Krups

Die Traditionsmarke Krups segelte jahrelang im Windschatten von Nespresso. Nun will sie wieder ihren eigenen Kurs einschlagen.





• Bahri Kurter, 47, neuer Chef des französischen Haushaltsgerätekonzerns Groupe SEB für den deutschsprachigen Raum, bereitet für den Gast in der Offenbacher Firmenzentrale erst einmal einen Cappuccino zu. Um bei der Gelegenheit das neue Flaggschiff der Marke Krups vorzuführen, einen Kaffeevollautomaten. „Beachten Sie die automatische Reinigung der Milchschaumdüse. Wir sind die Ersten, die so etwas haben“, sagt Kurter, ein weltläufiger Schwabe türkischer Herkunft.

Gleich neben dem Vorzeigemodell (unverbindliche Preisempfehlung: 1500 Euro) steht eine kleine Maschine für die Aluminiumportionspackungen von Nespresso. Krups ist seit 1991 Kooperationspartner des Schweizer Lebensmittelgiganten Nestlé und seines Kapselsystems. Einerseits war das eine Ehre für Krups und Gelegenheit, viele Kaffeemaschinen abzusetzen. Andererseits entwickelte sich Nespresso zur stärkeren Marke, die Krups überstrahlte. Zudem ging Nestlé später auch Kooperationen mit anderen Kaffeemaschinenfabrikaten wie De’Longhi ein – und verlor jüngst das Monopol auf die Aluminiumkapseln, die nun auch von Konkurrenten verkauft werden dürfen. Der Markt wird also unübersichtlicher.

Das sind allerlei Gründe für Krups, sich von dem übermächtigen Partner zu emanzipieren. Dafür ist nun Kurter zuständig, der zuvor bei Procter & Gamble, Nike und Puma tätig war. Er sagt: „Wir wollen das Profil der Marke schärfen. Wer an Kaffee denkt, soll an Krups denken.“

Ein ambitioniertes Vorhaben auf dem umkämpften Markt. Der Geschäftsführer kündigt für die kommenden Monate eine Werbekampagne inklusive TV-Spots an, die den Namen wieder stärker ins Bewusstsein bringen soll. Zielgruppe sind ältere, solvente Leute, die an Küchenzubehör nicht sparen.

Die Familienholding Groupe SEB – nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Elektrokleingeräte – hat das nötige Kleingeld für die Markenpflege und einige klingende Namen im Portfolio, neben Krups unter anderem Rowenta, Tefal und Moulinex. Sie zählen im Konzern zu den internationalen Marken mit Potenzial. Derzeit werden 60 Prozent aller Krups-Geräte im deutschsprachigen Raum abgesetzt. Dabei wuchern Kurter und seine Kollegen auch mit der Solinger Tradition der Marke – wiewohl die Geräte heute in Frankreich hergestellt werden. Das Design der Kaffeemaschinen, Mixer, Tischgrills und anderen Haushaltsgeräte ist klassisch, die Farbgebung zurückhaltend.

Beim Krups-Claim – „Perfektion der Leidenschaft“ – ist ganz offensichtlich noch Luft nach oben. Abgesehen davon, dass sich Leidenschaft schwerlich perfektionieren lässt, klingt er wie schlecht von der Deutschen Bank kopiert.

Neben Marketing setzt die Groupe SEB auf Innovationen: 60 Prozent aller Produkte sind jünger als drei Jahre. Für Krups kündigt Kurter eine Universalhaushaltsmaschine an, die den Konkurrenten von Kenwood, Vorwerk und Co. das Fürchten lehren soll. „Mehr“, bedauert er, „darf ich leider noch nicht verraten.“ ---

Robert Krups übernimmt 1846 im heutigen Solinger Stadtteil Wald eine Kleinschmiede, die Waagen herstellt, und baut das Geschäft aus. Sein Credo, so die Überlieferung: „Von jeher ist es mein Bestreben gewesen, sämtliche Fabrikate auf die höchste Stufe technischer Vollkommenheit zu bringen.“ Nach 1945 erweitert die Firma ihre Produktpalette um Küchenkleingeräte. Zum Hit wird 1956 eine elektrische Kaffeemühle – auch dank freundlicher Unterstützung der Großrösterei Haag, die das Gerät in ihrer Werbung für Onko-Kaffee verwendet. Krups blüht und gedeiht, Mitte der Siebziger beschäftigt man 4000 Mitarbeiter. In den Achtzigern gerät das Unternehmen wegen harter Konkurrenz, Missmanagement und zerstrittener Gesellschafter in die Krise. 1991 übernimmt der Konkurrent Moulinex Krups, der wiederum 2002 von der Groupe SEB geschluckt wird. Die Société d’Emboutissage de Bourgogne (Burgunder Blechstanzfirma) verfügt über eine ähnlich lange Tradition wie Krups, sie wurde 1857 gegründet.

Groupe SEB

Umsatz 2013: rund 4,2 Mrd. Euro; Gewinn: 200 Mio. Euro; Zahl der Mitarbeiter: 25 000