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Sennheiser Connect

Dank neuer Technik bekommen auch Schwerhörige im Kino alles mit. Die Geschichte einer vielseitigen Neuerung.





• Die Idee entstand bei einem Abendessen vor sechs Jahren anlässlich einer Musikmesse in Frankfurt am Main. Damals plauderte Andy Niemann, Leiter des Geschäftsbereiches Business Communication der Sennheiser Electronic GmbH, mit Jörn Erkau, Geschäftsführer einer Firma für Besucherinformationssysteme. Ihr Thema waren Audioguides, für deren Ausgabe und Wartung eigens Personal geschult werden musste. Als Erkau nach dem Hauptgang sein neues Smartphone inklusive Apps vorführte, kam der Geistesblitz: Warum nicht einfach das Handy des Besuchers mit einem Kopfhörer zur Audioübertragung nutzen?

Die beiden arbeiteten die Idee aus und stellten sie bei Sennheiser im niedersächsischen Wedemark vor, wo man das Potenzial erkannte. Denn die Technik könnte nicht nur Museums- und Konferenzbesuchern nützen, sondern auch Schwerhörigen den Theater- oder Kinobesuch ermöglichen. Um das Projekt voranzubringen, wurde eigens eine eigene Firma namens Sennheiser Streaming Technologies mit Sitz in Hamburg und Jörn Erkau als Geschäftsführer gegründet.

Es galt, eine harte Nuss zu knacken. Denn für den Einsatz bei Live-Events muss der Ton ohne große Verzögerung übertragen werden. Bislang werden Daten – etwa bei Streaming-Diensten wie Spotify – mit einer Verzögerung von zwei bis sechs Sekunden auf die Endgeräte gesendet. Das geht im Kino oder Theater nicht: Die Zuschauer würden längst lachen, wenn der Träger des Kopfhörers den Witz noch nicht zu Ende gehört hat. Nach jahrelanger Forschung ist es Sennheiser nach eigenen Angaben gelungen, die Verzögerung auf nur noch 80 Millisekunden „unter die durchschnittliche Wahrnehmungsgrenze zu drücken“, sagt Niemann.

Für die lange Entwicklungsphase gab es zwei Gründe: Zum einen waren manche Handys technisch vor sechs Jahren noch nicht weit genug. „Bei den ersten Versuchen brach der Stream auf einigen Smartphones nach zehn Sekunden zusammen und war alles andere als stabil“, erinnert sich Niemann. Zum anderen waren die Netzwerke zu langsam. Daher versuchten die Entwickler, die WLAN-Übertragung zu verbessern, um Tondateien schneller zu übertragen. Was genau in der Sennheiser-Box abläuft und warum sie so viel fixer als Standardrouter ist, will Niemann nicht verraten. „Hier fängt das Geschäftsgeheimnis an.“

Wie das System funktioniert, führt Jörn Erkau in den Büros in Hamburg-Altona vor. Er spricht in ein Mikrofon, das die Daten an die sogenannte ConnectStation übermittelt. Das knapp 50 Zentimeter breite Gerät baut ein WLAN-Netzwerk mit einer Reichweite von etwa 100 Metern auf und sendet Erkaus Worte an beliebig viele Smartphones. Dank einer Gratis-App kann man seine Rede über Lautsprecher oder Kopfhörer des Handys hören. Lautstärke und Toneigenschaften können wie beim Verstärker der heimischen Hi-Fi-Anlage individuell eingestellt werden. Das ist nützlich für schwerhörige Menschen, die den Sound so an die Gegebenheiten im Raum anpassen können.

Die Technik hilft auch sehbehinderten oder blinden Menschen: Sie können mit der Smartphone-App Hörfilmfassungen abrufen. Diese enthält neben der Tonspur auch Informationen zur Handlung, zum Aussehen der Personen sowie zu Kostümen und Schauplätzen, sodass die Zuhörer der Handlung folgen können. Seit 2013 muss für jeden in Deutschland mit öffentlichen Geldern geförderten Film eine solche Tonspur angefertigt werden. Bislang konnte sie nur auf einem speziellen Kanal des Fernsehers empfangen werden, mit Sennheisers App funktioniert das nun auch im Kino.

Einige Betreiber in Hamburg und Berlin haben sich den knapp 10 000 Euro teuren Kasten bereits zugelegt und bieten den Service für Blinde bei bestimmten Filmen an. Auch zwei Hamburger Theater und das Millerntor-Stadion liefern Übertragungen auf das eigene Handy.

In der Pilotphase 2013 haben laut Angaben der Hamburger Kulturbehörde 122 Blinde den Service im Theater genutzt. Da ist noch viel Luft nach oben, allein in der Hansestadt leben rund 3000 blinde und 40 000 sehbehinderte Menschen. Nutzten mehr von ihnen die Neuerung, könnten sich die Ausgaben dafür für die Kinobetreiber schon bald durch den Katenverkauf amortisieren.

Sennheiser will sich mit der Technik auch eine neue Klientel für seine Kopfhörer erschließen. Außerdem sollen bestimmte Zusatzleistungen der App irgendwann kostenpflichtig angeboten werden. Filmfans könnten der Ton der Originalfassung oder Zusatz-Infos geboten werden.

Niemann hat noch weitere Ideen: „In jeder Airport-Lounge laufen Bildschirme, alle tonlos. Mit Echtzeit-Streaming lernen sie erstmals sprechen.“ Ein Passagier, der an den Monitoren vorbeiläuft, könnte zudem mit aktuellen Nachrichten oder geänderten Abflugzeiten – vielleicht sogar in verschiedenen Sprachen – versorgt werden. Wenn es nach Niemann und Erkau geht, werden solche Audioservices ein Teil unseres Alltags werden. ---

Kontakt: sennheiser-connect.com