Partner von
Partner von

Lindt & Sprüngli: Blick in die Bilanz

In der Adventszeit boomt das Geschäft mit Schokolade, und besonders hell klingelt die Kasse bei Lindt & Sprüngli. Das Schweizer Unternehmen ist so erfolgreich, dass die Aktie mittlerweile rund 46 000 Schweizer Franken kostet.




In puncto Wachstum lässt Lindt & Sprüngli die Konkurrenz weit hinter sich: Um 9,6 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Franken steigerten die Schweizer ihre Erlöse mit Produkten wie den roten Lindor-Kugeln oder dem Goldhasen in den ersten sechs Monaten 2013 im Vergleich zum Vorjahr. Da kam keiner mit – weder Riesen wie Nestlé (1 Prozent plus mit Marken wie Smarties, Kit Kat, Cailler) oder Mondelez (plus 0,8 Prozent mit Milka, Oreo, Toblerone) noch ein kleinerer Konkurrent wie der US-Anbieter The Hershey Company (plus 6 Prozent). Lindts Gewinn wuchs – vor allem aufgrund des klugen Einkaufs von Kakaobohnen – um 40 Prozent auf gut 48 Millionen Franken. Die Tendenz hält an: Daten des Marktforschers Nielsen zufolge wuchs der Schokoladenmarkt in Europa zwischen Juli und Oktober um 2,7 Prozent, die Schweizer aber erzielten 5,6 Prozent mehr Umsatz. In den USA verzeichnete die Branche im Schnitt ein Plus von 4,1 Prozent, Lindt & Sprüngli eines von 14,7 Prozent.

Die guten Zahlen verdankt das Unternehmen nicht nur, aber auch der Qualität seiner Produkte: der Materialaufwand ist mit einem Anteil von gut 37 Prozent die mit Abstand größte Kostenposition. Vor allem aber profitieren die Schweizer von ihrer starken Marke. Wie große Mode-Labels eröffnen sie mittlerweile eigene Läden – 160 sind es weltweit bereits, die im ersten Halbjahr 2013 rund 97 Millionen Franken umsetzten. Jedes Jahr kommen 10 bis 15 neue hinzu.

In den USA, dem größten Schokoladenmarkt der Welt, ist Lindt & Sprüngli Marktführer im Premiumsegment, wuchs im ersten Halbjahr 2013 mit 13,5 Prozent (auf 301 Millionen Franken) schnell wie nirgendwo sonst, getrieben unter anderem durch die Marke Lindor, das bestverkaufte Label der Schweizer. Ein Erfolgsrezept: ständige Produktinnovationen, etwa neue Verpackungsideen, die Schätzungen zufolge rund 20 Prozent des jährlichen Umsatzes ausmachen. Gut läuft es auch in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Sie verbergen sich hinter „Alle übrigen Segmente“. Die Erlöse dort legten 9,1 Prozent zu – auch die Chinesen lieben Lindor, die Farbe Rot steht für Glück.

An der Profitabilität zeigt sich, wie stark das Weihnachtsgeschäft zu Buche schlägt. Sie liegt im ersten Halbjahr weit hinter der Konkurrenz: Die operative Marge (Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz) beträgt 5,8 Prozent. Nestlé bringt es (mit Süßigkeiten) auf 12,7, Mondelez auf 9,8, The Hershey Company sogar auf 19,8 Prozent. Der Grund: Weniger als 40 Prozent des Jahresumsatzes erzielt Lindt & Sprüngli im ersten Halbjahr. Fixkosten für Produktion und Verwaltung etwa werden voll verrechnet. Im Gesamtjahresvergleich stehen die Schweizer deutlich besser da, 2012 schafften sie eine operative Marge von 13,6 Prozent.

Die Bilanz ist makellos: Praktisch schuldenfrei, die Eigenkapitalquote beträgt 69 Prozent. Und das wird vorerst so bleiben, weil die Firma mit einem operativen Cashflow von 210 Millionen Euro schon in den ersten sechs Monaten 2013 mehr Geld eingenommen hat, als sie im Gesamtjahr investieren will (rund 200 Millionen Franken). Kredite sind also nicht nötig. Auch für eine Dividende – 500 Euro pro Aktie – bleibt genug übrig. Zwar wirkt das Papier mit rund 46 000 Franken absurd hoch bewertet, doch das täuscht. Beim Börsengang 1986 wurden vergleichweise wenige Aktien zu einem hohen Kurs ausgegeben. Die Entwicklung seither war gut, der Zinseszinseffekt tatein Übriges, und auf häufige Aktiensplits, üblich bei anderen Konzernen, um ihre Papiere billiger erscheinen zu lassen, verzichtete man. Viele Analysten empfehlen das Papier aufgrund der guten Wachstumsaussichten weiterhin zum Kauf. ---

1845 probierte sich der Konditor David Sprüngli-Schwarz in der Zürcher Altstadt an einer Innovation: Er versuchte, Schokolade, die man bis dahin nur trinken konnte, in eine feste Form zu bringen – mit Erfolg. 54 Jahre später übernahm Sprüngli den Berner Konditor Lindt, der damals als Meister des zarten Schmelzes galt. Lindt & Sprüngli war geboren. Schon 1915 exportierte die Firma in 20 Länder, setzte die Expansion nach Ende der Weltkriege fort, immer mit dem Fokus auf Qualität und entsprechenden Preisen. 1986 ging man an die Börse, gut 70 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. Seit 1993 wird die Firma erfolgreich von dem Schweizer Ernst Tanner geführt, sie produziert in Europa und den USA und beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter.