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Mikroökonomie

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Isak Wombulu arbeitet fünf Tage die Woche und jeden zweiten Samstag von acht Uhr morgens bis fünf Uhr am Nachmittag. Er verdient monatlich umgerechnet etwa 450 Euro. Ein Drittel seines Gehalts braucht er für die Miete seiner Einzimmerwohnung, weitere 65 Euro für Internet, Mobiltelefon, Strom und die monatliche Rate für den Laptop, den er auf Kredit gekauft hat. Für Lebensmittel gibt er rund 80 Euro aus, für sein Auto weitere 60 Euro. Manchmal lädt er seine Freundin zum Essen ein. Für eine Kranken- oder Rentenversicherung bleibt nichts übrig.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich habe schon als Teenager gerne meinen eigenen Schmuck hergestellt. Goldschmied war immer mein Traumberuf, aber es hat lange gedauert, bis mir jemand eine Chance gab. Deshalb bin ich stolz, es geschafft zu haben. Allerdings verdiene ich zu wenig.

Was möchten Sie an Ihrem Leben verändern?

Ich will eine Familie gründen. Das wäre das Größte für mich. Aber mir fehlt das Geld – und ohne Geld geht es nicht. Ohne Geld kann ich kein Haus, kein gutes Auto oder meiner Frau Geschenke kaufen. Ich kann die Ausbildung meiner Kinder nicht bezahlen oder ihre Krankenversicherung. Und welche Frau will schon so einen Mann heiraten? Sobald eine herausfindet, dass ich nicht genug Geld habe, heißt es: „Du bist nicht mein Typ.“

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Die Lebenshaltungskosten hier in Windhoek sind brutal, vor allem die Mieten. Ich muss ständig aufs Geld achten. Mein Bruder, der auch hier lebt, hilft mir manchmal aus. Er hat mir Geld für ein Auto geliehen. Am Wochenende fahre ich Taxi und verdiene damit etwas dazu.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Manchmal gehe ich mit meinen Freunden aus. Ich trinke dann ein oder zwei Gläser Sekt. Der ist so teuer, dass ich mir nicht viel davon leisten kann. Das ist auch besser so. Wenn ich das billige Bier trinke, wird das oft zu viel.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Ich hoffe, dass ich bald eine Gehaltserhöhung bekomme. Dafür arbeite ich hart. Ich würde auch gerne ein paar Fortbildungen besuchen, um noch mehr zu lernen.

Namibia ist seit 25 Jahren unabhängig. Wie stark spürt man das Erbe der Apartheid noch?

Lange Zeit wollte mich keiner als Goldschmied haben. Ich kann natürlich nicht in die Köpfe der Leute schauen, aber ich vermute, das lag an meiner Hautfarbe. Manche hier glauben immer noch, dass man sein Geld verschwendet, wenn man einen Schwarzen anstellt. Aber so ist das Leben. Es ist sehr schwierig, daran etwas zu ändern. Ich bin stolz und dankbar, dass ich es trotzdem geschafft habe. ---
Namibia:
Einwohner: 2,2 Millionen
Währung: Namibia Dollar (NAD) 14 NAD = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 4205 Euro
Human Development Index: Platz 127 (Deutschland: Platz 6 von 187 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
0,5 Liter gezapftes Bier 1,20 Euro
1 mittelgroße Papaya: 1,50 Euro
1,5 Liter Wasser: 1 Euro
1 Kilo Kartoffeln: 1 Euro
1 Liter Benzin: 0,92 Euro
1 Paar Turnschuhe: 37 Euro