Hinterher Fahrradanhänger

Ein Möbeldesigner verlegt sich auf Fahrradanhänger. Die Geschichte einer Geschäftsidee, die wie von selbst ins Rollen kam.





• Peter Hornung-Sohner ist kein Ich-Typ, er sagt lieber „wir“, wenn er über seine Arbeit spricht. Dabei ist er Alleinunternehmer. Aber er habe viel Hilfe, betont der 48-Jährige: von Bekannten, freien Mitarbeitern und Geschäftspartnern. „So ein Projekt funktioniert nur im Verbund.“

Dass dieses Vorhaben aus einer kleinen Münchner Möbelwerkstatt einen erfolgreichen Hersteller für Fahrradanhänger machen würde, hat er nicht vorhergesehen – zum Glück. „Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt“, sagt Hornung-Sohner in seiner ruhigen Art, „dann hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht.“

Eigentlich hatte er vor zwei Jahren nur nach einer Möglichkeit gesucht, Dinge unkompliziert zu transportieren. Seit 1999 führt der Vater dreier Kinder eine Möbelwerkstatt in einer Hinterhof-Remise im Glockenbachviertel. Die Geschäfte laufen gut, aber ihn ärgert, dass er bei Fahrten zu seinen Kunden in der Innenstadt keinen Parkplatz für seinen Lieferwagen findet.

Es müsste doch auch mit dem Fahrrad gehen, denkt sich Hornung-Sohner und sucht nach einem Anhänger, findet aber keinen, der seinen Ansprüchen genügt. Neben der Traglast und Qualität kommt es ihm auch auf das Aussehen an. „Denn ein Fahrrad fahrender Handwerker wird leider noch oft belächelt.“

So entwirft der Schreiner, der nach seiner Ausbildung noch Architektur studiert hat, seinen Wunsch-Anhänger. Schon die ersten Prototypen stoßen im Bekanntenkreis auf Interesse und bringen Hornung-Sohner wichtiges Feedback. Fünf Baureihen dauert es, dann ist der Schöpfer zufrieden mit seinem Werk. Er nennt das Gefährt, das er in zwei Größen anbietet, „Hinterher“. Es lässt sich in kürzester Zeit in einen Handwagen oder eine Sackkarre verwandeln. Die Belastungsgrenze liegt bei mehr als 150 Kilogramm, die Aluwanne gibt es in zwölf verschiedenen Farben. Alle 20 Einzelteile, die Hornung-Sohner in seiner Werkstatt montiert, stammen von regionalen Lieferanten. Nur die Laufräder bestellt der Münchner in Italien.

Während die billigsten Fahrradanhänger aus Plastik im Handel schon für 20 Euro erhältlich sind, kann Hornung-Sohner den Verkaufspreis des „Hinterher“ nur mit Mühe unter 500 Euro halten, indem er zum Beispiel Einzelteile gleich in großen Mengen ordert. Dabei ist nicht absehbar, wie viele Menschen bereit sein werden, für einen Anhänger so viel Geld auszugeben. „Das ist doch wieder nur ein schickes, überteuertes Lifestyle-Produkt?“, steht auf der Hinterher-Website unter „Häufige Fragen“. Natürlich nicht, sagt Peter Hornung-Sohner, „aber wenn ich schon etwas entwerfe, dann soll es auch lange halten und schön sein“. Vor allem die Spritzgussteile machen den Anhänger teuer: „Allein die Entwicklung der Deichselaufnahme hat 40 000 Euro gekostet.“

Während Fahrradhändler anfangs wegen des Preises skeptisch sind, gibt es in Fachzeitschriften viel Lob für den „Hinterher“, dessen „Achsstummel auf Knopfdruck satt in ihren Messingführungen einras-ten“. Der Outdoor-Ausstatter Globetrotter nimmt die bunten Anhänger in sein Sortiment auf; die Stadt München verleiht dem Erfinder den Umweltpreis.

Die Nachfrage steigt ganz ohne Werbung. Nach dem Verkaufsstart im Mai 2013 setzt er bis Jahresende 150 Anhänger ab. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sind es 120. Unter den Kunden sind Fahrradfreaks, Senioren, Angler oder Camper. Viele haben Sonderwünsche: Halterungen für Surfbretter oder Kinderfahrräder, ein in den Anhänger integriertes Kleiderstangensystem, Kufen für den Einsatz im Schnee. Auch ein Hundeanhänger ist in Planung.

In der Werkstatt stapeln sich bunte Aluwannen und Reifen; für das Handwerk ist immer weniger Raum und Zeit. Seit Januar widmet sich der Schreiner ausschließlich dem Fahrradanhänger. Anfänglich hatte Hornung-Sohner mit 40 000 Euro Investitionskosten gerechnet. „Diesen Betrag habe ich dann aus meiner Erfahrung als Handwerker verdoppelt.“ Aber er unterschätzte die Werkzeug- und Materialkosten. Inzwischen stecken 180 000 Euro in der Firma, seine gesamten Ersparnisse und eine fünfstellige Summe, die er sich privat geliehen hat. Weitere Schulden hat er nicht: „Ich bin nicht so der Kredit-Typ.“ Wann hätte er auch einen Businessplan schreiben sollen?

Hornung-Sohner macht keinen Hehl daraus, dass er sich betriebswirtschaftliches Denken erst erarbeiten musste. „Sonst wäre ich sicher manchmal mit mehr Härte gegenüber Lieferanten aufgetreten.“ Dafür arbeitet er nur mit Menschen zusammen, bei denen er „ein gutes Gefühl“ habe.

Bisher zahlt sich das aus. Das Produktionsziel von 1000 Stück für 2015 erreicht er wohl schon 2014. Auch im Ausland wächst das Interesse an den bayerischen Anhängern, sie stehen schon bei französischen und schwedischen Händlern. Für eine mehrsprachige Website indes fehlt gerade die Zeit. Im April steht erst mal der Umzug in eine größere Montagehalle an.

Peter Hornung-Sohner freut sich über den Erfolg, auch wenn der ihm manchmal über den Kopf wächst. Er hätte ja noch viele Ideen wie zum Beispiel Guerilla-Marketing-Aktionen, sagt er. „Aber ich komme einfach nicht dazu.“ ---

Kontakt: www.hinterher.com