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WeltSparen - Festgelder in Europa

Die Zinsen in Deutschland sind niedrig, in Rumänien zum Beispiel hoch. Was folgt daraus? Eine gute Geschäftsidee.





• Es gibt Ideen, die liegen auf der Hand. So einfach sind sie. Und so einleuchtend, dass die Kunden eigentlich gar nicht Nein sagen können. Tamaz Georgadze hatte solch einen Geistesblitz.

Man trifft ihn in einem Hinterhof-Souterrain in Berlin-Mitte. Am Klingelschild steht der Name Savingglobal GmbH. Hinter der Tür ein großer Raum, Georgadze hat ihn für 350 Euro im Monat gemietet. Die zwei Schreibtischreihen teilt er sich mit seinen 14 Mitarbeitern, den Konferenzraum im fünften Stock mit einer anderen Firma. Der gebürtige Georgier versteht ganz offenbar etwas vom Sparen. Jetzt will er den Deutschen beibringen, wie man clever Geld zurücklegt. Seine Idee hat er Weltsparen genannt.

Der Unternehmer will das Kapital der Anleger an ausländische Banken vermitteln, die für Ersparnisse höhere Zinsen bieten als die Banken hierzulande – bei nahezu gleichem Risiko. Die Institute unterliegen alle der europäischen Einlagensicherung, die Beträge bis zu 100 000 Euro garantiert. Dennoch werden die Ersparnisse bei Georgadzes’ Partnerbanken aber deutlich höher verzinst. Denn nirgendwo in der EU sind die Sätze für Spareinlagen so niedrig wie in Deutschland. Bei einer rumänischen Bank etwa gibt es zurzeit drei Prozent für zwölf Monate, 1,3 Prozentpunkte mehr als beim besten Anbieter hierzulande. „Die deutschen Anleger haben mehr verdient“, sagt Georgadze.

Der 35-Jährige ist ein bedachter, analytischer Mann. Er weiß, dass er eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht hat, die es zu nutzen gilt: Der Markt für Spareinlagen ist – trotz Währungsunion, trotz einheitlicher Leitzinsen der Europäischen Zenztralbank (EZB) – alles andere als homogen. Die Zinsen sind nicht überall gleich.

Wer regelt den Zins? Angebot und Nachfrage

Denn das Angebot von Ersparnissen ist zum Beispiel in Osteuropa geringer als bei uns, weil die meisten Menschen dort seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ihre Einkommen zum Leben brauchten. Zum Sparen blieb wenig übrig, und die wenigen Reichen brachten ihr Geld immer schon ins Ausland. Auch die krisengebeutelten Südeuropäer flüchten mit ihren Ersparnissen aus der Heimat, gern nach Deutschland – trotz niedriger Zinsen. „Für die Banken Ost- und Südeuropas ist es deshalb schwerer, an Geld zu kommen“, sagt Georgadze.

Deshalb ist die Nachfrage der dortigen Banken hoch. Irgendwie müssen sie sich refinanzieren, um Kredite vergeben zu können. Doch viele Finanzquellen sind versiegt. „Die neuen Regeln des Baseler Regulierungsausschusses erschweren es den Banken, sich grenzüberschreitend untereinander Geld zu leihen“, erläutert Mark Wahrenburg, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. „Seit die Institute wegen der Krise strenger kontrolliert werden, funktioniert der Transport des Geldes nicht mehr“, so der Wissenschaftler. Und weil es auch bei der EZB Liquidität nur gegen Sicherheiten gibt, von denen die Banken zu wenige haben, sind die Geldhäuser in Rumänien, Spanien oder Portugal sehr viel stärker auf Spareinlagen angewiesen als die bundesdeutsche Konkurrenz – und bieten daher höhere Zinsen.

Das spricht zwar nicht für die europäische Idee, aber für das Angebot von Tamaz Georgadze. Wahrenburg nennt es „so verblüffend einfach“, dass es eigentlich den deutschen Banken hätte einfallen müssen.

Warum nur ist keines der großen Institute darauf gekommen? Georgadze kennt die Antwort. Es liegt nicht im Interesse der Banken, ihre deutschen Kunden freiwillig darauf hinzuweisen, dass sie bei der spanischen Filiale mehr für ihr Geld bekämen.

Genau das aber ist der Fall: Die Deutsche Bank etwa zahlt in Italien und Spanien für Festgeld mit einer Laufzeit von zwölf Monaten (in Spanien 13 Monate) 1,5 Prozent. In Deutschland sind es nur 0,8 Prozent. Oder Rabodirect, die Kommunalbank aus den Niederlanden: Sie bietet deutschen Sparern für Tagesgeld 1,3 Prozent, irischen Sparern derweil bis zu zwei Prozent.

Georgadze und seine zwei Mitgründer Michael Stephan und Frank Freund wissen das alles seit ihrer gemeinsamen Zeit bei McKinsey. Fünf Jahre lang haben sie europäische Banken in Georgien, Russland und Deutschland beraten. Sie stellten fest, dass die Zinsdifferenzen in Europa größer wurden, je tiefer die Leitzinsen sanken, je länger also die Euro-Krise dauerte. Und so entdeckten sie einen völlig neuen Markt.

Noch verlieren deutsche Sparer Geld. Viel Geld

Am 10. Dezember ist Weltsparen online gegangen, Kunden können in Rumänien, Bulgarien oder in Portugal sparen, ohne dafür vor Ort ein Konto eröffnen zu müssen. „Das übernehmen wir“, sagt Georgadze. Der Kunde muss sich Weltsparen gegenüber legitimieren, bekommt ein Transaktionskonto bei der Frankfurter MHB-Bank, mit der Weltsparen zu diesem Zweck zusammenarbeitet, und schon steht ihm der europäische Markt offen. Georgadze verhandelt derzeit mit 15 Geldhäusern über eine Partnerschaft. „Wir haben schon mit über 100 Banken gesprochen, die meisten warten ab, was die Konkurrenz macht.“

Sein Geschäftsmodell ist so simpel wie die Idee: Von den Banken erhält die Firma eine Provision, deren Höhe sich nach den Einlagen des Kunden berechnet. Um einen Neukunden zu gewinnen, kalkuliert Georgadze mit Gesamtkosten inklusive Vertrieb und Bearbeitung von mehr als 100 Euro. Um an ihm Geld zu verdienen, müsse dieser Kunde mindestens 30 000 Euro anlegen. Ihn nach einem Jahr zum Bleiben zu bewegen koste nur noch 30 bis 40 Euro. Spätestens 2015 will man in der Gewinnzone sein. Bis dahin reicht das Startkapital in Höhe von zwei Millionen Euro, das 19 Investoren überwiesen haben – alles private Kontakte von Georgadze, viele von ihnen aus der Finanzbranche, die an das Potenzial der Idee glauben. Auch zwei Großbanker seien darunter.

Der Ex-Berater ist kein Verkäufertyp, zurückhaltend, sehr höflich, bescheiden. Dick aufzutragen hat er nicht nötig. Mit zwölf machte er in Georgien Abitur, mit 15 hatte er den Abschluss in Wirtschaftswissenschaften mit Auszeichnung in der Tasche, mit 19 seinen ersten Doktortitel, den zweiten in Deutschland an der Universität Gießen mit 24.

Schon vor fünf Jahren brütete er über der Idee von Weltsparen. Auch damals waren die Zinsen im Ausland höher als in Deutschland, aber das Leid der deutschen Sparer war noch nicht groß genug. Heute ist das anders. Die Deutschen sind Europameister im Sparen. Fünf Billionen Euro Geldvermögen haben sie über die Jahrzehnte angehäuft. Sparbuch und Termingeld sind immer noch ihre Lieblingsanlagen.

Weil aber die Preise schneller steigen als die Zinseinnahmen, verlieren sie Geld. Viel Geld. Ein Rechenbeispiel macht das deutlich: 900 Milliarden Euro des deutschen Geldvermögens bestehen aus Einlagen, die sofort kündbar sind. Sie bringen im Schnitt 0,42 Prozent Zinsen. Bei einer Inflationsrate von 1,6 Prozent können die Deutschen also pro Jahr jeweils 1,18 Prozent weniger für ihr Erspartes kaufen – ein Gegenwert von knapp elf Milliarden Euro oder 0,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Tamaz Georgadze will vorerst auf Werbung verzichten. Er setzt darauf, dass das andere für ihn erledigen. Jens Weidmann zum Beispiel, der Bundesbank-Präsident, der seit der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank Anfang November keine Gelegenheit auslässt, die niedrigen Zinsen als „Ärgernis für die Sparer“ zu brandmarken. Die Großkoalitionäre von Union und SPD warnen ebenso wie der Bund der Versicherten, der die Altersvorsorge in Gefahr sieht. Und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft nennt die Zinspolitik der EZB ein „fatales Signal an alle Altersvorsorgesparer in Deutschland“.

Schon ohne Georgadzes Hilfe verschieben immer mehr Deutsche ihre Ersparnisse ins Ausland. Insgesamt stieg der Saldo aus deutschen Auslandsforderungen- und verbindlichkeiten im vergangenen Jahr um 228 Milliarden Euro an, allein 157 Milliarden Euro davon gehen auf das Konto privater Anleger, die sich mit ausländischen Anleihen eingedeckt haben. „In dieser Entwicklung dürfte unter anderem die Suche privater Wirtschaftsakteure nach Rendite zum Ausdruck kommen“, schrieb die Bundesbank in ihrem Monatsbericht.

Mit Weltsparen wird die Geldanlage im Ausland noch attraktiver. Zum einen weil Georgadze und seine Kollegen es den Kunden denkbar leicht machen. Zum anderen, weil bei Sparguthaben – anders als bei Anleihen – die europäische Einlagensicherung bis 100 000 Euro greift. Noch-Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble hat sie erst im Sommer bekräftigt: „Auf die Einlagensicherung kann sich jeder verlassen, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.“

Allerdings: Es ist ein politisches Versprechen, das muss sich jeder Anleger bewusst machen. Unter extremen Bedingungen, die in der Eurozone immer wieder auftreten, besteht die Gefahr, dass die Zusage kassiert wird. Und selbst wenn sie greift: Es kann dauern, bis die nationalen Einlagensicherungsfonds im Falle einer Bankpleite die Kunden abfinden. Schließlich ist der Zusammenbruch der Euro-Zone ein Szenario, in dem das Geld verloren gehen kann, das sieht auch Georgadze so.

Das Ende des Unternehmens würde ein solcher Kollaps nach Überzeugung des Gründers nicht bedeuten. Nicht umsonst hat er seine Firma Weltsparen genannt – und nicht Europasparen.

Man kann schließlich auch außerhalb der Europäischen Union investieren. In Georgien etwa gibt es 6,5 Prozent auf zwölf Monate fest, selbst wenn man in Euro anlegt. Georgadze und seine Mitgründer haben Mut zum Risiko bewiesen und einen Teil ihrer Ersparnisse dort angelegt, wo der Einlagensicherungsfonds nicht greift. Ist das für ihre Kunden auch bald möglich? „In einem Jahr wollen wir so weit sein, dass unsere Kunden auch außerhalb der EU sparen können“, sagt der Gründer. Georgien könnte den Anfang machen. Er ist dort gut vernetzt, seit seiner Zeit als persönlicher Referent von Eduard Schewardnadze. Der war damals georgisches Staatsoberhaupt – und Tamaz Georgadze gerade 16 Jahre alt. ---
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