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Emirates Geschäftsbericht

Im Kampf gegen die Airlines aus dem Nahen Osten sparen westliche Konkurrenten, wo sie nur können. Die Zahlen von Emirates aus Dubai zeigen: Sie haben trotzdem kaum eine Chance.





Emirates ist im Höhenflug. Der Umsatz in den zwölf Monaten bis Ende März dieses Jahres stieg um 13,4 Prozent auf 80,7 Milliarden United Arab Emirate Dirham (AED), umgerechnet 22 Milliarden US-Dollar (ein AED entspricht 0,27 US-Dollar). Der Gewinn nach Steuern legte sogar um 42 Prozent auf 3,4 Milliarden AED zu, was einer Nettoumsatzrendite von 4,2 Prozent entspricht. Der weltweite Schnitt liegt laut Zahlen der International Air Transport Association IATA bei 1,5 Prozent. Die Lufthansa (LH) schaffte nur ein Prozent, und das auch nur dank ihrer hochprofitablen Technik-Sparte. Dieses Geschäft wird bei Emirates separat geführt. Rechnete man es mit ein, stiege die Umsatzrendite auf 4,9 Prozent. Und das, obwohl Emirates-Chef Timothy Clark investierte wie nie zuvor: Er erweiterte die Kapazität um 14 Prozent auf knapp 47 Milliarden Tonnenkilometer (LH: gut 41 Milliarden), wohinter sich 217 Großraumjets verbergen, die größte Flotte dieser Art weltweit.

Der Erfolg ist zum einen dem Standort zu verdanken: Der Nahe Osten boomt, gilt als Zugang zu aufstrebenden Schwellenländern in Afrika und Asien. Mit einem Plus von 11,9 Prozent war 2013 nirgends auf der Welt der Zuwachs an verkauften Passagier-Kilometern höher (Europa: 4 Prozent, Nordamerika: gut 2 Prozent). Vor allem aber hat Emirates geringe Betriebskosten. Sie machen mit 78,4 Milliarden AED 97,1 Prozent des Umsatzes aus. Bei Lufthansa fressen sie die Erlöse komplett auf. Der Gewinn, den sie unterm Strich ausweist, resultiert aus Erträgen wie etwa Währungsgewinnen oder der Auflösung von Rückstellungen.

Trotz des Ölreichtums im Nahen Osten kommt Emirates nicht viel billiger an Treibstoff als die Konkurrenz. Die Ausgaben dafür machen mit 38 Prozent der Betriebskosten sogar mehr aus als beim Durchschnitt der IATA-Mitglieder (30 Prozent). Vorteilhaft sind aber die Personalkosten im Passagier- und Frachtgeschäft von 10,2 Milliarden AED. Mit umgerechnet rund 67 000 Dollar pro Kopf liegen sie mehr als ein Drittel unter denen der Lufthansa (knapp 106 000 Dollar). Emirates kann unter anderem bei den Löhne sparen, weil die Mitarbeiter in Dubai keine Steuern zahlen. Hinzu kommt eine bessere Auslastung der Maschinen, da es in den Emiraten kein Nachtflugverbot gibt und die Kapazitäten der Flughäfen optimal an die Bedürfnisse der Airline angepasst werden. Die Folge: Ein Emirates-Flugzeug war 2013 im Schnitt rund 4600 Blockstunden (Fachbegriff für umsatzrelevante Flugzeit) im Einsatz, eine LH-Maschine rund 1000 Stunden weniger.

Emirates kann daher Tickets deutlich billiger anbieten, was das Wachstum beflügelt. Die verkauften Sitzkilometer stiegen 2013 um 14,2 Prozent (IATA-Schnitt: 5,7 Prozent, LH: 2,3 Prozent), bei der Fracht war es ein Plus von 10,1 Prozent (IATA-Schnitt: 1,8 Prozent, LH: 0,4 Prozent). Um das Wachstum zu halten, investiert die Airline kräftig, 2013 waren es 21 Milliarden AED, größtenteils in Flugzeuge. Fest bestellt sind Jets für weitere 130 Milliarden AED, das größte Auftragsbuch in der Geschichte der zivilen Luftfahrt.

Dank ihrer hohen Profitabilität kann sich die Fluglinie die Expansion mühelos leisten. Sie zahlt auf ihre Gewinne so gut wie keine Steuern, der Nachsteuergewinn pro befördertem Passagier beträgt 21 Dollar, bei der Lufthansa sind es rund 3 Dollar. Der Haupteigentümer, die staatliche Investment Corporation of Dubai, fordert zwar eine Dividende. Es bleibt aber genug übrig, um das Eigenkapital zu stärken (durch Retained Earnings, zu Deutsch: einbehaltene Gewinne). Das ist wichtig, denn mit den Investitionen steigt auch die Nettoverschuldung (total liabilities minus Cash und short term deposits), im Jahr 2013 von 47,2 auf 59,6 Milliarden AED. Die Expansion kann dennoch weitergehen: Seit 2003 erhöhte sich der Verschuldungsgrad (Nettoverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) zwar von 102 auf 234 Prozent. Doch etablierte Konkurrenten wie Lufthansa oder British Airways kommen auf 300 Prozent und mehr. ---

Emirates wurde 1985 in Dubai gegründet und begann mit einem Flug ins pakistanische Karatschi. Heute werden rund 140 Städte in aller Welt angeflogen, jährlich 44,5 Millionen Passagiere und 2,25 Millionen Tonnen Fracht transportiert. Sie ist damit die drittgrößte Fluglinie der Welt. Vorstandschef ist der Brite Timothy Clark, der den Auftrag hat, die Airline, wenngleich im Staatsbesitz befindlich, wie eine private Firma zu führen. Emirates wurde mehrfach zur Fluglinie des Jahres gewählt, unter anderem weil die Maschinen besonders modern und teilweise luxuriös sind. Die Firma beschäftigt weltweit rund 52.000 Mitarbeiter.