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CTS Eventim

Wer in Europa ein Konzert besuchen will, kommt am Ticketverkäufer CTS Eventim kaum vorbei. Der unbekannte Riese wächst so schnell, dass er bald Weltmarktführer sein könnte. Profitabler als sämtliche Konkurrenten ist die Firma jetzt schon.





Die Firma CTS Eventim, die Stars wie Bruce Springsteen und Depeche Mode vermarktet, wächst seit Jahren im Schnitt zweistellig. Im ersten Quartal dieses Jahres legten die Erlöse um stattliche 24 Prozent zu. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen müssen die Künstler verstärkt auf Tour gehen, da sie immer weniger mit CDs verdienen. Dafür brauchen sie Veranstalter, die Konzerte organisieren. Außerdem leisten sich die Fans den Spaß auch in Krisenzeiten. Selbst 2008 und 2009 gab es keine Umsatzrückgänge. Von den Erlösen blieben 2009 nach Abzug aller Betriebskosten gut 15,3 Prozent (71 Millionen Euro) als Betriebsgewinn (EBIT) übrig, deutlich mehr als im Vorjahr. Beim Konkurrenten Deutsche Entertainment AG (DEAG) betrug die EBIT-Marge 2009 nur 4,1 Prozent – nach minus 2,8 Prozent im Jahr 2008.

Das Erfolgsgeheimnis der Firma ist der Mix zweier Geschäftsmodelle: Sie veranstaltet nicht nur Konzerte (Live-Entertainment), sondern übernimmt auch für andere Veranstalter den Vertrieb der Eintrittskarten (Ticketing). CTS kassiert für jede verkaufte Karte eine Provision von 10 bis 15 Prozent auf den Eintrittspreis. Da der Verkauf zu 50 Prozent – mit steigender Tendenz – online erfolgt, entstehen bei zusätzlichem Absatz nur geringe zusätzliche Kosten. Gleichzeitig sammelt die Firma wertvolle Kundendaten, die sich vermarkten lassen. Die Folge: Im Ticketing liegt die EBIT-Marge bei knapp 30 Prozent. Das ist das Niveau von Apple – und fast fünfmal so viel wie bei dem Weltmarktführer im Ticketing-Geschäft, dem US-Konzern Live Nation.

Der CTS-Gründer Klaus-Peter Schulenberg erkannte schon früh, dass man im Konzertgeschäft nur mit Ticketing richtig Geld verdienen kann. Dennoch erwarb er zunächst Beteiligungen an Veranstaltern (an diese „nicht beherrschenden Anteile“ fließt bis heute ein Teil der Gewinne), um sich Karten für seine Vertriebskanäle – Vorverkaufsstellen, Callcenter und später zunehmend die Online-Plattform – zu sichern. Mittlerweile ist er in Europa die Nummer eins, sowohl im Ticketing wie auch unter den Veranstaltern, und setzt jährlich 110 Millionen Karten ab. Konkurrent Live Nation ist weltweit mit knapp 150 Millionen verkauften Tickets noch größer, aber lange nicht so profitabel.

Im Ticketing liegt das vor allem an der Übernahmepolitik der Amerikaner: Kaufen sie Konkurrenten, übernehmen sie oft deren IT, arbeiten daher mit Dutzenden verschiedener Systeme. Neuerungen umzusetzen wird so teuer und zeitaufwendig. CTS hat eine einzige Software – für alle 23 Länder, in die die Firma verkauft. Die jährlichen Investitionen, um die Plattform auf dem neuesten Stand zu halten, 10 bis 13 Millionen Euro pro Jahr, finanziert das Unternehmen aus dem operativen Cashflow.

Zudem geht die Firma bei Übernahmen vorsichtig vor. Sie strebt eine Verzinsung des Kapitals von 20 Prozent an, kauft nur zu moderaten Preisen. Das zeigt sich an der Position „Geschäfts- oder Firmenwert“, die den Goodwill ausweist. Das ist der Teil des Kaufpreises, der über die Summe der Sachwerte hinausgeht, der Markenname etwa oder die Kundenbeziehungen. Je teurer ein Kauf, desto höher diese Position. Sie ist bei CTS geringer als das Eigenkapital – in der IT-Industrie liegt sie häufig weit darüber.

Auch als Veranstalter arbeitet CTS effizient, beschränkt sich auf den deutschsprachigen Markt, den man gut kennt. Zu teuer dürfen Tickets nicht sein, sonst bleiben die Hallen leer; zu billig auch nicht, denn die Künstler fordern Gewinngarantien. Der CTS-Durchschnittspreis liegt bei gut 50 Euro. Von 100 Euro Umsatz bleiben nach Abzug der operativen Kosten 6,20 Euro hängen (Umsatzerlöse Live-Entertainment geteilt durch EBIT). Bei DEAG sind es 4,60 Euro, Global Player Live Nation macht ein dickes Minus. ---

1989 gegründet, ist CTS Eventim heute einer der weltweit führenden Konzertveranstalter und Ticketvertriebe. Die seit 2000 börsennotierte Firma, die sich nach wie vor zu gut 50 Prozent im Besitz des Gründers Klaus-Peter Schulenberg befindet, unterhält europaweit mehr als 20 000 Vorverkaufsstellen sowie Callcenter und eine Internetplattform, über die jährlich rund 180 000 eigene und fremde Events, darunter exklusiv die Fußball-WM 2006, vermarktet werden. CTS wird derzeit an der Börse mit rund zwei Milliarden Euro bewertet und beschäftigt knapp 2000 Mitarbeiter.