Mikroökonomie

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge:
Marta Ondrus arbeitet 40 Stunden pro Woche in der Stadtbibliothek, die im Winter auch sonntags geöffnet hat. Sie verdient im Monat umgerechnet rund 2950 Euro – das ist etwas mehr als der Mindestlohn, den ihre Gewerkschaft für Bibliothekare mit Hochschulabschluss durchgesetzt hat. Sie zahlt monatlich 680 Euro Steuern und ist damit auch renten- und krankenversichert. Die Kommune behält zudem jeden Monat 130 Euro für eine zusätzliche Betriebsrente ein. Für ihre Mietwohnung fallen monatlich 600 Euro an, ihre Nebenkosten und Zahlungen für den Internetanschluss belaufen sich auf jeweils 34 Euro. Denselben Betrag entrichtet sie jeden Monat aus eher ungewöhnlichen Gründen: Sie zahlt Unterhalt für ihr Auto, doch bislang ist sie noch nicht dazu gekommen, ihren Führerschein zu machen.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich arbeite immer. Wenn ich nicht in der Bibliothek bin, dann lese ich. Wenn jemand ein Buch aus seiner Kindheit sucht und nur Details kennt, dann knoble ich an der Lösung wie ein Detektiv. Oft nehme ich die Frage mit nach Hause und komme erst sonntagnachts auf die Antwort. Für mich ist das ein Lifestyle. Nur auf Partys nervt es manchmal, denn sobald ich meinen Beruf nenne, muss ich Romane empfehlen. Dabei rede ich gerne auch mal über andere Themen.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Arbeit und meine Tochter. Moment, das klingt irgendwie traurig – vielleicht sollte ich mir ein Hobby suchen. Andererseits steckt in jedem Buch ein ganzes Universum; Lesen ist für mich so, als hätte ich verschiedene Leben.

Was wollen Sie an Ihrem Leben ändern?

Ich würde gerne ein Jahr freinehmen und in Afrika eine Bibliothek gründen.

Was ist Ihr größtes Problem, und wie gehen Sie damit um?

Unflätige Kunden. Wenn mich jemand anschnauzt, weil er auf ein Buch warten muss oder Strafe zu zahlen hat, dann fällt es mir schwer, freundlich zu bleiben. Wenn es ganz schlimm kommt, rufe ich eine Kollegin, gehe in die Küche und schreie einen Kochtopf an.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Ich fahre nach Dänemark und gehe dort ins Louisiana Museum of Modern Art. Dort gibt es auch ein ausgezeichnetes Literatur-Festival, und man kann vor dem Café auf den Treppen sitzen und lesen.

Was erwarten Sie von der Zukunft?

Wenn ich 65 bin, will ich die Leiterin einer Bibliothek irgendwo in Afrika sein.

Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Nach Afrika gehen. Dort geschieht eine Menge: Die Wirtschaft wächst, es gibt Platz und viele junge Leute. Europa fühlt sich für mich überaltert und gesetzt an. Ich müsste in Afrika auch nicht unbedingt eine Bücherei gründen. Ich könnte auch etwas anderes machen, je nachdem, was gebraucht wird. Ich will nicht missionieren – außer, wenn jemand etwas gegen das Lesen hätte. Dann müsste ich ihn wohl überzeugen. ---
Schweden:
Einwohner: 9,6 Millionen
Währung: Schwedische Kronen (SEK) (8,86 SEK = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 42 900 Euro
Human Development Index: Platz 7 (Deutschland: 5 von 187 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Kilo Bananen: 2,27 Euro
1 Hotdog: 3,93 Euro
1 Liter Milch: 1,02 Euro
2 Paar Socken: 6,80 Euro
1 Eintrittskarte im Freibad: 3,40 Euro
1 Kilo Bio-Hackfleisch: 11,34 Euro