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Tesla Geschäftsbericht

Der US-Elektroautobauer Tesla verfehlt immer wieder seine Absatz- und Umsatzziele. Na und?





Es ist nicht schwer, Enttäuschungen zu produzieren. Man muss die Ansprüche nur hoch genug schrauben. Tesla-Gründer Elon Musk ist gut darin. Ihm gelang es, obgleich ein Newcomer im Autobau, das bislang einzige Elektromobil der Luxusklasse in Serie zu schicken – und trotz des stolzen Preises von um die 100 000 Dollar pro Stück so viele Käufer zu finden, dass es mehrmonatige Wartezeiten gibt. Im vierten Quartal vorigen Jahres lieferte sein Unternehmen weltweit 9834 Wagen aus, ein schöner Erfolg – allerdings waren es 1345 weniger als geplant. Als diese Zahl Mitte Februar bekannt wurde, fiel der Aktienkurs innerhalb eines Tages um fast zehn Prozent. Dabei hatte Tesla parallel die Ergebnisse für das Gesamtjahr veröffentlicht: ein Plus beim Umsatz von 59 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar – und das mit Oberklassenmodellen, ein Markt, der weltweit gerade mal um die zehn Prozent gewachsen war.

Noch besser als der Umsatz entwickelte sich das Ergebnis nach Herstellungskosten (Gross profit, zu Deutsch Bruttoergebnis): Es verdoppelte sich fast von 456 auf 881 Millionen Dollar. Bezogen auf den Umsatz, entspricht das einer Marge von 27,6 Prozent – und zeigt, dass die Amerikaner nicht nur gut verkaufen, sondern auch effizient produzieren. Konkurrenten wie BMW oder Daimler weisen die Kennzahl für ihre Top-Modelle, die mit Tesla konkurrieren, zwar nicht getrennt aus, doch Branchenexperten vermuten, dass sich die Bruttomarge der Riesen, die Millionen Autos jährlich produzieren, in der gleichen Größenordnung bewegt wie die des Zwergs aus Kalifornien.

Zwar hat das Unternehmen trotzdem einen hohen Nettoverlust gemacht, doch dafür gibt es gute Gründe. Den Bau der sogenannten Gigafactory im US-Staat Nevada für rund fünf Milliarden Dollar etwa. Sie soll dazu beitragen, die Produktionskosten für die Batterien zu senken. Die liegen derzeit laut Analystenschätzungen bei mehr als 300 Dollar pro Kilowattstunde (kWh). Das neueste Modell, der Tesla S mit einer Reichweite von rund 400 Kilometern, ist mit Batterien ausgestattet, die 60 oder 85 kWh stark sind, mithin in der Herstellung mindestens 18 000 Dollar (300 mal 60) verschlingen. Zum Vergleich: Ein Verbrennungsmotor liegt in der Oberklasse zwischen 5000 und 7000 Dollar.

Konzerne wie BMW oder Daimler können derartige Milliarden-Investitionen mit dem Zufluss von Barmitteln aus ihrem operativen Geschäft bestreiten. Tesla nicht. Der operative Cashflow der Firma ist negativ. Also verschuldeten sich die Amerikaner, gaben 2014 Anleihen für mehr als zwei Milliarden Dollar aus – und müssen nun jährlich Zinsen in Höhe von 100 Millionen Dollar zahlen. Hinzu kamen im vergangenen Jahr Ausgaben für Läden und Servicecenter und vor allem für die Supercharger, ein Netz aus knapp 400 Aufladestationen, 30 davon in Deutschland. Ihre Zahl stieg weltweit um 400 Prozent.

Die Folge all dieser Initiativen: eine Vervierfachung des Verlustes auf 294 Millionen Dollar – aber auch steigende Umsätze. Zwar kommt das Geschäft in China seit Jahren nicht voran. Auch 2014 bezweifelten die Asiaten, so Musks Analyse, noch immer die ausreichende Verfügbarkeit von Ladestationen, die er nun jedem Käufer vor die Tür stellen will. In den USA indes und in Nordeuropa, vor allem in Dänemark, Norwegen und in den Niederlanden, verkaufte Tesla – teilweise unterstützt durch steuerliche Anreize – mehr Autos als Daimler, BMW oder Audi in der Oberklasse. Auch hierzulande lief es nicht schlecht, im Dezember wurden mit 165 Fahrzeugen erstmals mehr Teslas als 7er BMWs oder Porsches Panamera zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 7,5 Prozent. Übers Jahr waren es knapp 1000 Fahrzeuge, man könnte stolz sein – wären da nicht die selbst formulierten hohen Erwartungen. Auch Elon Musk hatte für den deutschen Markt einen Absatz von 1000 Autos anvisiert. Pro Monat allerdings. ---

Tesla wurde 2003 von Ingenieuren unter der Führung des heutigen Vorstandschefs Elon Musk im Silicon Valley gegründet. Das Ziel: Elektroautos zu bauen, die nicht nur genauso gut, sondern besser sein sollen als die benzingetriebene Konkurrenz – und die den Massenmarkt erobern. Bislang wurden rund 50 000 Teslas verkauft, Luxusmodelle allesamt. Für 2017 visiert Musk den ersten Mittelklasse-Wagen zum Preis von um die 35 000 Dollar an. Damit hofft er den Absatz bis 2020 auf 500 000 Stück pro Jahr zu steigern. Tesla produziert in den USA und den Niederlanden und beschäftigt gut 10 000 Mitarbeiter.