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Engels Kerzen

Wie kann man sich mit Kerzen einen Namen machen? Wenn man Engels heißt und noch bessere Ideen hat.





• Der dritten Unternehmergeneration eilt der Ruf eines gewissen Desinteresses am ererbten Geschäft voraus. Für Thomas Engels, Chef des gleichnamigen Kerzenherstellers im Städtchen Kempen am Niederrhein, gilt das nicht. Er hat sich bewusst für die Firma entschieden – und gegen eine Tennisprofi-Karriere; er spielte in seiner Jugend hochklassig. Der 49-Jährige sprüht vor Energie und Ideen. Die Ergebnisse sind im Unternehmens-Shop zu sehen, wo Kerzen in allen Formen und Farben sowie Deko-Artikel präsentiert werden, ein Weihnachtshase sticht besonders ins Auge. Dann zeigt er den Teil des Betriebs, wo noch mit der Hand gearbeitet wird – unter anderem an Kirchenkerzen. „Wichtig ist ein bestimmter Anteil Bienenwachs“, erklärt Engels. „Die Liturgie schreibt mindestens zehn Prozent vor.“ Vor der Auslieferung der Premium-Produkte gibt es noch ein liebevolles Finish: Mitarbeiterinnen polieren die Kerzen mit Seidenstrümpfen auf Hochglanz.

Der Unternehmer eilt schon weiter zu einer jüngst erworbenen Halle, in der Kerzen in großen Stückzahlen für Firmenkunden, zum Beispiel aus der Kosmetikbranche, produziert werden. Gleich nebenan hat er zudem ein Grundstück gekauft, auf dem er ein „Land der Emotionen“ plant. Dort sollen die eigenen Kreationen noch schöner zur Schau gestellt werden.

Engels kann sich die Produktion im Hochlohnland Deutschland leisten, weil er profane Gegenstände in Luxus- und Lifestyle-Artikel verwandelt, bei denen die Kundschaft – zum Großteil sind es Frauen – nicht auf den Cent achtet und zum Beispiel für eine Duftkerze namens Sentimentals 24,95 Euro zahlt. Und weil er sich eine eigene Marke mit Engel im Logo gemacht hat.

Bis in die Neunzigerjahre trat man für Endkunden nicht in Erscheinung. Der Junior änderte das und freut sich über den Erfolg: „Wir sind Marktführer im Premiumsegment.“ Und: „Der Name ist die halbe Miete.“

Bei seinen Kreationen orientiert er sich nicht mehr wie seine Vorgänger an der Liturgie, sondern an der Mailänder Modewoche, an Farben und Düften, die gerade en vogue sind. Der Chef denkt sich ständig neue Modelle aus. Im Sortiment sind Wellness-Kerzen, mit deren Wachs man sich einreiben kann. Dicke, Finca genannte Brummer zur Verschönerung von Terrassen, Gärten und Saunalandschaften. Und solche mit Holzdocht, die knistern wie ein Mini-Kamin.

So trotzt der Unternehmer der Billigkonkurrenz. Außerdem ist er auf der Hut; über seine Rezepturen schweigt er ebenso wie über Geschäftszahlen. Es ist ihm lediglich zu entlocken, dass Kirchenkerzen nur noch 7 Prozent zum Umsatz beitragen und die eigene Marke 50 Prozent. Ein Blick in die veröffentlichten Bilanzen zeigt eine beständig wachsende Firma mit solider Eigenkapitalquote von rund 36 Prozent.

Thomas Engels ist von seiner Marke so begeistert, dass er demnächst noch eine zweite lancieren will, die Caluma heißen soll. Ihr Zweck ist nicht zuletzt der Abverkauf übrig gebliebener Saisonware der Hauptmarke – auf dass wieder Platz ist für neue Ideen des Chefs. ---

Karl-Wilhelm Engels produziert ab 1933 in Kempen Kirchenkerzen und macht sich beim Klerus einen guten Namen. Sein Sohn entdeckt in den Sechzigern eher zufällig ein zweites Standbein: Bei der Wiederverwertung von Altwachs aus Kirchen entstehen Kerzen mit ungewöhnlichen Farben, die der Innenausstatter Gunther Lambert abnimmt. Weitere Firmenkunden aus der Mode-, Parfüm- und Lifestyle-Branche folgen. 1996 übernimmt Thomas Engels die Führung. Er kreiert eine eigene Marke. Hält aber auch den sakralen Teil des Geschäftes in Ehren. 2005 bekommt er den Zuschlag für die Ausstattung des katholischen Weltjugendtags in Köln – was ihm auch dank des gerade gewählten Papstes Benedikt viel Aufmerksamkeit beschert. Stolz ist der Unternehmer auf den Titel „Offizieller Domlieferant des Bistums Aachen“. Für den Barbarossaleuchter, der dort zu feierlichen Anlässen illuminiert wird, hat er spezielle Kerzen entwickelt: Sie verlöschen nach einer Stunde und fünfzig Minuten von allein.

Engels Kerzen GmbH

Mitarbeiter: rund 50; Umsatz: k. A.; Bilanzsumme zum 31.12.2012: ca. 1,9 Millionen Euro