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Zahlen lügen doch

1 + 3 = 4
2 + 2 = 4 Das ist das Gleiche.
Ist es auch dasselbe? Ein Faktencheck.




• Wer mit Zahlen argumentiert, erscheint objektiv und seriös. Kein Wunder also, dass sich ihrer gern bedient wird, wenn Dinge behauptet werden. Daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

I. Wohnkosten

Am 25. Juli 2012 gibt der Immobilienverband Deutschland bekannt:
Der Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen liegt bei etwa 20 Prozent.

Der Studie „Leben in Europa“ aus dem Jahr 2012 des Statistischen Bundesamts lässt sich entnehmen:
Der Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen liegt bei durchschnittlich 28 Prozent.

Beide haben richtig gerechnet, aber verschiedene Annahmen getroffen. Der Immobilienverband untersuchte die Mieten in ausgewählten Großstädten und rechnete die Quadratmeterpreise auf Wohnungen mit 70 Quadratmetern um. Das Statistische Bundesamt hingegen zog Daten von Mietern und Wohnungseigentümern in ganz Deutschland heran. Dadurch steigt die durchschnittliche Wohnfläche der untersuchten Haushalte auf knapp 92 Quadratmeter.

Auch bei der Frage, wie sich die Höhe der Mieten sowie der Wert von Wohneigentum entwickelt, können Zahlen Verwirrung stiften. Dem Quartalsbericht der Forschungsabteilung des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken vom 15. August 2014 ist zu entnehmen:
Zwischen 2011 und 2013 sind die Wohnimmobilienpreise um durchschnittlich 10,7 Prozent gestiegen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln teilt am 5. September 2013 mit:
Wohnen ist in den vergangenen Jahren teurer geworden, aber nur in Regionen, in denen 15 von 80 Millionen Deutschen leben.

Alles also gar nicht so schlimm? Der Verband Deutscher Pfandbriefbanken errechnet die Veränderung der Immobilienwerte in Deutschland. Daraus wird ein Index erstellt, welcher die durchschnittliche Entwicklung der Preise abbildet. Er sagt allerdings nichts darüber aus, wie viele Menschen betroffen sind. Das ergibt sich vielmehr aus der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Erst beide Analysen zusammen zeichnen ein realistischeres Bild: Vergleichsweise wenige Menschen müssen mehr fürs Wohnen zahlen. Doch damit sich in der Gesamtheit ein Anstieg von rund elf Prozent abbildet, müssen diese höhere Mehrkosten hinnehmen, als der Durchschnittswert vermuten lässt.

II. Welthandel

Die Europäische Kommission behauptet auf Basis einer Studie vom März 2013 zum Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP):
Durch TTIP könnte das Haushaltseinkommen in Deutschland um 500 Euro pro Jahr steigen.

Stimmt das? In 13 Jahren wissen wir mehr. Die Europäische Kommission verkündet das Ergebnis eines für das Jahr 2027 errechneten Szenarios. Dazu kommt: Die Modellrechnung gilt nur für Vierpersonenhaushalte. Außerdem fehlt ein Vergleichswert – man erfährt nicht, wie hoch das angenommene Haushaltseinkommen im Jahr 2027 sein wird. Doch das ist entscheidend. Denn würde es sich so wie in den vergangenen zehn Jahren entwickeln, dann würde ein Vierpersonenhaushalt 2027 ohnehin über ein Jahreseinkommen von fast 80 000 Euro verfügen. Das relativiert die projizierte Summe deutlich – sie entspricht in 13 Jahren gerade mal 0,6 Prozent.

III. Einkommen

In einem Bericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom März 2013 steht:
Der Gini-Koeffizient für Einkommensverteilung liegt seit Jahren zwischen 0,25 und 0,3. Seit 2007 nimmt er sogar ab, das heißt, die Ungleichheit nimmt ab.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) teilt im Wochenbericht vom 26. Februar 2014 mit:
Der Gini-Koeffizient für Vermögensverteilung liegt bei 0,78. Das Vermögen ist besonders ungleich verteilt.

Wie steht es denn nun um die Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland? Das Bundesministerium bezieht sich auf die Einkommensverteilung, das DIW auf die Verteilung der Vermögen. Vergleichen lassen sich die beiden Zahlen schwer. Ein gutes Einkommen führt nicht per se zu Vermögen; und wer ein großes Vermögen hat, muss noch lange nicht gut verdienen.

IV. Rente

Ein Bericht der deutschen Rentenversicherung vom Oktober 2013 zeigt:
Die Standardrente lag 2012 bei 1122 Euro netto vor Steuern, das sind 49,6 Prozent des aktuellen durchschnittlichen Jahresarbeitsentgelts.

Aus dem Alterssicherungsbericht 2012 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ergibt sich:
Das Durchschnittseinkommen von Alleinstehenden über 65 Jahre betrug 2012 netto 1366 Euro. Das sind 60,4 Prozent des aktuellen durchschnittlichen Jahresarbeitsentgelts.

Wie geht es den Rentnern also? Die deutsche Rentenversicherung bezieht ihre Angaben auf den sogenannten Standardrentner – eine fiktive Person, die 45 Jahre lang durchschnittlich verdient, in die Rentenversicherung eingezahlt hat und nur die gesetzliche Rente bezieht. Das Ministerium hingegen schaut auf die reale Einkommenssituation der über 65-Jährigen. Neben der gesetzlichen Rente haben diese auch Einkünfte aus der betrieblichen oder privaten Altersvorsorge, aus Pensionskassen sowie Zins- oder Mieteinnahmen oder Erwerbseinkommen. ---