Die Ökonomie der Elemente

Niob (Nb)

Was im Periodensystem an Wirtschaft steckt:





Die besondere Eigenschaft

Die Sprungtemperatur: Niob ist bis minus 263,9 Grad Celsius supraleitend, es verliert also seinen elektrischen Widerstand. Bei den meisten Stoffen geschieht das erst bei sehr viel tieferen Temperaturen. Zudem kann Niob sehr gut Gase aufnehmen, ein Gramm bindet bei Raumtemperatur 100 Kubikzentimeter Wasserstoff.

Wer braucht es?

Besonders wichtig ist Niob für hitzebeständige Superlegierungen in Gasturbinen, Raketenteilen oder Öfen sowie als Festmacher in der Metallindustrie: Bereits ein Niob-Anteil von 0,01 Prozent erhöht die Festigkeit von Stahl. Das hilft beim Bau von Pipelines, Flugzeugturbinen oder leichteren Autos. Mit Niob bedampfte Halogenlampen leuchten derweil heller und verbrauchen weniger Energie. In der Biodiesel-Synthese dient Niob als Katalysator. Die Münze Österreich AG presst 25-Euro-Gedenkmünzen mit einem Niob-Kern, weil der sich farblich variieren lässt. Das schöne Blau schätzt auch die Piercing-Industrie für Stech-Schmuck aller Art.

Wer verkauft es?

Weltmarktführer ist die Companhia Brasileira de Metalurgia e Mineracao (CBMM). Platz zwei belegt die ebenfalls brasilianische Companhia Mineracao Catalao de Goias S. A.

Wo findet man es?

In Brasilien befinden sich 90 Prozent der globalen Vorkommen. Man schätzt, dass die derzeit größte erschlossene Lagerstätte in Araxa im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais 460 Millionen Tonnen Niob birgt, damit ließe sich der Weltbedarf der kommenden 500 Jahre decken. Weitere Minen werden im Kongo (2,7 Prozent der Weltreserve) in Kanada (0,7 Prozent), Nigeria (0,5 Prozent) und auf der Kola-Halbinsel in Russland (6 Prozent) betrieben.

Der Weltmarkt:

… ist noch jung. 1965 ließ sich Walther Moreira Salles – Bankier und einst brasilianischer Botschafter in den USA – von einem amerikanischen Marine-Admiral überzeugen, in ein Unternehmen zu investieren, das „Niobium“ produzierte, einen Stoff, durch den Studien zufolge Stahl fester und flexibler würde.

Heute ist jede zehnte Tonne Stahl mit Niob veredelt, die weltweiten Umsätze liegen bei mehr als drei Milliarden US-Dollar. Der Salles-Clan kontrolliert über das Unternehmen CBMM 85 Prozent der weltweiten Produktion und gilt heute als reichste Familie Brasiliens. Der Wert von CBMM wird auf 13 Milliarden Dollar geschätzt, der Umsatz lag 2012 nach Recherchen von Bloomberg bei 1,9 Milliarden Dollar.

Gut 90 Prozent aller brasilianischen Niob-Exporte landen in nur sieben Ländern. Die größten Verbraucher sind die USA (23 Prozent), Japan (20 Prozent) und Deutschland (14 Prozent).

Der Preis:

Zwischen 1990 und 2006 lag der Preis für ein Kilo Ferroniobium, dem mit Abstand am meisten gehandelten Niob-Produkt, bei rund 14 Dollar. Seine Höhe bestimmt fast ausschließlich CBMM, der Stoff wird nicht an Börsen gehandelt. 2008 erhöhte der Produzent den Preis auf mehr als 30 Dollar, obwohl die Nachfrage infolge der Finanzkrise fiel. Seit 2011 verharrt er bei etwas mehr als 40 Dollar pro Kilo.

Wie geht es weiter?

Das britische Analystenhaus Roskill rechnet bis 2017 mit moderat steigenden Preisen, getrieben durch einen Anstieg der Stahlproduktion infolge des globalen Wirtschaftswachstums. Der rasant wachsende Luft- und Raumfahrtmarkt treibt die Nachfrage nach Superlegierungen. Auch der Pipeline-Bau gilt als Wachstumsmarkt. Große Unternehmen wie CBMM bauen daher die Förderkapazitäten aus.

Zwei Jahrzehnte verhandelten die Brasilianer, um China als Markt zu gewinnen. Heute liefert CBMM ein Viertel seiner Produktion dorthin. Wichtigster Abnehmer ist nach wie vor Europa, vor Amerika und Asien. Wachstumsmärkte wie China, Russland oder Indien setzen im Vergleich zu den westlichen Industriestaaten noch sehr wenig Niobium ein – es werden dort steigende Absätze erwartet. ---

Legende

41: Ordnungszahl im Periodensystem
Nb: Elementsymbol, fest (schwarz)
92,91: Relative Atommasse