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Ytong

Bei guter Pflege bleibt selbst Beton frisch. Das zeigt die Geschichte von Ytong.





• Vor der Zentrale der Firma Xella in Duisburg erinnert eine Stele mit einem Porträt von Axel Eriksson prominent an den Mann, dem die Firma sehr viel verdankt. Der schwedische Architekt und Forscher erfand vor mehr als 90 Jahren einen Stoff, der das Bauen revolutionierte. Daraus wurde die Marke Ytong, deren Eigentümerin Xella heute das Geschäft mit sogenanntem Porenbeton dominiert. Und zwar so deutlich, dass das Kartellamt vor drei Jahren den weiteren Expansionsdrang der Duisburger bremste und ihnen die Übernahme des dänischen Konkurrenten H+H International A / S verbot.

Markus Blum, der Geschäftsführer von Xella Deutschland, redet über diesen Dämpfer eher ungern, umso lieber über das Produkt, das in den 98 Werken des Unternehmens hergestellt wird. „Sie können sich den Prozess vorstellen wie Kuchenbacken“, sagt der 46-Jährige. Man nehme: Quarzsand, Kalk, Zement, Wasser und etwas Aluminiumpulver. Letzteres dient – ähnlich wie Backpulver – als Treibmittel und sorgt dafür, dass sich kleinste Lufteinschlüsse in der Masse bilden. Diese wird in die gewünschte Form gebracht und bei 190 Grad Celsius und etwa zwölf Bar Druck gebacken beziehungsweise dampfgehärtet. Fertig ist der Stein. Je mehr Poren er enthält, desto besser dämmt er. Ihn immer luftiger zu machen, daran arbeiten sie bei Xella.

Blum berichtet stolz von seinem 45-köpfigen Forscherteam, das „sich mit nichts anderem beschäftigt als Baustoffeigenschaften weiter zu verbessern“. Den Herstellungsprozess des hoch wärmedämmenden Ytong-Planblocks PP 2 hat man sich patentieren lassen, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten. Außerdem umgarnt Xella seine Kernzielgruppe – Architekten, Statiker, Poliere und andere Baufachleute – mit allerhand Services rund um die Marke, die Blum als „großes Pfund“ bezeichnet. So gibt es eine eigene Akademie, in der Profis lernen können, was man mit den Steinen alles anstellen kann. Und für handwerklich geschickte Bauherren, die ihre Immobilie selbst mauern wollen, das „Ytong-Bausatzhaus“ in Dutzenden Varianten. Der Porenbeton passt gut in den allgemeinen Energiespar-Trend und ist zudem ökologisch korrekt, weil er aus unbedenklichen Naturstoffen besteht.

Blum und seine Kollegen möchten die Marke gern weiter aufladen. So haben sie – nach dem Vorbild des Baumaschinenherstellers Caterpillar, der mittlerweile auch mit Mode erfolgreich ist – eine Ytong-Arbeitskleidungskollektion und entsprechendes Werkzeug im Sortiment. So erfolgreich wie die Amerikaner sei man damit noch nicht, sagt Cemile Özügül, 35, die Leiterin des Marketings, aber „auf einem guten Weg“.

Gern hätten sie bei Xella den unverwechselbaren Namen Ytong auch auf eine weitere Produktkategorie übertragen: Dämmplatten, die ebenfalls aus Sand, Kalk und Zement bestehen. Doch bei der Kundschaft bissen sie damit auf Granit: Ytong steht eben für Steine. Deshalb trägt der Dämmstoff nun den deutlich weniger flotten Namen Multipor. ---

Weil in Schweden als Folge des Ersten Weltkriegs Energieknappheit herrscht, verschärft der Staat die Standards zur Wärmedämmung. Axel Eriksson nimmt die Herausforderung an und tüftelt fünf Jahre, bis es ihm 1923 gelingt, aus Kalk, Aluminium und Schiefer unter hohem Druck neuartigen Beton herzustellen. Dank Millionen von Poren dämmt das Material gut, ist zudem leicht und einfach zu verarbeiten. Eine Alternative zu Holz. Ab 1929 stellt ein Unternehmer die Steine in dem Dorf Yxhult her und vermarktet sie unter dem sperrigen Namen: Yxhults Anghärdade Gasbetong. Später macht er daraus kurz Ytong – und 1940 die erste eingetragene Baustoffmarke überhaupt. In Deutschland wird sie auch dank des Wirtschaftsministers Ludwig Erhard bekannt: Er fordert die Industrie 1952 auf, den „anerkannt guten und modernen Baustoff“ zu verwenden. 2001 übernimmt der Kalksandsteinhersteller Xella, damals noch unter dem Namen Haniel, Ytong. Der Kon-zern verkauft die Firma 2008 an zwei Beteiligungsgesellschaften.

Xella Group

Mitarbeiter: 7227
Umsatz 2013: 1,25 Milliarden Euro
Gewinn (Ebita): 196 Millionen Euro