beschlossen hatte, die nationale Helium-Reserve aufzulösen. Seit 1925 lagern in einer Gesteinsschicht in Texas bis zu 30 Prozent der weltweiten Helium-Reserven. Bis 2019 soll die Reserve komplett verkauft sein. Die Einnahmen von bislang 1,4 Milliarden Dollar flossen in den Schuldendienst. Das zwischenzeitliche Mehrangebot hat die steigende Nachfrage längst kompensiert.

Wie geht es weiter?

In der Erdgasförderung wird verstärkt in die Heliumgewinnung investiert, bislang wird das Gas als Abfallprodukt oft noch in die Luft geblasen. Nach drei Jahren großer Engpässe ist für 2015 erstmals ein Überangebot zu erwarten. Wichtigste Wachstumsfelder sind die Forschung und der Gesundheitsmarkt mit seinen bildgebenden Verfahren, die derzeit für bis zu 30 Prozent der weltweiten Nachfrage sorgen. Langfristig könnte diese Position der Schienenverkehr einnehmen: Japan plant bis 2027 eine neue Magnet-Schwebebahn mit Helium gekühlten Magneten. ---

Legende:

2: Ordnungszahl im Periodensystem

He: Elementsymbol, gasförmig (rot)

4,0026: Relative Atommasse