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Continental Resources Inc. Geschäftsbericht

Die Erschließung neuer Ölreserven durch Fracking schien die USA unabhängig von den Lieferanten aus dem Nahen Osten zu machen. Doch die Zahlen von Continental Resources, einem der großen US-Fracking-Unternehmen, zeigen: Der fallende Ölpreis treibt die Branche in die Pleite – während die arabische Konkurrenz weiter floriert.





Continental Resources, einer der Pioniere beim Aufbrechen von eigentlich undurchlässigen und damit für die Öl- und Gasförderung ungeeigneten Gesteinsschichten mittels innovativer Bohrtechnologien („Fracking“), hat erfolgreiche Jahrzehnte hinter sich. Continental erschloss als eine der ersten Firmen die Ölvorkommen in North Dakota und Montana und ist dort mit einer Förderung von 120 000 Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) pro Tag größer als alle Konkurrenten. Im Herbst 2014 noch bescherte ihr das stetige Ausweiten der Fördermengen eine Umsatzsteigerung um 34 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar für die ersten drei Quartale und einen Nettogewinn von 863 Millionen Dollar. Das entspricht einer Umsatzrendite von knapp 25 Prozent, was selbst im lukrativen Ölgeschäft nicht schlecht ist.

Die zunehmende Öl- und Gasproduktion von Fracking-Firmen wie Continental drückten die Energiepreise in den USA und beflügelten die heimische Wirtschaft, da sie die Kosten für die Unternehmen verringerten. Selbst europäische Firmen begannen Teile ihrer Produktion nach Nordamerika zu verlagern. Angespornt von der positiven Entwicklung, fuhr Continental Resources seine Investitionen in die Exploration von Öl- und Gasvorkommen von gut einer Milliarde Dollar im Jahr 2010 auf 3,2 Milliarden Dollar in den ersten drei Quartalen 2014 hoch – mehr als die Firma aus eigener Kraft finanzieren konnte. Der für Investitionen zur Verfügung stehende Cashflow aus dem operativen Geschäft – im Jahr 2014 waren es knapp 2,3 Milliarden Dollar – reichte nicht aus. Die Folge: Über die Jahre verschuldete sich Continental immer mehr, hatte zuletzt 5,8 Milliarden Dollar an langfristigen Verbindlichkeiten in der Bilanz stehen.

Die Schulden waren kein Problem, solange der Ölpreis hoch war und Continental gut verdiente. Noch im Juni 2014 lag der Preis bei 115 Dollar je Barrel. Doch dann begann eine rasante Talfahrt auf aktuell gut 49 Dollar (Stand 19.1.2015) – und nun wird es eng für die Amerikaner: Ihre Zinskosten betragen rund 4,40 pro Barrel. Hinzu kommen Produktions- und Explorationskosten von rund 6,50 Dollar, Verwaltungsausgaben von circa 2,60 Dollar und Produktionssteuern von rund 5,70 Dollar, alles pro Barrel. Zählt man noch die Abschreibungen auf die Förderanlagen hinzu, die auch in der Gewinn- und Verlustrechnung zu Buche schlagen und bei knapp 22 Dollar pro Barrel liegen, kommt man auf gut 41 Dollar, die Continental mindestens erlösen muss, um die eigenen Kosten zu decken. Diese Rechnung gilt in ähnlicher Form für die gesamte Fracking-Branche. Sinkt der Ölpreis weiter und bleibt dauerhaft niedrig, ist die Existenz der Industrie bedroht.

Continental Resources hat die Entwicklung kalt erwischt. Gründer und Vorstandschef Howard Hamm war so überzeugt davon, dass der Ölpreis sich bei 80 bis 85 Dollar stabilisieren würde, dass er im Oktober 2014 sämtliche Absicherungsgeschäfte mit derivativen Finanzinstrumenten auflöste. Das brachte ihm Einnahmen von 474 Millionen Dollar – dafür ist sein Unternehmen nun den drohenden Verlusten schutzlos ausgeliefert. Er hatte fälschlicherweise darauf gesetzt, dass der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien auf der Konferenz der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) im November eine Produktionskürzung bekanntgeben würde, um den Preisverfall zu stoppen.

Doch das geschah nicht, was kein Wunder ist. Das Öl in Saudi-Arabien ist leicht zugänglich, teures Fracking nicht nötig. Die Produktionskosten liegen laut Industrieexperten bei schätzungsweise 10 bis 20 Dollar pro Barrel. Insofern verdienen die Produzenten aus dem Nahen Osten auch dann noch Geld, wenn die US-Konkurrenz längst rote Zahlen schreibt und sitzen zudem auf hohen Fremdwährungsreserven – sie können in Ruhe abwarten, bis die Amerikaner in die Knie gehen. Continental Resources hat Ende 2014 eingelenkt. Der Anstieg der Fördermenge (2014: 28,5 Prozent) wurde für 2015 auf 16 bis 20 Prozent begrenzt, die geplanten Investitionen (Capex) um gut 40 Prozent gekürzt, die Zahl der aktiven Bohrlöcher von 50 auf 31 reduziert. Und Howard Hamm – wie auch der Rest der Welt – ist um eine Illusion ärmer. ---

Continental Resources wurde 1967 von Howard Hamm in Oklahoma gegründet und konzentriert sich auf die Suche nach Öl und Gas in den USA, wo das Unternehmen dank des frühen Einsatzes innovativer Bohrtechniken auch fündig wurde. 1971 stieß es auf Öl, 2004 setzte es erstmals Fracking kommerziell erfolgreich ein. Im Jahr 2007 folgte der Börsengang, wobei Hamm nach wie vor Mehrheitsaktionär ist. Ihm gehören heute die meisten Öl-Reserven in den USA. Continental ist einer der zehn größten unabhängigen US-Öl- und Gaskonzerne und beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter.