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Lionel Messis Scheinfirmen

Auch Superstars zahlen ungern Steuern. Kreative Wege zu diesem Ziel zeigt der Fall Lionel Messi.




• In der Bedford Row 20 –22 in London hat eine sonderbare Firma ihren Sitz: die Sidefloor Ltd. Sie erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 18 Millionen Euro – ohne einen einzigen Angestellten. Wer am Empfang nach Sidefloor fragt, muss warten, bis die Rezeptionistin nach einem roten Ordner gegriffen hat. Sie blättert, sucht nach den Einträgen, die mit „S“ beginnen, um schließlich zu bestätigen: „Ja, hier ist es.“

Sidefloor Ltd. ist ein Unternehmen der Sportbranche und laut Firmenregister für England und Wales behilflich bei der „Vermittlung von Dienstleistungen zwischen Fußballvereinen, Spielern und Agenten“. Im Geschäftsjahr, das im Februar 2013 ablief, standen dem Umsatz von rund 18 Millionen Euro Kosten von rund 17 Millionen Euro gegenüber. Nach Verwaltungsausgaben, Gebühren und Zinsen blieb unterm Strich ein Verlust von 154 360 Euro. Bei Sidefloor ist es egal, was am Ende übrig bleibt.

Die Gesellschaft gehörte, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Barcelona, zum Firmengeflecht des argentinischen Fußballstars Lionel Messi. Demnach ist Sidefloor eine Scheingesellschaft. Ihr Zweck sei es nicht gewesen, Geld zu verdienen, sondern es zu verstecken. Mithilfe von Firmen in mehreren Ländern soll der weltbeste Fußballer zwischen 2006 und 2009 mehr als vier Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. In der Anklageschrift, die brand eins vorliegt, ist von „Simulation“ und von „rein instrumentellen Gesellschaften“ die Rede. Die Initiative zum Betrug sei vom Vater des Fußballers, Jorge Messi, ausgegangen.

Doch auch dem Spieler drohen schwere Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Barcelona hatte zunächst gegen Vater und Sohn Anklage erhoben, Lionel Messi hat mehr als fünf Millionen Euro an Steuern und Zinsen nachgezahlt. Doch freigekauft hat er sich damit noch lange nicht. Das Gericht bestätigt: „Das Verfahren gegen Lionel Messi läuft noch.“ Zwar hatte die Staatsanwaltschaft beantragt, die Anklage gegen den Fußballer fallen zu lassen und nur den Vater vor Gericht zu stellen. Sie glaubte Lionel Messi, als er im Verhör sagte: „Ums Geld kümmert sich mein Vater.“ Auch habe Jorge Messi zugegeben, so heißt es im Schriftsatz der Staatsanwaltschaft, derjenige gewesen zu sein, der das Netz an Scheinfirmen strickte. Aber der spanischen Steuerbehörde reicht das nicht. Sie will Vater und Sohn vor Gericht sehen und legte Widerspruch ein. Noch ist nicht entschieden, ob der Weltstar neben seinem Vater auf der Anklagebank sitzen muss. Steuerhinterziehern drohen in Spanien bis zu sechs Jahre Gefängnis. Der Eifer der Finanzbeamten ist verständlich. Mit rund 700 Millionen Euro sind die spanischen Fußballclubs beim Staat im Rückstand, während sie ihren Superstars bizarr hohe Gehälter überweisen.

Der Star und die Scheinfirmen: So sieht die Staatsanwaltschaft Barcelona das Firmengeflecht von Messi; Grafik: Carte Blanche Design Studio

Wer wissen möchte, wie Lionel Messi sein Geld am Finanzamt vorbeigeschleust haben soll, muss einmal um die halbe Welt reisen. Es geht von Barcelona über London nach Zug in der Schweiz, nach Belize in der Karibik, nach Uruguay in Südamerika. Auf dieser Reise begegnen einem Direktoren von Briefkastenfirmen, diskrete Treuhänder, professionelle Finanzjongleure, Rechtsanwälte, Event-Veranstalter, Ermittler, die hinter einigen von ihnen her sind. Und viele Berater, die sich an die jungen Talente kletten, damit sie von den Millionen, die im Fußball hin- und hergeschoben werden, etwas abkriegen.

Bei den Vorwürfen gegen Messi geht es um mehr als um die Steuerehrlichkeit eines Prominenten. Das angebliche Firmengeflecht des berühmtesten Fußballers der Welt ermöglicht einen Einblick in die globalen Geschäfte mit Superstars. Es ist ein Lehrstück über das Funktionieren von Steuerparadiesen und Scheinfirmen. Und es geht auch um die Rolle von Clubs und Sponsoren, die keine lästigen Fragen stellen.

Der eigene Name – ein großes Geschäft

Angefangen hat alles vor fast zehn Jahren. Am 16. Oktober 2004 gab Lionel Messi sein Erstliga-Debüt für den FC Barcelona. Da war er 17 Jahre alt. Die spanische Tageszeitung »El País« schrieb am nächsten Morgen, er habe „gespielt wie ein Engel“.

Junge Talente wie Lionel Messi geraten schnell ins Visier von Beratern, die Spieler möglichst früh an sich binden wollen. Sie offerieren Autos, Prostituierte, die große Karriere. Den Eltern ist diese neue Welt meist fremd. Der Vater von Lionel Messi hatte in Argentinien in einem Stahlwerk gearbeitet. Er und seine Frau waren auf die große Bühne nicht vorbereitet. Sie brauchten dringend jemanden, der die Branche kannte und ihnen den richtigen Weg zwischen dem großen Geld und den faulen Deals wies. So gerieten die Messis an Rodolfo Schinocca.

Schinocca war einst selbst Fußballer gewesen. In Buenos Aires spielte er bei Boca Juniors und Huracán, danach wurde er Berater. Der Mann, den seine Freunde Fito nennen, ist Profi: Er kennt alle Tricks des Geschäfts und vertrat große Spieler wie den Uruguayer Diego Forlán bei Werbeverträgen.

„Die Messis boten mir an, Partner zu werden“, sagt Rodolfo Schinocca. „Ich investierte in Lionel, ich bezahlte Reisen, Flugtickets, Hotels. Ich sollte Sponsoren für den Jungen finden und dann einen Teil der Honorare kriegen.“

Nicht nur um die Einnahmen kümmerte sich Schinocca, auch darum, was mit dem Geld geschehen sollte. Deshalb wird er in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Barcelona mehrfach erwähnt. Im Auftrag von Jorge Messi habe er, so gesteht er ein, den in Gibraltar ansässigen Dienstleister Sovereign Trust kontaktiert, einen Spezialisten für Offshore-Investments. Mit dessen Hilfe wurde ein Steuersparmodell für die Messis konstruiert – wenige Monate nach dem Erstliga-Debüt des Sohnes. Schinocca legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass er mit dieser Konstruktion nichts zu tun hatte.

Laut Anklageschrift übertrugen Jorge Messi und dessen Frau als Sorgeberechtigte die Bild- und Namensrechte des noch minderjährigen Lionel Anfang 2005 an eine Firma mit dem Namen Sports Consultants Limited in Belize. In der ehemaligen britischen Kolonie werden auf Einnahmen, die aus dem Ausland stammen, keine Steuern fällig.

Für das Recht, den Namen von Lionel Messi weltweit vermarkten zu dürfen, zahlte Sports Consultants den Eltern 50 000 Dollar. Kurz darauf, am 14. Februar 2005, ging die Gesellschaft ins Eigentum von Célia María Cuccittini über, der Mutter von Lionel Messi. Als Messi volljährig wurde, ratifizierte er diesen Vertrag.

Die Bild- und Namensrechte sind für einen so berühmten Spieler ein Millionengeschäft. Immer dann, wenn sein Gesicht in einer Werbung, einem Computerspiel, auf einer Kaffeetasse oder auf Sammelbildern auftaucht, verdient er Geld. Der Sportartikelhersteller Adidas hat mit ihm ebenso Verträge geschlossen wie Pepsico oder Procter & Gamble. Auch der FC Barcelona muss für die Bildrechte zusätzlich etwas zum Gehalt drauflegen, wenn er mit Messi werben möchte. Etwa dann, wenn sich ein Vereinssponsor mit dem Barça-Wappen und Messi zeigen will. „Wenn ein Club einen Sponsoring-Vertrag abschließen kann, weil er einen wie Lionel Messi in seinem Team hat, ist es nur fair, dass der dafür seinen Anteil kriegt“, sagt Pete Hackleton, Partner bei der Londoner Beratungsgesellschaft Saffery Champness und dort spezialisiert auf Kunden aus dem Sport- und Unterhaltungsbereich. „In vielen Jobs ist es üblich, dass die Mitarbeiter einen Bonus erhalten, wenn sie einen großen Deal abschließen, im Fußball ist das nicht anders. Wenn die Bild- und Namensrechte von einer Firma gehalten werden, dann erhält die Firma eben die Zahlung.“

Viele große Stars haben ihre Bild- und Namensrechte in eine Firma ausgelagert. In der Regel werden die Werbeverträge von den Agenten der Spieler ausgehandelt. Unterschrieben werden sie dann von einem Bevollmächtigten. In Großbritannien bekommen die Profis bis zu einem Viertel ihres Gehalts vom Club zusätzlich in Form von Bild- und Namensrechten. Die eigene Firma lohnt sich meist, weil die Einnahmen dann steuerlich anders veranschlagt werden.

Bereits im Jahr 2007 verzeichnete laut Staatsanwaltschaft Barcelona der damals 20-jährige Messi Einnahmen aus seinen Bildrechten in Höhe von 2,6 Millionen Euro – ohne in Spanien, wo er seinen Wohnsitz hat, dafür Steuern zu bezahlen. Dazu hatten die von Schinocca kontaktierten Berater, so steht es in der Anklageschrift, in Großbritannien und der Schweiz Scheinfirmen gegründet. Denn eine Gesellschaft in einem Steuerparadies wie Belize hilft noch nicht beim Steuersparen. Würde die Gesellschaft in Belize etwa mit dem FC Barcelona einen Vertrag über die Nutzung der Bildrechte von Messi schließen, fielen Steuern im Ursprungsland an. Also braucht es Firmen, die dazwischengeschaltet werden und in Staaten sitzen, die Doppelbesteuerungsabkommen mit möglichst vielen anderen Staaten unterzeichnet haben. Wie Großbritannien und die Schweiz.

Doch die schöne Konstruktion änderte nichts daran, dass es 2007 zum Bruch zwischen Schinocca und den Messis kam. Heute hält er der Familie vor, sie habe ihm nicht wie vereinbart seinen Anteil bezahlt. Die Familie beklagt im Gegenzug, er habe sie betrügen wollen. „Zum Bruch kam es wegen der Habgier der Messis“, sagt Schinocca. „Niemals hätte ich gedacht, dass es eimal so endet.“ Weder der Rechtsanwalt von Lionel Messi noch das Management des Spielers wollten sich dazu äußern.

Schinocca, der an einigen Gesellschaften, die die Staatsanwaltschaft den Messis zuordnet, beteiligt gewesen sein soll, wurde nach dem Streit kaltgestellt.

Geschäfte mit der Diskretion

Eine neue Struktur wurde geschaffen. Im Zentrum von Messis Imperium stand fortan, nach Ermittlungen der Staatsanwalt-schaft, die Gesellschaft Jenbril S.A. mit Sitz in Uruguay, wo ebenfalls viel Wert auf Diskretion gelegt wird. Im März 2007 sollen die Bild- und Namensrechte von Messi mit dessen Zustimmung von der in Belize registrierten Sports Consultants Limited zu Jenbril gewandert sein – ohne dass dafür Geld geflossen sei, so die Ermittler, obwohl Messis Vertrag mit Adidas noch 7,5 Millionen Euro wert gewesen sein soll. Und wieder wurden Firmen in Großbritannien und der Schweiz zwischengeschaltet: Im März 2007 soll laut Anklage die uruguayische Jenbril S. A. der Londoner Sidefloor und der Schweizer Tubal Soccer Management das Recht eingeräumt haben, die Bild- und Namensrechte von Lionel Messi für Sponsoring und Merchandising zu vermarkten.

Eine weitere uruguayische Gesellschaft mit Namen Forsy Corporation, die laut Staatsanwaltschaft von Messis Vater Jorge kontrolliert wird, stellt Sidefloor und Tubal Rechnungen für Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit der Unterzeichnung von Verträgen erbracht wurden.

An der Adresse von Sidefloor in der Londoner Bedford Row 20–22 befinden sich im Erdgeschoss auch die Büros der Jordans Trust Company, einem Offshore-Dienstleister mit Filialen auf den British Virgin Islands, auf Zypern, den Seychellen und in Hongkong. Jordans besorgt die Verwaltung für Sidefloor, wie Geschäftsunterlagen zeigen. Wer mithilfe der Berater eine Firma gründen will, füllt einen Fragebogen aus. Darin heißt es, dass Jordans auch Aktionäre stellen könne, die „Aktien im Namen des wirtschaftlich Begünstigten halten, um ein bestimmtes Maß an Anonymität zu garantieren“.

Von Sidefloor gibt es nur eine einzige Aktie, gehalten von Bedford Nominees, einem Unternehmen, das zu Jordans gehört. Einer solchen Struktur ist die Rechtsform der britischen Private Limited Company durchaus dienlich. Dafür braucht es nur einen Direktor, eine Büroadresse, Änderungen müssen dem Firmenregister gemeldet werden. Wer die natürliche Person ist, die als wirtschaftlich Begünstigter dahintersteht, kann geheim bleiben.

„Das ist perfekt für jeden Kriminellen, der in Großbritannien eine Firma betreiben will“, sagt Prem Sikka, Professor für Buchhaltung an der Sussex Business School. „Durch Offshore-Strukturen können Leute Firmen besitzen und komplett anonym bleiben, und man wird nie herausfinden können, wer tatsächlich dahintersteht.“

Bei Jordans haben Kunden die Wahl, ob sie eine Adresse für die Postannahme wünschen, eine Homepage oder eine Telefonweiterleitung, ob man den Firmensitz in London oder Bristol wünscht. Letzteres kann man einfach ankreuzen.

Auf Anfragen von brand eins bezüglich der Geschäftsbeziehungen zu den Messis hat Jordans nicht geantwortet.

Wer hofft, am Londoner Sitz von Sidefloor den in den Firmendokumenten genannten Direktor Ayomide Otubanjo anzutreffen, wird enttäuscht. Sein Büro hat er nicht bei der Firma, als deren Verantwortlicher er zeichnet, sondern in einem weit weniger repräsentativen Bau im Londoner Viertel Camden.

Für seine Leistungen als Direktor erhielt sein Vorgänger im abgelaufenen Geschäftsjahr Bezüge in Höhe von 7481 Euro. Otubanjo ist Direktor von mindestens sechs Gesellschaften. Am Telefon sagt er: „Ich weiß nicht, wer Lionel Messi ist.“ Später gesteht er ein: „Sidefloor repräsentiert Messi. Und viele andere Spieler.“ Welche? „Sorry, ich muss dieses Gespräch jetzt beenden.“ Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Messi und dessen Vater wegen Steuerhinterziehung will er sich nicht äußern.

Die Schweizer Tubal Soccer Management GmbH, gelegen in der Poststraße 6 in Zug, unweit des Zuger Sees, erfüllt laut Staatsanwaltschaft im Netz von Messi eine ähnliche Funktion wie Sidefloor. Im Handelsregister des Kantons wird als Zweck der Firma angegeben: „Weltweites Management von Sportlern, insbesondere im Fußballbereich sowie Erbringung von damit zusammenhängenden Dienstleistungen, einschließlich Erwerb, Verwertung, Vermittlung und Veräußerung von Immaterialgüterrechten aller Art; kann sich an anderen Unternehmen in gleichen oder ähnlichen Geschäftsbereichen beteiligen, derartige Unternehmen errichten, erwerben oder finanzieren sowie Liegenschaften erwerben, halten und veräußern.“ Das Stammkapital entspricht der Mindesteinlage einer GmbH in der Schweiz: 20 000 Franken.

Gesellschafterin der Tubal Soccer Management ist die Vitop Consulting AG in Zug, Gesellschafter ist Albert Villiger. Er sagt: „Ich bin nicht für Messi oder dessen Vater tätig. Sie sind nicht Inhaber.“ Tubal vermarkte zum Teil die Bild- und Namensrechte auch von Lionel Messi.

Das bedeutet konkret: Es gibt zwischen der Vitop AG als Gesellschafterin von Tubal einen privaten Treuhändervertrag mit einem wirtschaftlich Berechtigten. Wer das ist, sei „Firmengeheimnis“, sagt Villiger. Seine Kunden fänden durch Empfehlungen zu ihm, sagt er. „Das ist, wie wenn Sie einen Zahnarzt suchen, da schauen Sie auch nicht ins Telefonbuch, sondern fragen Ihre Freunde, wo die hingehen.“ Für seine Tätigkeit erhalte er ein Honorar, „wie jeder andere, der beratend tätig ist“. Albert Villiger legt Wert auf die Feststellung, dass er weder für Lionel Messi noch für dessen Vater jemals in Steuersachen tätig gewesen sei. „Was er steuerlich macht, ist seine eigene Verantwortung“, sagt Villiger.

Umsatz, Mitarbeiterzahl, Schulden – in der Schweiz bleiben solche Informationen unter Verschluss. Auch könne man bei Tubal lange suchen, bis man eine haftbare natürliche Person finde, sagt ein Schweizer Rechtsanwalt, der Treuhandgesellschaften aufbaut und berät. Erst bei der Bankverbindung müsse der wirtschaftlich Berechtigte offengelegt werden. Aber nur für den internen Verkehr des Geldinstituts, und diese Daten unterliegen den strengen Regeln des schweizerischen Bankgeheimnisses.

Geld und Spiele

Unternehmen wie Adidas, Pepsico, Procter & Gamble wickelten die Verträge mit Messi über die Gesellschaften in Großbritannien und der Schweiz ab. Adidas teilt mit, „dass wir grundsätzlich keine Details zu unseren Verträgen mit Partnern herausgeben können. Die Besteuerung von Einkünften unterliegt unserem jeweiligen Partner.“ Pepsico will sich ebenfalls nicht „zu persönlichen Angelegenheiten der Spieler“ äußern. Und Procter & Gamble gibt an, man habe „über die öffentliche Berichterstattung hinaus keine Einblicke oder Kenntnisse zu der angesprochenen Thematik“. Das Unternehmen stehe auch weiterhin zu seiner „Partnerschaft mit Lionel Messi. Zu vertraglichen Inhalten der Zusammenarbeit mit unseren Markenbotschaftern, Geschäftspartnern oder Kunden äußern wir uns generell nicht.“

Zu den Vorwürfen der Steuerhinterziehung gegen die Messis haben sich auf Anfrage weder Lionel Messis Rechtsanwalt noch die von seinem Vater geführte Gesellschaft Leo-Messi-Management (LMM) geäußert. Kurz nach Bekanntwerden der Anschuldigungen äußerte Lionel Messie auf Facebook seine „Überraschung“ darüber. „Wir sind immer unseren Steuerverpflichtungen nachgekommen und sind immer den Ratschlägen unserer Steuerberater gefolgt, die sich darum kümmern werden, diese Situation zu bereinigen“, postete er. Sein Vater soll nach Informationen der Zeitung »El Periódico de Catalunya« in einem Brief an das Gericht den Sohn in Schutz genommen haben. Lionel Messi habe „immer nur Fußball gespielt“, schrieb er.

Mithilfe von Offshore-Gesellschaften Steuern zu sparen ist im Profi-Geschäft keine Ausnahme. Dan Clay berät in London Fuß-ballprofis bei Geldangelegenheiten und weiß, dass viele von ihnen ihre Bild- und Namensrechte über solche Firmen vermarkten. „Das ist normalerweise kein Problem, wenn sie die jeweilige Gesetzgebung und die Steuerabkommen der Staaten im Auge behalten“, sagt er. Und warum dem Staat geben, was man mit einem findigen Berater sparen kann?

Dass diese Leute dafür einen ordentlichen Anteil verlangen, ist klar. Dass sie dafür immer gute Arbeit abliefern, nicht. So droht Messi weiteres Ungemach, weil er mit Guillermo Marín, einem Agenten aus Argentinien, angeblich Gutes tun wollte.

Die spanische Guardia Civil bestätigte, dass sie Benefizspiele der Leo-Messi-Stiftung im Jahr 2012 und 2013 in Kolumbien untersucht. Gegen die lokalen Organisatoren wird wegen Geldwäsche ermittelt. Auch der Vorwurf der Steuerhinterziehung steht im Raum. Jorge Messi sei im Rahmen der Ermittlungen als Zeuge verhört worden.

Die Ermittler wollen genau wissen, wie viele Karten für die Spiele in Bogotá (2012) und Medellín (2013) verkauft wurden, wie viel Geld dabei verdient wurde – oder ob Einnahmen fingiert wurden. Der Zweck dieser Spiele sei es gewesen, „eine Spende für eine lokale Nichtregierungsorganisation zu sammeln“, heißt es in einer Erklärung von Leo Messi Management.

Andrés Barco, der die Spiele mit seiner Agentur in Kolumbien organisiert hat, sagt jedoch, es sei so gut wie nichts gespendet worden. Lediglich 10 000 Dollar seien an ein Sozialprojekt gegangen. Den Betrag habe er, Barco, aus eigener Tasche bezahlt – wohl auch, weil er sonst wegen Betrugs drangewesen wäre. Das Benefizspiel wäre – ohne Spende – ein kommerzielles Event gewesen.

Barco behauptet, er habe mit Guillermo Marín, dem Agenten, der die Spiele für die Stiftung vermarktet, vereinbart, für das Match in Medellín 850 000 Euro zu bezahlen. Weil aber so wenig Zuschauer gekommen seien, habe er kaum Einnahmen gehabt. Bislang konnte er nur knapp die Hälfte an einen Trust bei einer Bank in Panama überweisen lassen. Den Rest schulde er noch. Der Empfänger des Geldes, so versichert er, sei Guillermo Marín, dessen Name nicht auf dem Überweisungsträger steht.

Barco, der beim großen Fußballgeschäft mitverdienen wollte, behauptet, ruiniert zu sein. „Wir haben nichts an den Benefizspielen verdient. Wir mussten viel Geld dafür bezahlen.“ Er will jetzt als Berater arbeiten oder, wenn es nötig sein sollte, Autos waschen. „Das erscheint mir eine würdevolle und ehrliche Arbeit.“

Ob er die Wahrheit sagt? Sicher ist, dass er versucht, seinen Hals zu retten. Noch laufen die Ermittlungen in Spanien.

Auf Anfragen bezüglich der Benefizspiele haben weder Guillermo Marín noch das Management oder der Rechtsanwalt von Lionel Messi geantwortet. In einer Presseerklärung gab Marín an, dass bei den Spielen alles korrekt gelaufen sei. Leo Messi Management (LMM) teilte per Pressemitteilung mit: „Nicht LMM oder die Leo-Messi-Stiftung organisieren diese Spiele. Sie werden von einem Dritten organisiert. Daher erhalten weder LMM noch die Stiftung Einnahmen.“ In Kolumbien seien 100 000 Dollar für soziale Zwecke gespendet worden.

Um Fußball ging es übrigens auch. Der Titel des Events in Medellín lautete: „Der Krieg der Sterne II.“ Er endete 9:6 für die Mannschaft von Messi. Der Superstar spielte 70 Minuten und schoss ein Tor. ---
Was würden Sie hinter diesen Türen vermuten? Büro des Direktors von Sidefloor... ; Foto: Olivier Hess
... und der Sitz von Sidefloor in London; Foto: Olivier Hess