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Günther Jauch

Günther Jauch ist der beliebteste aller Deutschen – und wenn sie könnten, würden sie ihn sogar zum Kanzler wählen. Was hat Jauch, was andere nicht haben?





• Das Problem mit Günther Jauch ist, dass es keines gibt. Irgend-wie macht der Mann alles richtig. Journalisten hassen das. Alle anderen lieben es. Er ist nett, aber langweilig. Weit und breit gibt es keinen Skandal um ihn, nirgends. Einmal hätte es ihn fast erwischt. Das war 1996. Jauch war Chefredakteur bei „Stern TV“ und wollte nicht bemerkt haben, dass einige der spektakulärsten Filmbeiträge von einem Fälscher verfasst worden waren. Im letzten Moment kriegte er noch die Kurve, zeigte den Mann an, erklärte sich öffentlich – und alles war vergessen.

Seitdem herrscht Ruhe. Die hat Jauch genutzt, um sehr reich zu werden. Während er vor der Kamera souverän, sympathisch und nett durchs Programm führte, verdiente er hinter den Kulissen mit TV-Produktionen und Immobilien Millionen. Selbstverständlich absolut korrekt, gewaltfrei und vermutlich auch nachhaltig. Sein Privatvermögen wird auf 40 Millionen Euro geschätzt. Dazu gehören ein Anwesen am Heiligen See und andere Immobilien in Potsdam, ein paar Oldtimer (VW Käfer, Renault R4, Citroën 2CV) sowie ein Weingut an der Saar.

Verdient hat Jauch den Großteil seines Vermögens mit einer Tätigkeit, die in der Gesellschaft normalerweise zur sofortigen Abwertung führt. Auf der regelmäßig vom Institut für Demoskopie Allensbach erstellten Prestige-Skala rangieren Fernsehmoderatoren traditionell ganz unten, in der Nähe der Banker. Das liegt vermutlich an Leuten wie Dieter Bohlen, Cindy aus Marzahn oder Sylvie Meis (ehemals van der Vaart). Jauchs Schuld ist es jedenfalls nicht. Er ist nicht nur der beliebteste Talkshow-Moderator Deutschlands (laut Emnid-Umfrage 2014), sondern auch der beliebteste Deutsche überhaupt (Ipsos 2004) und für 49 Prozent aller Bundesbürger zudem noch der beste denkbare Kanzler oder Bundespräsident (Emnid 2003).

Wie wird man so beliebt?

1.Immer da sein. Jauch hat 20 Jahre lang „Stern TV“ moderiert und in 15 Jahren knapp 2000 Sendungen „Wer wird Millionär?“. Seit Jahrzehnten ist er meist ein- bis zweimal wöchentlich via Mattscheibe Gast in Millionen deutschen Wohnzimmern. Viele Zuschauer sehen ihn öfter als ihren Ehepartner. Kontinuität schafft Vertrauen.

2.Nett bleiben. Jauch ist immer freundlich und kontrolliert. Er hört zu und fragt nach, aber nie penetrant. Er pöbelt nicht, ist nicht ordinär, war in der Öffentlichkeit nie betrunken (sonst vermutlich auch nicht), er wurde nie verhaftet, nie bei einem Seitensprung erwischt und betrügt noch nicht einmal das Finanzamt (Stand: September 2014). Außerdem kann er sehr lustige Grimassen schneiden. Empathie schafft Sympathie.

3.Geld verschenken. In „Wer wird Millionär?“ kann man viel gewinnen, neuerdings beim Highspeed-Special maximal zwei Millionen Euro. Knapp 2400 Kandidaten haben bisher mehr als 89 Millionen Euro erspielt. Bares schafft Freude.

4.Nicht abheben. Jauch ist zwar Multimillionär, aber er lebt so, als wäre er sein eigener Durchschnittszuschauer. Er hat weder Manager noch Assistenten, geschweige denn einen Bodyguard. Er verbringt seinen Urlaub nicht in exotischen Ländern, sondern fährt nach Südtirol. Er ist nicht geizig, aber sparsam. Er hat noch nie etwas Revolutionäres gesagt und ist politisch vollkommen korrekt. Er ist so Mainstream, dass es fast schon ein wenig spießig wirkt. Durchschnittlichkeit schafft Nähe.

5.Gutes tun. Jauch gab früher jeden Cent aus Werbeeinnahmen ab, heute macht er keine Werbung mehr. Zehn Prozent seiner Fernsehhonorare fließen in den Wiederaufbau von Kulturdenkmälern, in (katholische) Schulen und in das „Arche“-Projekt, das bedürftigen Kindern hilft. Insgesamt soll er seit der Jahrtausendwende mehrere Millionen Euro gespendet haben. Soziale Verantwortung schafft Respekt.

Vor einiger Zeit war Jauch als Referent zu einer Veranstaltung der Ulmer Wirtschaftsjunioren geladen. Das Überraschende für die angehenden Bosse war nicht nur, dass er kam, sondern vor allem wie. Statt mit Limousine, Fahrer und Entourage reiste er ganz allein per Bahn an. 2. Klasse. Danach saß er zunächst ein wenig steif auf dem Podium, bis es der Interviewerin gelang, ihn aus der Reserve zu locken. So ist er. Ein wenig spröde, ebenso wie sein Humor. Schließlich teilte er den schwäbischen Junioren mit, dass er a) die Yellow Press hasse und täglich nach Meldungen über sich und seine Familie durchkämme, um gegen unerwünschte Berichterstattung rechtlich vorzugehen; dass er b) normale Unterhosen trage, keine „Strings“, und c) sein Honorar an das Jugendhilfe-Projekt Arche in Potsdam zu überweisen sei, für private Auftritte nehme er kein Geld. Zum Schluss trank er an der Bar Weizenbier, gab noch ein paar Autogramme und stand für das Selfie einer Lokalpolitikerin zur Verfügung.

Auch in Ulm war Jauch einer der am schlechtesten angezogenen Männer im Raum. Seine Vorliebe für desaströse Sakkos ist bekannt, der Mangel an modischem Schuldbewusstsein erstaunlich. Während sich andere Moderatoren, auch sein Best Buddy Thomas Gottschalk, pfauengleich in Schale werfen, sieht Jauch so aus, als trage er, was gerade griffbereit war.

Sein Freund, der Fußball-Kommentator Marcel Reif, sagt über ihn: „Günther ist auf so perfide Art uneitel, dass das vielleicht genau seine Eitelkeit ist.“

Der Satz klingt durchdacht, ist aber falsch. Jauch ist tatsächlich an Äußerlichkeiten wenig interessiert. Der Haarschopf wirr, die Krawatte schief, Jacke wie Hose einen Tick daneben – das stört ihn nicht nur nicht, das nimmt er billigend in Kauf. Sein Publikum ist ja auch so.

Er sehe gar nicht ein, sagte er einmal, seinem Kontostand entsprechend leben zu müssen. Thomas Gottschalk ist der Einzige, der gelegentlich versucht, Jauch ein wenig Freude am Genuss zu vermitteln. „Aber leicht ist das nicht“, sagt Gottschalk. In der »Zeit« war zu lesen, wie Jauch einmal Gottschalk voller Stolz anrief und sagte, er habe sich einen Jaguar gekauft. „Bestimmt gebraucht“, habe Gottschalk geseufzt. Jauchs Antwort: „Natürlich.“

So ist er, Mainstream bis zur Spießigkeit. Und es macht ihm überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, damit verdient er viel Geld. Als Inhaber der Firma I&U TV (Information und Unterhaltung) hat er überhaupt kein Problem damit, banale Serien wie „Die ultimative Chartshow“ zu produzieren. Als Moderator ist Jauch allerdings nicht zu jedem Mist bereit. Dafür gibt es andere: Oliver Geissen zum Beispiel („Die ultimative Chartshow“), Jörg Pilawa und Elton („1, 2 oder 3 – Die große Jubiläumsshow“), Kai Pflaume („Klein gegen Groß“) und Marco Schreyl („Unglaublich! Die Show der Merkwürdigkeiten“). Das Geschäft „ist mühsam geworden, man muss immer neue Ideen anbieten“, klagt Jauch. Die Sender senken die Preise. Wenn der Umsatz steigen soll, muss mehr produziert werden für weniger Geld. Keine gute Perspektive.

Vielleicht deshalb ist Jauch 2010 in den Weinbau eingestiegen. Das Gut von Othegraven in Kanzem an der Saar gehört Jauchs Vorfahren schon seit 200 Jahren. Er erwarb es von einer Verwandten, damit es in der Familie bleibt. Pure Nostalgie ist das nicht. Jauch ist ein guter Rechner.

Schon als Zwölfjähriger kaufte er vom Taschengeld Aktien und investierte geschickt. Gute Weine sind ein gutes Geschäft. Vor hundert Jahren waren die Riesling-Weine von Othegraven schon einmal gefragter als Bordeaux und teurer als Champagner. Jauch hätte nichts dagegen, wenn es wieder in diese Richtung ginge. Immerhin verfügt er über den Altenberg, die längste Steillage Europas und mit 66 Prozent Steigung fast so schwer zu bezwingen wie das Matterhorn. Maschinell ist da nichts zu machen. Die Trauben werden im mühsamen Aufstieg handgelesen. Jauch selbst war schon dabei. „Ich bin auch schon mal zehn Meter hinabgerutscht“, sagt er. „Nichts passiert.“

Nichts passiert – das könnte sein Lebensmotto sein. Von schweren Schicksalsschlägen blieb er verschont, seine Familie ist intakt, das Konto wohl gefüllt.

Seit 2011 moderiert Jauch am Sonntagabend einen Polit-Talk. Die Produktionsfirma ist seine eigene, der Etat pro Staffel (39 Sendungen) beträgt laut Medienberichten 10,5 Millionen Euro. Das sind 4487,18 Euro pro Sendeminute, ein gutes Drittel mehr als bei Anne Will, von der Jauch den Sendeplatz übernahm.

I&U TV machte im Jahr 2012 knapp fünf Millionen Euro Gewinn. Der Betrag wurde laut Geschäftsbericht den Privatkonten der Gesellschafter gutgeschrieben. Seit Gruner + Jahr aus der Firma ausgestiegen ist, gibt es nur noch einen. Er heißt Günther Jauch. ---

Wem Jauch vertraut

1. Dorothea Sihler, Berlin. Jauchs Ehefrau ist seine engste Beraterin und engagiert sich stark für sein Weingut.
2. Andreas Zaik, Köln. Zaik begann 1990 als Chef vom Dienst bei „Stern TV“. Heute ist er Chefredakteur und Geschäftsführer von Jauchs Produktionsfirma I&U TV.
3. Andreas Barth, Kanzem. Der Jurist ist Kellermeister und Geschäftsführer von Jauchs Weingut an der Saar.
4. Thomas Gottschalk, Malibu. Der Moderator gehört zu Jauchs ältesten Freunden. Er holte ihn 1985 in die Bayern-3-Radioshow. Gottschalk ist neben Kindern der Einzige, der Jauch im Fernsehen duzt.
5. Christian Schertz, Berlin. Der auf Medienrecht spezialisierte Anwalt verteidigt Jauchs Familie gegen die Yellow Press.

Das Jauch-Imperium

1. I&U Information und Unterhaltung TV Produktion GmbH & Co. KG, Köln/Berlin.
Die Produktionsfirma erstellt mit rund 140 Mitarbeitern etwa 160 Programmstunden jährlich – von „Stern TV“ über Günther Jauchs Talkshow bis zu „Auswandern ins Paradies“. Hauptauftraggeber sind RTL, die ARD und das ZDF. Der Umsatz 2012 betrug 53,3 Millionen Euro, der Gewinn 4,8 Millionen Euro. 2. Weingut von Othegraven KG, Kanzem. Jauch kaufte das Gut 2010.
Es gehört zu den besten Riesling-Produzenten der Welt. Jährlich werden auf 15 Hektar Anbaufläche zwischen 50 000 und 60 000 Flaschen Wein und Sekt erzeugt. 3. Jägerallee 38–40 Objektgesellschaft mbh & Co. KG, Svekrikama Beteiligungsverwaltung GmbH, Svekrikama Immobilien GmbH & Co. KG, Svekrikama Vermögensverwaltung GmbH & Co KG, alle in Potsdam.
Über diese Firmen steuert Jauch seinen Immobilienbesitz in Potsdam.