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Dave Stewart - Eurythmics

Dave Stewart, ehemaliger Gitarrist der Eurythmics, hätte dafür auch gar keine Zeit. Porträt eines unheimlich produktiven Popstars.





• Alternde Rockstars ziehen sich gern auf Landsitze zurück und geben nur noch gelegentlich Benefizkonzerte. Dave Stewart, 61, ist anders gestrickt. Mit den Eurythmics hat er in den Achtzigerjahren Musikgeschichte geschrieben und 80 Millionen Alben verkauft. Er könnte ein luxuriöses Rentnerleben führen – stattdessen ist er umtriebig wie eh und je. Schreibt Songs und produziert welche für andere Künstler wie Katy Perry, komponiert Filmmusik, Musicals, veröffentlicht Comics und produziert eine Serie für den amerikanischen Sender ABC. Ach ja: „Nebenher“ betreibt er mit dem Microsoft-Mitgründer Paul Allen noch einen Club für Kreative in London.

„Ich sehe älter aus, aber ich fühle mich wie mit 27“, sagt Stewart über sich. Neugierig und fleißig war er bereits in jungen Jahren. Mit acht bekam er einen Kassettenrekorder und lief durch die Gegend, um Stimmen und Musik aufzunehmen. Ein paar Jahre später lernte er Gitarre auf dem Instrument seines Bruders. Anders als bei vielen anderen Musikern gingen seine Interessen darüber hinaus, so hat er sich bei den Eurythmics auch um die Inszenierung der Band gekümmert. Der Maler Salvador Dalí inspirierte ihn zu dem surrealen Video für den Song „Sweet Dreams (Are Made of This)“, in dem eine Kuh durch ein Konferenzzimmer trottet. Mit dem Lied gelang dem Duo 1983 der Durchbruch.

Lennox & Stewart wurden zu Stil-Ikonen – ruhten sich aber nie darauf aus. Ihr Erscheinungsbild änderte sich ebenso wie ihre Musik. „Hätten wir versucht, den Erfolg von Sweet Dreams zu wiederholen, wären wir gescheitert und als Band der Elektropop-Ära abgestempelt worden“, sagt Stewart. Die Eurythmics sind Geschichte, doch er arbeitet noch im selben Rhythmus. Seine jüngsten drei Soloalben hat er jeweils in weniger als zwei Wochen geschrieben. Mit Mick Jagger nahm er in nur zehn Tagen 29 Lieder für das gemeinsame Projekt „Superheavy“ auf. „Wir haben spontan drauflosgespielt und ein bis zwei Durchgänge für jeden Song gebraucht“, erinnert sich Jagger. Stewart hat keine Angst, etwas zu veröffentlichen, was er später bereuen könnte: „Ich arbeite für die Gegenwart, nicht für die Zukunft.“

Demnächst will Dave Stewart eine Bank gründen

Unternehmen rät er, ebenso zu verfahren: „Vor 20 Jahren arbeiteten Firmen noch mit Fünfjahresplänen, heute brauchen sie Pläne für die nächsten 48 Stunden.“ Wie man auf Ideen kommt, ist in seinem Ratgeber „Business Playground: Where Creativity and Commerce Collide“ nachzulesen – der Titel Firmenspielplatz ist durchaus wörtlich zu nehmen. In Stewarts eigener Ideenfabrik „Weapons of Mass Entertainment“ in Los Angeles, dürfen sich alle Mitarbeiter nach Lust und Laune an jedem Projekt beteiligen. Dort werden unter anderem Videos für Marken wie Converse, Chanel und Hyundai gedreht. Stewart ist überzeugt, dass nach dem Niedergang der Plattenindustrie die Zukunft für viele Musiker in der Zusammenarbeit mit großen Unternehmen liegt. Und er denkt schon weiter: Mit einem ehemaligen Vorstand der Credit Suisse will er eine Bank für Kreative gründen. Die First Artist Bank soll Kunden bei der Verwertung ihrer Urheberrechte und beim Aufspüren neuer Erlösquellen helfen. Stewart hat selbst gute Erfahrungen mit der Finanzbranche gemacht.

Weil 1983 keine Plattenfirma die Produktionskosten für Sweet Dreams übernehmen wollte, baten er und Annie Lennox in einer Londoner Bank um einen Kredit in Höhe von 5000 Pfund. „Annie war der Besuch unangenehm, aber ich erklärte dem Filialmitarbeiter, was wir vorhatten und dass wir sehr viel Geld verdienen würden, wenn das Album ein Hit würde. Glücklicherweise hat er sich von unseren exotisch gefärbten Haaren nicht irritieren lassen und uns das Geld gegeben.“ Zwei Jahre später gingen auf dem Konto von Stewart und Lennox acht Millionen Pfund ein. Er ist dem Bankangestellten bis heute dankbar: „Ich habe ihm vor Kurzem zu seinem 65. Geburtstag eine goldene Schallplatte für seine Sammlung geschickt.“ ---