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Ada Lovelace

Das Konzept für den ersten Computer stammt ganz wesentlich von einer bemerkenswerten Frau. Sie war ihrer Zeit voraus.





• Es war eine Einladung mit Folgen. An einem Juni-Abend des Jahres 1833 besuchte Augusta Ada Byron einen Empfang des Mathematikers Charles Babbage in London. Der unermüdliche Erfinder stellte bei solchen Anlässen den höheren Ständen des Königreichs regelmäßig Ideen und Maschinen vor.

Diesmal war es der Prototyp seiner Differenzmaschine, ein mechanischer Rechner, der mathematische Formeln tabellarisch darstellen konnte. Da Augusta Ada Byron erst 17 Jahre alt war, durfte sie nicht allein kommen, sondern war in Begleitung ihrer Mutter Lady Byron.

Mutter wie Tochter waren von dem Gerät gleichermaßen fasziniert. Lady Byron nannte es eine „Denkmaschine“. Die Tochter bat um die Baupläne. Danach ließ die Maschine beide nicht mehr los. Die Frauen reisten sogar in die Midlands, um sich ähnliche Maschinen anzusehen.

Es folgte ein enger Briefkontakt zwischen Babbage und Augusta Ada Byron. Die junge Frau hatte es dem Wissenschaftler angetan, er nannte sie die „Zauberin der Zahlen“.

Ein Titel, den sie nicht für abwegig hielt. 1841, im Alter von 25 Jahren, schrieb sie an ihre Mutter: „Ob einiger Eigenartig-keiten in meinem Nervensystem kann ich Dinge wahrnehmen, die sonst keiner sehen kann. Es handelt sich dabei um eine intuitive Wahrnehmung versteckter Dinge, die für Augen, Ohren und die normalen Sinne nicht zu erkennen sind. Das allein jedoch würde mir wenig Vorteile verschaffen. Aber da sind zusätzlich mein großer Verstand und meine Fähigkeit, mich zu konzentrieren.“ Später sollte sich zeigen, dass sie damit recht hatte.

Es war ihre Mutter gewesen, die versucht hatte, sie für die Mathematik zu begeistern. Lady Byron hatte befürchtet, die Tochter könne nach dem Vater, dem romantischen Dichter Lord Byron, schlagen, einem Lebemann, der die Exzesse liebte und später in den griechischen Freiheitskampf zog.

Also bestellte Lady Byron Privatlehrer ins Haus, die Augusta Ada in Algebra und Geometrie unterrichteten. Für das viktorianische Großbritannien war das ein Tabubruch. Zu jener Zeit war es Frauen versagt, Mitglied der ehrwürdigen Forschungsgemeinschaft Royal Society zu werden, weil ihnen angeblich die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken fehlte.

Augusta Ada war begeistert von der Mathematik. Und der enge Kontakt zu Babbage eröffnete ihr eine ganz neue Welt. Sie hielt die Brieffreundschaft zu ihm auch noch aufrecht, als sie im Alter von 24 Jahren heiratete. Als ihr Mann 1938 zum Grafen von Lovelace geadelt wurde, trug sie fortan den Namen Ada Lovelace. Aber das Familienleben machte sie nicht froh. Um 1840 schrieb sie an Babbage: „Wenn ich es wert wäre oder wenn ich dazu in der Lage wäre, von Ihnen gebraucht zu werden, gehörte mein Kopf Ihnen.“

Und ob er sie brauchen konnte! Er hatte die Arbeit an der Differenzmaschine eingestellt und tüftelte schon länger an einem Gerät, das er Analytische Maschine nannte. In den Plänen war sie so groß wie eine Dampfmaschine und konnte mehr als nur rechnen, sie konnte auch Formeln verarbeiten.

Da ihm die britische Regierung die Finanzierung des neuen Projektes versagt hatte, suchte er andernorts nach Geldgebern. Bei einem Vortrag vor italienischen Mathematikern warb er für seine Idee. Doch die Reaktion war eher verhalten.

Nur Federico Luigi Menabrea, der spätere Premierminister Italiens, schrieb einen Aufsatz darüber, der auf Französisch in einer Schweizer Zeitschrift erschien. Babbage bat Lovelace, den Text zu übersetzen. Dabei bemerkte sie, dass Menabrea nicht alles richtig verstanden hatte. Also kommentierte sie dessen Darstellung in Fußnoten – und ließ eigene Gedanken darin einfließen. Die Fußnoten waren am Ende dreimal so umfassend wie der Aufsatz selbst.

Da die Maschine programmierbar war, so Lovelace, ließen sich darin auch automatische Funktionen einbauen. So entwickelte sie eine Formel, wie bestimmte mathematische Probleme schrittweise, durch mehrere Rechenschritte mit der Maschine gelöst werden könnten – was nichts anderes war als ein Algorithmus. Damit war Babbages Erfindung kein reiner Rechner mehr, sondern ein Computer.

Und dabei blieb es nicht. Ada Lovelace entdeckte auch Funktionen, die Babbage offenbar selbst nicht gesehen hatte. In den Fußnoten legte sie dar, dass die Analytische Maschine nicht nur Zahlen verarbeiten konnte, sondern auch Musiknoten oder Buchstaben.

Kurz: Sie konnte Symbole nach bestimmten Regeln ordnen. „Viele erkennen, dass die Maschine numerische Ergebnisse liefern kann, und glauben daher, ihre natürlichen Einsatzgebiete seien Arithmetik und Numerik. Doch das ist ein Fehler. Die Maschine kann ihre numerischen Qualitäten exakt so kombinieren, als seien sie Buchstaben oder andere Symbole“, schrieb Lovelace. Sie glaubte außerdem, dass der Apparat dazu in der Lage sei, Musik zu komponieren.

Dass das Gerät nie gebaut wurde, ist Charles Babbage und Ada Lovelace nicht anzulasten. Sie hatten versucht, eine Maschine der Moderne mit den Materialien der frühen Industrialisierung herzustellen.

Erst um das Jahr 1970 wurden Computer gebaut, wie Lovelace sie in ihren Fußnoten beschrieben hatte. Doch vergessen wurde ihr Beitrag nicht. Die Computer des Pentagon werden in einer Sprache programmiert, deren Name eine Hommage an die frühe Softwareentwicklerin ist: Ada. Warum es mehr als hundert Jahre später gelang, einen Computer herzustellen? Er wird inzwischen mit Elektrizität angetrieben. Nicht mit Dampf, wie im Modell von Babbage. ---