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R&M Wegener

Was tun, wenn einer traditionsreichen Firma die Absatzkanäle abhanden kommen? Eine pragmatische Lösung hat der Hutmacher Wegener gefunden.





• Das Unternehmen, dem Hans Theodor Wegener in sechster Generation vorsteht, ist ein Überlebenskünstler: Es ist eines der letzten, das hierzulande noch Kopfbedeckungen im industriellen Maßstab herstellt. So stammen etwa die Zylinder, mit denen sich Gentlemen beim Pferderennen im englischen Ascot zeigen, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Lauterbach bei Fulda. Der Markenname R&M Wegener steht in den Mützen deutscher Polizisten und Schweizer Bahnbeamter sowie in den Hüten orthodoxer Juden. Auch das Ekel JR Ewing aus der Serie „Dallas“ trug Wegener, und seit 1964 stattet man immer wieder deutsche Olympioniken aus.

Das Gros der Ware wird mittlerweile zwar in Polen und China produziert, aber feine Stücke wie Chapeaux Claques (Faltzylinder) und kleine Serien fertigt nach wie vor der Betrieb am Vogelsberg. Dort hat sich die Firma dank des weisen Entschlusses der Vorfahren von Hans Theodor Wegener vor mehr als 100 Jahren angesiedelt und wird seitdem von einem eigenen Wasserkraftwerk mit Energie im Überfluss versorgt.

Über sich selbst sagt der 65-jährige Unternehmer: „Ich bin in der Branche bekannt wie ein bunter Hund – nur ist die Branche zu klein.“ Die Zahl der Fachhändler sinkt immer weiter, „und in Modegeschäfte kommen wir mit unserer Marke nur schwer hinein“. Daher entstand bei ihm die Idee, mit denen ins Geschäft zu kommen, die schon in den Boutiquen drin sind. Der Erste aus der Textilbranche, den er überzeugen konnte, ihm eine Lizenz zu geben, war 2007 Bugatti mit Sitz in Herford. Und weil das Geschäft gut läuft – „wir verkaufen mittlerweile 150 000 Teile dieser Marke pro Jahr“ –, folgten weitere. Heute produziert Wegener auch Kopfbedeckungen für Bruno Banani, Baldessarini und das dänische Label NC56. Die Modemarken kommen so ohne Aufwand an Accessoires von einem kompetenten Hersteller und Wegener an Aufträge.

Seine eigene Marke – die noch etwa 30 Prozent vom Umsatz ausmacht – vertreibt er hauptsächlich über den europäischen Fachhandel und pflegt sie liebevoll. So gibt es samstags und sonntags auf Anfrage Führungen durch die Hutfabrik, die der Senior häufig persönlich durchführt. Er doziert gern über die Vorteile von Hüten und Mützen („80 Prozent der Körperwärme entweichen über den Kopf“), die Nachteile eines niedrigen Benzinpreises („mit Autofahrern ist kein Geschäft zu machen“) und die richtige Platzierung von Kopfbedeckungen für Herren in Kaufhäusern („dicht beim Eingang, sonst vergessen die, warum sie überhaupt reingegangen sind“). Wegener vergisst nie, seine Besucher zum Abschluss in den Firmenshop zu führen, denn Kleinvieh macht auch Mist.

Optimistisch stimmt den Unternehmer, dass Kappen aller Art gerade bei jungen Leuten in sind. Er selbst trägt einen Westernhut im Stil von Crocodile Dundee. Sein Haus sieht der Patriarch für seinen Nachfolger gut bestellt. Sowohl sein Sohn Klaus als auch seine Tochter Theresa hätten Interesse, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. ---

Nicolaus Hinrich Dubbers gründet 1817 in Altona bei Hamburg eine Hutfabrik und exportiert die Ware vor allem nach Skandinavien und Südamerika. Sein Schwiegersohn Theodor Ferdinand Wegener wird 1867 Teilhaber. 1883 zieht die Firma nach Lauterbach, weil die Löhne dort niedriger sind und Energie dank eines eigenen Wasserkraftwerks gratis ist. Das 1888 in Haarhutfabrik R&M Wegener umbenannte Unternehmen versorgt die Belegschaft mit Wohnungen, einer Badeanstalt, einem Kindergarten und einer Sparkasse. Zur Jahrhundertwende verabschiedet man sich vom Exportgeschäft, das sich wegen hoher Schutzzölle nicht mehr lohnt, und konzentriert sich auf den deutschen Markt. In den Zwanzigerjahren beschäftigt die Firma 250 Mitarbeiter. Hans Theodor Wegener übernimmt 1978 die Führung. Er weitet das Sortiment und den Export wieder aus, verlagert große Teile der Produktion ins Ausland – und setzt auf das Beifahrer-Prinzip, um seine Ware unter anderem Markennamen an die Frau und den Mann zu bringen.

R&M Wegener GmbH & Co. KG
Mitarbeiter: 64
Umsatz 2014: rund 10 Mio. Euro
verkaufte Kopfbedeckungen: 1,5 Mio.