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Priceline Group

Die Sommerreisewelle rollt, und davon profitiert die Priceline Group, der weltweit größte Betreiber von Buchungsportalen. Die Konkurrenz folgt – mit weitem Abstand.





• Immer mehr Menschen buchen ihre Reisen auch online, in Deutschland sind es mittlerweile 93 Prozent, und oft nutzen sie dafür den deutschen Marktführer Booking.com, der zum US-Konzern Priceline Group gehört. Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2015 ist das Unternehmen auch weltweit Branchenprimus, vor dem Konkurrenten Expedia mit 1,4 Milliarden Dollar. Expedia und Priceline dominieren das Geschäft mit einem gemeinsamen Marktanteil von rund 50 Prozent, wobei der Booking.com-Betreiber deutlich profitabler ist. Sein operativer Gewinn beträgt 434 Millionen Dollar, eine Marge von 24 Prozent bezogen auf den Umsatz. Das ist Google-Niveau. Expedia erlitt einen Betriebsverlust von 51 Millionen Dollar.

Priceline (zu dem weitere Portale wie Agoda.com, Rentalcars.com oder die Hotel-Suchmaschine Kayak gehören) wächst zudem auch schneller. Seit 2011 erhöhte sich der Wert der jährlich von Kunden gebuchten Unterkünfte, Flüge oder Mietwagen um 44 Prozent im Schnitt auf gut 50 Milliarden Dollar im Jahr 2014. Bei Expedia (Hotels.com, Trivago, Carrentals.com) legten die sogenannten Bookings im selben Zeitraum nur um 24 Prozent durchschnittlich zu. Sie sind entscheidend für die Umsatzentwicklung: Hotels, Fluglinien oder Mietwagenfirmen führen für jede Buchung 15 bis 20 Prozent an die Portalbetreiber ab. Zwar hat Priceline noch andere Einnahmequellen: etwa „Merchant Revenues“ aus Geschäften, bei denen der Konzern nicht nur als Vermittler auftritt, sondern auf eigene Rechnung Reisen oder Mietwagenkontingente ein- und weiterverkauft. Außerdem generiert die Firma mit Werbung auf Kayak oder mit Gebühren beim Reservierungsportal OpenTable weitere Umsätze, „Advertising and other Revenues“. Doch entscheidend bleiben die Kommissionen im angestammten „Agency“-Geschäft von 1,2 Milliarden Dollar.

Nicht dass es keine Herausforderungen gäbe. Das Heimatgeschäft wächst kaum noch, und international wird es schwieriger. Es gibt dort weniger große Hotelketten, und so müssen etwa in Europa in kostenintensiver Kleinarbeit unabhängige Herbergen als Partner gewonnen werden. Außerdem hat das Bundeskartellamt die Bestpreis-Klausel für wettbewerbswidrig erklärt, mit der Priceline und andere einflussreiche Portale wie Expedia und HRS sicherstellten, dass sie immer die günstigsten Konditionen erhielten – zum Nachteil kleinerer Konkurrenten. Damit soll nun Schluss sein. Zwar hat Priceline, um gegenzusteuern, seine Marketing- und Werbeausgaben um 150 Millionen Dollar (23 Prozent) allein im ersten Quartal erhöht. Doch all das drückt auf die Gewinnmarge, die mit 24 Prozent immer noch hoch ist – im Vorjahresquartal aber noch bei fast 27 Prozent lag und für das Gesamtjahr 2014 sogar bei 36 Prozent.

Verschärft wird die Lage durch neue Konkurrenz. Airbnb etwa, angetreten mit der schönen Idee von der Sharing Economy und der Nutzbarmachung privaten Wohnraums, drängt ins traditionelle Geschäft und hat bereits Boutique-Hotels und Bed-and-Breakfast-Häuser im Angebot. Eine Million verschiedene Objekte sind es weltweit insgesamt. Zum Vergleich: Bei Booking.com sind es 635 000. Priceline weitet nun seinerseits sein Angebot an alternativen Unterkünften aus. Wirklich beunruhigt muss man am Stammsitz im US-Bundesstaat Connecticut allerdings nicht sein. Airbnb wird es Analystenschätzungen zufolge zum Jahresende auf ein Buchungsvolumen von 9 Milliarden Dollar bringen, bei Priceline dürften es 57 Milliarden sein. Hinzu kommt: Mit einer Eigenkapitalquote von 51 Prozent hätte die Firma – sollten im Kampf gegen Airbnb Investitionen nötig werden – reichlich finanziellen Spielraum.

In der Bilanz ruht Bares in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar plus kurzfristig verkäufliche Wertpapiere für 1,4 Milliarden. Hinzu kommt die Position „Long-term investments“, hinter der sich US-Staatspapiere für weitere fünf Milliarden Dollar verbergen – plus Anleihen und Anteile an der Firma Ctrip. Sie betreibt die Nummer eins unter den Buchungsportalen in China, wo ausländische Anbieter – etwa Expedia – oft scheiterten. Mit Ctrip verbindet Priceline eine erfolgreiche Partnerschaft. ---

Die Priceline Group wurde 1997 von dem US-Unternehmer Jay Walker gegründet, ging 1999 an die Börse und erreichte dort am selben Tag eine Bewertung von 12,9 Milliarden Dollar – den höchsten Wert, den bis dahin ein Börsenneuling erzielt hatte. Ab 2001 schrieb Priceline schwarze Zahlen, expandierte schnell und vorwiegend durch Zukäufe wie etwa Booking.com im Jahr 2005, damals bei Hotelbuchungen Marktführer in Europa, heute weltweit die Nummer eins. Priceline ist in mehr als 200 Ländern aktiv und beschäftigt rund 13 000 Mitarbeiter.