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Cer (Ce)

Was im Periodensysteman Wirtschaft steckt





Die besondere Eigenschaft

Das silberweiß glänzende Metall ist der am häufigsten in der Erdkruste vorkommende Vertreter der Seltenen Erden – die in Wahrheit weniger selten sind, als es ihr Name vermuten lässt. Die Vorkommen von Cer etwa übertreffen sogar die von Zinn oder Blei. Aufsehen erregt das weiche und äußert reaktionsfreudige Element, wenn es bereits bei 150 Grad Celsius eindrucksvoll glühend verbrennt.

Wer braucht es?

Achterbahnbetreiber, um Funkenregen zu erzeugen. Außerdem steckt es in den Zündsteinen von Feuerzeugen. In UV-Filtern in Windschutzscheiben und Metalllegierungen findet man es ebenso. In der Emaille-Produktion sorgt Cer für die typische Färbung, in der Beschichtung selbstreinigender Backöfen für weniger Arbeit beim Putzen. Zum Leuchten bringt man es in Bildröhren und Energiesparlampen. Zur Speicherung großer Mengen Energie dienen Zink-Cer-Batterien. In Kraftstoffen fördert es die Regeneration von Rußpartikelfiltern, in Katalysatoren speichert es Sauerstoff. Für hochpräzise optische Gläser ist es ein Poliermittel, in der Medizin ein Kontrastmittel für die Kernspinresonanz-Diagnostik – und auf den Zahn fühlen lässt sich damit auch: Cer ist eine Zutat in den Aufbrennlegierungen für Zahnersatz aus Keramik.

Wer verkauft es?

Marktführer sind die zur Baogang Group gehörenden Inner Mongolia Baotou Hefa Rare Earth Co. und Baotou Steel Rare Earth Hi-Tech Co. aus China. Auf den Weltmarkt drängt auch der australische Konzern Lynas.

Wo findet man es?

Die bedeutendsten Lagerstätten liegen in der Inneren Mongolei, wo die Baogang Group Konzessionen besitzt. Lynas fördert in Australien und Malaysia. Weitere Vorkommen existieren in Skandinavien, Russland, im Baltikum, in Südafrika, Kalifornien, Kanada und im Kongo. Die wohl größte Lagerstätte Mitteleuropas befindet sich im sächsischen Storkwitz bei Delitzsch.

Der Weltmarkt …

… verzeichnet ein Überangebot. Fast 85 Prozent des globalen Angebots stammen aus China. Das Land gilt auch als wichtigster Abnehmer, danach folgen die USA, Japan und Europa. Im Jahr 2012 lag die globale Förderung von Cer bei circa 42 000 Tonnen – knapp 40 Prozent der Gesamtproduktion aller Seltenen Erden. Der Plan der Deutschen Rohstoff AG, einige Tonnen aus Deutschland beizusteuern, scheiterte vorerst: 2014 löste man die eigens gegründete Seltenerden Storkwitz AG auf, über die bereits mehr als zwei Millionen Euro in die Erschließung der dortigen Vorkommen investiert wurden. Aufgrund eines Preisverfalls wäre der Abbau dieser Lagerstätte mit einem vergleichsweise geringen Cer-Gehalt derzeit unwirtschaftlich.

Der Preis

Ein Kilo Cer kostet knapp sieben Dollar. Das Metall der Seltenen Erden mit dem höchsten Kilopreis ist Terbium, das für 1000 Dollar gehandelt wird. Im Jahr 2011 lag der Cer-Preis noch bei 175 Dollar pro Kilogramm. Inzwischen hat China Exportzölle und Marktrestriktionen abgeschafft. Zudem wird Cer häufig durch andere Stoffe substituiert, und das Angebot durch neue Förderstätten außerhalb Chinas ist groß.

Wie geht es weiter?

China dürfte bis 2020 mehr als 70 Prozent der Gesamtproduktion aller Seltenen Erden nachfragen. Analysten erwarten, dass China dann selbst zum Netto-Importeur von Cer werden wird – und das als auch weiterhin weltweit wichtigster Förderer. Grönland prüft derweil den Abbau seiner riesigen Vorkommen, während sich internationale Abnehmer bereits von der Abhängigkeit chinesischer Exporte lösen: Die japanische Toyota Tsusho vereinbarte jüngst mit der indischen India Rare Earth Ltd. die gemeinsame Aufbereitung von Cer und anderer Seltener Erden. Eine völlig neue Bedeutung könnte Cer erlangen, wenn gelingt, was Forscher aus der Schweiz und Kalifornien seit 2011 im Labor erproben: Ein Solarreaktor verwandelt Wasser und Kohlendioxid mithilfe eines Ceroxid-Katalysators in Synthesegas, die Vorstufe von Benzin. ---

Legende
58: Ordnungszahl im Periodensystem
Ce: Feste Elemente
140,12: Relative Atommasse