Was wurde aus…?

Vor zwei Jahren stellte brand eins verschiedene Handelsideen vor. Eine Art Bilanz.





Frontline

Geschäftsidee: Onlinehandel für Markenkleidung

Was daraus wurde
„Wir können und wollen uns nicht mit Zalando oder Amazon messen. Diese Erkenntnis kam für meinen Geschmack etwas zu spät, aber sie kam“, sagt Jens Lafrenz, seit August 2014 Geschäftsführer von Frontline. Der Hamburger Onlinehändler für Markenkleidung, der 1986 als Versandhändler für Schallplatten gestartet war, hatte sich lange an den Konditionen der großen Player orientiert – kostenloser Versand und Rückgaberecht, schnelle Rückerstattung – übersah aber die hohen Kosten. Um sich stärker von der Konkurrenz abzugrenzen, wurde 2013 das Sortiment auf unbekanntere Marken umgestellt. Danach ging der Umsatz um mehr als 20 Prozent zurück. Frontline ist seit Jahren defizitär. Allein zwischen 2010 bis 2013 machte das Unternehmen mit mehr als 80 Mitarbeitern 15 Millionen Euro Verlust. Für dieses Jahr erhofft sich Lafrenz die Wende.

Füllhorn

Geschäftsidee: Supermarkt-Kette für Bioprodukte

Was daraus wurde
„Die Biobranche hat einen guten Lauf, also geht es auch uns gut“, sagt Wolfgang Mayer, Geschäftsführer von Füllhorn. Der Unternehmer war nach Gründung seines ersten kleinen Bioladens 1982 in Weingarten bei Karlsruhe bald zu einem Großen der Branche mit Anteilen an elf Bioläden und -supermärkten in Baden-Württemberg aufgestiegen. 2012 trennte er sich von sieben Filialen, weil er erkannte, dass die Biobranche sich stärker an den Gesetzen der konventionellen Supermärkte orientierte, die er ablehnte.

2014 hat Füllhorn doch wieder einen Biomarkt in der Nähe von Karlsruhe eröffnet. Mayer peilt mit seinen nun fünf Läden einen Jahresumsatz zwischen 16 und 17 Millionen Euro an. E-Commerce ist für ihn kein Thema. „So verlockend ist das Geschäft nicht.“ Mehr Energie verwendet der 61-Jährige auf die Suche nach einem Nachfolger. „Es wird wichtig, den optimalen Zeitpunkt für den Verkauf von Füllhorn zu finden.“

Mister Spex

Geschäftsidee: Brillen im Netz verkaufen

Was daraus wurde
Vor zwei Jahren war sich Dirk Graber, Geschäftsführer von Mister Spex, sicher: „Wir werden 2014 eine deutlich schwarze Zahl schreiben.“ Kürzlich meldete der Onlinehändler erstmals einen Gewinn, verriet aber nicht die Höhe. Auf Nachfrage allerdings räumt das Unternehmen ein, vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen eher eine schwarze Null erwirtschaftet zu haben. Seit 2012 ist der Umsatz von Mister Spex von 26 auf 65 Millionen Euro gestiegen.

Das Berliner Unternehmen will schnell wachsen und braucht dafür Geld. In den vergangenen zwei Jahren verkaufte der Brillenhändler deshalb rund 40 Prozent seiner Anteile für 48 Millionen Euro an Investorengruppen. Mister Spex hat inzwischen die schwedischen Onlineshops Lensstore und Loveyewear übernommen, die Brillen und Kontaktlinsen verkaufen, sowie den norwegischen Kontaktlinsenhändler Lensit. Damit sei man „bereits die Nummer zwei im skandinavischen Markt“, sagt Graber. Warum expandiert Graber ausgerechnet nach Skandinavien? „Weil es dort sehr viele Kontaktlinsenträger gibt.“

Lädchen für alles

Geschäftsidee: Mit modernen Tante-Emma-Läden Dörfer wiederbeleben

Was daraus wurde
Knut John ist zufrieden, „auch wenn wir die angepeilte schwarze Null noch nicht schreiben“. Der Projektleiter des „Lädchens für alles“, das zur Handelsfirma Tegut gehört, will in der Provinz punkten und neue Treffpunkte in verödeten Orten schaffen.

Heute gibt es 25 Dorfläden. 14 von ihnen werden von Sozial-Unternehmern betrieben, die Menschen mit Behinderung beschäftigen. Dieses Jahr sollen vier weitere Filialen dazukommen. Gemeinsam erwirtschafteten die Lädchen 2014 einen Umsatz von rund 13,6 Millionen Euro. Damit fehlen rund fünf Millionen Euro, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Zwar steht Profit bei der Tante-Emma-Kette nicht an erster Stelle, doch selbstlos ist das Projekt auch nicht: Tegut kann über seine Lädchen eine hübsche Geschichte erzählen, die seinem Image zuträglich ist.

Ocado

Geschäftsidee: Lebensmittel online verkaufen und anliefern

Was daraus wurde
Mit Wurst, Käse und Butter kann man online Geld verdienen. Zumindest in England. Das ist eine echte Nachricht, denn Lebensmittel gelten allgemein als ungeeignet für den Onlinehandel: Frische Produkte müssen auf dem Weg zum Kunden aufwendig gekühlt werden, die Anlieferung ist teuer und personalintensiv, die Margen sind niedrig, die Kunden durch Discount-Preise verwöhnt und kaum bereit, viel für Lebensmittel auszugeben. Der britische Lebensmittel-Onlinehändler Ocado hat sich davon nicht abschrecken lassen, investierte kräftig in Logistikzentren und Lieferflotten. Im vergangenen Jahr machte Ocado zum ersten Mal in der 15-jährigen Firmengeschichte Gewinn und ist seitdem das Vorzeigebeispiel. Der Online-Lebensmitteleinzelhandel hat dasselbe Problem wie der traditionelle: niedrige Margen. Ocado konnte aus einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro einen Gewinn von 10,15 Millionen Euro vor Steuern erlösen: eine Umsatzrendite von nur 0,8 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren stieg die Zahl der Ocado-Kunden von 385 000 auf 453 000. Sie geben im Durchschnitt 160 Euro pro Bestellung aus.

Putzkult

Geschäftsidee: Reinigungsmittel im Netz verkaufen

Was daraus wurde
„Der Shop läuft nicht so, wie wir es uns gedacht haben“, sagt Bernd Kohnle, Geschäftsführer des Onlinehändlers für Reinigungsmittel aus Kirchheim unter Teck in der Nähe von Stuttgart. „Der eigene Kundenstamm wächst zu wenig, und es fehlt an Traffic.“ Putzkult ging im November 2011 an den Start. Rund 10 000 Bestellungen sind seitdem eingegangen, das sind weniger als zehn am Tag. Vor zwei Jahren sah es besser aus: Damals waren es rund dreimal so viele Bestellungen täglich. Zuletzt seien die Orderzahlen zwar stabil gewesen, doch der Start ins Jahr 2015 sei noch nicht geglückt, sagt Kohnle. Künftig wolle er daher die Produkte anders präsentieren: Unter Menüpunkten wie etwa „Musikinstrumente“, „Camping“ oder „Terrasse“ werden die speziell dafür geeigneten Reinigungsmittel angeboten. Für mehr Zugriffe sollen Google-AdWords und Werbebanner in speziellen Foren sorgen, damit der Shop doch noch irgendwann Gewinn abwirft. „Manche Dinge brauchen eben Zeit“, sagt Kohnle, „und trotz einiger Ernüchterung ist die Motivation immer noch voll da.“

Kochhaus

Geschäftsidee: Portionierte Zutaten für ausgewählte Rezepte verkaufen

Was daraus wurde
Die Erwartungen von Ramin Goo wurden übertroffen. „Wir wachsen schneller, als es unser Businessplan vorsieht“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Unternehmens. Seit Gründung des ersten Kochhauses in Berlin 2010 ist die Zahl der Ableger auf zwölf gestiegen, dieses Jahr sollen vier bis sechs weitere hinzukommen. Dennoch sind die Shops keine Selbstläufer, zwei Filialen in Hamburg wurden wegen zu geringer Umsätze geschlossen. Inzwischen kann man die Zutaten auch online bestellen und anliefern lassen. Zudem können Kunden ein Abonnement abschließen. Die Zusatzangebote tragen rund zehn Prozent zum Umsatz von 8,3 Millionen Euro bei. Kochhaus plant den Schritt ins Ausland, die Märkte in Österreich, der Schweiz, Großbritannien und Skandinavien werden bereits beobachtet. ---